Leben ohne ZinsSparen für Berufseinsteiger: Zeit bringt Geld

Symbolbild Geld sparen
Symbolbild Geld sparen Pixabay.com

Till Leuck (Name v.d.Red. geändert) hatte eine Devise, als er vor ein paar Jahren ins Berufsleben einstieg: „Ich wollte mein Geld erst mal auf den Kopf hauen“, sagt er. „Ich habe mir Dinge geleistet, die ich mir als Student nicht leisten konnte: eine Playstation zum Beispiel.“ Aber irgendwann hatte sich der Endzwanziger sattgekauft – und damit kam die Frage: Was macht er jetzt mit seinem Geld?

Leuck ist ein Vertreter einer Gruppe, die bei den Endzwanzigern beginnt und bei den Anfang Vierzigjährigen enden kann: Sie haben nur wenige Verpflichtungen, besitzen (noch) keine Immobilie – und verdienen ziemlich ordentlich. Leuck etwa lebt mit seiner Freundin zusammen, leitet bei der Deutschen Bahn als Ingenieur ein Team von mehreren Mitarbeitern, Urlaube zahlt er direkt von seinem Gehalt – und je nach Monat hat er trotzdem mal 200 Euro, mal 600 Euro übrig.

Diese hohen Beträge sind eine ideale Basis zum Sparen – nur darf Leuck dabei nicht ganz so wie seine Eltern vorgehen und ausschließlich auf Zinsprodukte wie Lebensversicherungen oder Festgelder setzen. Jemand wie er muss den Sparspagat schaffen: Vermögen aufbauen und Rücklagen sammeln. Wer Vermögen aufbaut, kommt um Aktien nicht herum – wer aber Rücklagen ansammelt, kann klassische Anlageprodukte kaum vermeiden. Und das trotz der Niedrigzinsen. Es kommt also auf die richtige Mischung an.

Finanzexperten raten ab vom klassischen Bausparvertrag

So weiß Leuck bereits heute: „Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass ich in einigen Jahren mal ein Haus oder eine Wohnung kaufen möchte.“ Schon allein dafür muss er eine sichere Anlageform wählen, um Schritt für Schritt Eigenkapital anzusparen – das ihm dann auch garantiert zur Verfügung steht, wenn es an den Kauf geht. Leuck weiß natürlich: „Bei sicheren Anlagen kriege ich nichts mehr“ – und selbst- verständlich hat er recht damit. Hohe Renditen kann er bei Festgeld und Co. nicht erwarten, zumindest gibt es bei einigen Banken auch heute noch etwas mehr Zinsen als bei anderen.

Eines aber sollten künftige Immobilienkäufer meiden: den klassischen Bausparvertrag. „Bei einem neuen Bausparvertrag winke auf die Sparbeiträge aktuell nur Minizinsen, die nicht einmal die Gebühren ausgleichen. Und ob sich dann später ein Bauspardarlehen lohnt, weil die Zinsen gestiegen sind, ist ungewiss“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Sparer mit Immobilienwunsch wie Leuck sollten also einen Großteil ihrer Rücklagen in simple und klassische Zinsanlagen stecken. Bloß: Das allein reicht einfach nicht, wenn sie auch noch Vermögen aufbauen wollen. Sie müssen deshalb zumindest einen Teil an den Aktienmärkten investieren. Dort haben sie deutlich mehr Anlageangebot und trotzdem nicht die Qual der Wahl. Für Einsteigger reicht erst mal ein einziges Produkt: „Wir empfehlen einen ETF-Sparplan auf dem MSCI All Country World“, sagt Stephanie Heise, Fi- nanzexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Ein ETF ist ein Fonds, der einen Aktienindex nahezu eins zu eins nachbildet, in diesem Fall den MSCI All Country World, der fast 3000 Aktien abdeckt, sowohl aus Industriestaaten wie den USA als auch aus Schwellenländern wie China.

Auch Vorsichtige machen Gewinn

Wie sinnvoll ein solches Investment ist, zeigt eine Rechnung: Unterstellt Leuck nur eine vorsichtige Gesamtrendite von jährlich fünf Prozent und zahlt jeden Monat 100 Euro in den Fonds ein, verfügt er nach zehn Jahren über 15.499,36 Euro Vermögen. Tatsächlich aber hat der MSCI All Country World seit Jahresende 1987 jährlich im Schnitt acht Prozent Rendite erzielt.

Natürlich wird Leuck Kursschwankungen aushalten müssen. Er muss sich aber klarmachen: Ein weltweit gestreuter Aktienindex ist vergleichsweise risikoarm, wenn man über Jahrzehnte dabeibleibt. Eben weil man mit einem Index sein Geld nicht nur in ein einziges Unternehmen steckt. Für weitere Schritte am Aktienmarkt empfehlen sich nicht nur die Fonds aus dem Capital-Basisdepot. Sparer können darüber hinaus durchaus auf bestimmte Länder oder auch einzelne Branchen setzen. Idealerweise allerdings nicht auf die eigene, weil von der ohnehin schon das Gehalt abhängt.

 


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