SteuernZehn Tipps für den perfekten Steuerbescheid

Von einer großen Steuerreform ist schon lange nicht mehr die Rede. Doch auch mit kleinen Schritten tut sich der Gesetzgeber schwer. Die lange angekündigte steuerliche Förderung für energetische Sanierung – im Februar endgültig geplatzt. Der Abbau der sogenannten kalten Progression – Regierung und Bundesrat konnten sich nicht einigen. Arbeitnehmer, die eine Lohnsteigerung gerade mal in Inflationshöhe erhalten, bekommen durch den ansteigenden Steuersatz letztlich netto weniger ausgezahlt, als die Teuerungsrate ausmacht.

Gerade mal eine Minireform ist durchgekommen: die Anhebung des Grundfreibetrags. Nach langem Hin und Her zwischen Bundesregierung und Bundesrat hat die Länderkammer zugestimmt: Rückwirkend zum 1. Januar steigt der steuerfreie Sockel von bislang 8004 Euro auf 8130 Euro.

Viel bringt das nicht: Je nach Steuerklasse zwischen 1,67 Euro und 4,80 Euro, so die Prognose von Frank Hechtner, Steuerrechtsprofessor an der Freien Universität Berlin. Und selbst dieses kleine Plus dürften die meisten Arbeitnehmer erst im April erhalten, dann allerdings rückwirkend zum Jahresbeginn. Nach Expertenschätzung klappt es vorher nicht, alle Lohnbuchhaltungsprogramme auf die Neuregelung umzustellen.

Wo die Politik versagt, erweisen sich mehr und mehr die Finanzgerichte (FG) als Verbündete der Steuerzahler. Wie schon in den Jahren zuvor haben sie auch 2012 wieder Urteile gefällt, die für mehr Spielraum bei der Steuererklärung sorgen. Welche Tricks der Steuerzahler für die 2012er-Deklaration kennen sollte – und wo sich vorausschauende Planung im laufenden Jahr lohnt.

Arbeitnehmer und Selbstständige – Arbeitszimmer

Es vergeht kein Jahr, in dem nicht vor den Finanzgerichten um Arbeitszimmer gestritten wird. In der vergangenen Zeit entschieden dabei mehrere Richter sehr steuerzahlerfreundlich. Das FG Köln etwa erkannte die Kosten für eine Arbeitsecke an, die nur mit einem Bücherregal vom ansonsten privat genutzten Raum abgetrennt war (Az.: 10 K 4126/09). Ob dies zulässig ist, muss der Bundesfinanzhof (BFH) entscheiden (Az.: X R 32/11).

Das Gleiche gilt für einen Telearbeitsplatz: Nach Auffassung des FG Rheinland-Pfalz dürfen die Kosten dafür inklusive des genutzten Raumes in der Wohnung unbeschränkt abgesetzt werden, wenn sich der Arbeitnehmer gegenüber seiner Firma verpflichtet hat, an mehreren Tagen pro Woche im Homeoffice zu arbeiten (Az.: 4 K 1270/09). Die Finanzverwaltung hat dagegen beim BFH Revision eingelegt (Az.: VI R 40/12).

In einem anderen Fall rief ein Lehrerehepaar das höchste Steuergericht an: Vor dem FG Baden-Württemberg war es gescheitert mit seinem Vorhaben, den absetzbaren Höchstbetrag von 1250 Euro für ein Arbeitszimmer zu verdoppeln.
Begründung: Die Pädagogen teilten sich ein Arbeitszimmer und pochten darauf, dass der Abzugsbetrag pro Person und nicht pro Zimmer gelte. Schließlich habe sich der Gesetzgeber mit der 1250-Euro-Grenze an einem Raum von zwölf bis 14 Quadratmetern orientiert – ihr Zimmer sei jedoch fast doppelt so groß. Die Freiburger Finanzrichter wiesen dies zurück. Der Höchstbetrag sei objektbezogen – und eben nicht personenbezogen (Az.: 3 K 447/12). Nun klärt der BFH die Streitfrage (Az.: VI R 53/12).

Tipp: 
Betroffene sollten ihre Kosten für ihren Arbeitsplatz zu Hause in jedem Fall in der Steuererklärung angeben. Lehnt das Finanzamt ab, dann mit Hinweis auf das BFH-Aktenzeichen Einspruch einlegen, Ruhen des Verfahrens beantragen und abwarten.

Arbeitnehmer und Selbstständige – Private Krankenversicherung

Gutverdienern mit privater Krankenversicherung (PKV) ermöglicht das Steuerrecht ein lukratives Sparmodell: Wer seine Beiträge weit im Voraus bezahlt, profitiert. Erlaubt ist der 2,5-fache Jahresbeitrag, zusätzlich zur ohnehin anfallenden Jahressumme für die Basisversorgung. Wichtig: Beitragsanteile für Krankengeld oder Komfortleistungen wie das Einzelzimmer in der Klinik oder die Chefarztbehandlung müssen herausgerechnet werden. Beiträge an die Pflegeversicherung zählen hingegen voll.

Die Vorauszahlungen sind die Lösung für ein ärgerliches Problem: Bei fast allen Steuerzahlern übersteigen allein die PKV-Beiträge die Höchstgrenzen von Sonderausgaben für die Vorsorge. Bei Angestellten und Beamten sind das 1900 Euro, bei Selbstständigen 2800 Euro. Werden diese Beträge überschritten, können andere Vorsorgekosten, etwa für Risikolebensversicherung, Arbeitslosenversicherung oder die Haftpflichtpolice, nicht mehr geltend gemacht werden.
Durch den Vorauszahlungstrick wirken die Krankenkassenbeiträge im Zahlungsjahr voll steuermindernd. Denn nur für diese gelten die Höchstgrenzen nicht. In den späteren Jahren drücken dann jene Vorsorgeaufwendungen die Steuer, die zuvor durch die Krankenkassenbeiträge überlagert wurden (siehe Musterrechnung).

Tipp: 
Privatversicherte sollten die Beitragsvorauszahlung ernsthaft erwägen. Je höher das Einkommen – und entsprechend der Steuersatz – desto höher der Kickback vom Fiskus. Gesetzlich Versicherte, denen das Sparmodell verwehrt bleibt, weil keine gesetzliche Krankenkasse die Vorauszahlung anbietet, können auf ein Musterverfahren vor dem FG Baden-Württemberg hoffen: Die Richter werden klären, ob die Ausgaben für Versicherungen über die Höchstgrenzen hinaus nicht doch zusätzlich zu den Krankenkassenbeiträgen anerkannt werden müssen (Az.: 9 K 242/12).

Arbeitnehmer und Selbstständige – Doppelte Haushaltsführung

Kaum etwas sorgt bei Arbeitnehmern für höhere Steuerrückerstattungen als eine doppelte Haushaltsführung. Deshalb schaut der Fiskus gerade hier genau hin – und es kommt immer wieder zum Streit vor Gericht. Erfreulicherweise hat der BFH die Rechte der Steuerzahler in den letzten Monaten gleich mehrfach gestärkt: So sind die Kosten auch dann absetzbar, wenn die Wohngemeinschaft mit einer Kollegin als Zweithaushalt dient (Az.: VI R 25/11). In einem anderen Verfahren kamen die obersten Finanzrichter zu der Auffassung, dass ein Arbeitnehmer nicht am Beschäftigungsort wohnen muss, um doppelte Haushaltsführung geltend zu machen. Im zu entscheidenden Fall lag die Zweitwohnung 141 Kilometer von der Firma entfernt, konnte allerdings problemlos täglich durch eine schnelle Bahnverbindung erreicht werden (Az.: VI R 59/11).

Ebenfalls steuerzahlerfreundlich ist die BFH-Auffassung, dass keine Kostenbeteiligung an der Zusatzwohnung nötig ist, um einen eigenen Hausstand nachzuweisen. Noch nicht einmal sonstige Kostenbeteiligungen hielten die Richter für erforderlich. Entscheidend sei vielmehr, dass der Haushalt in einer abgeschlossenen Wohnung geführt werde (Az.: VI R 87/10). Geklagt hatte eine Frau, die nach der Scheidung eine Wohnung im Elternhaus beziehen konnte, dafür aber keine Miete zahlte.

Tipp: 
Durch die BFH-Urteile können Arbeitnehmer leichter eine doppelte Haushaltsführung geltend machen. Diese Chance sollten sie nutzen und sich den Kickback vom Fiskus sichern. Wichtig: Derzeit ist geplant, ab 2014 die durchschnittliche Miete einer 60-Quadratmeter-Wohnung als Höchstgrenze für das Zweitdomizil zu kippen. Stattdessen sollen die Unterkunftskosten auf 1000 Euro pro Monat begrenzt werden. Wer in nächster Zeit eine doppelte Haushaltsführung beginnt, die voraussichtlich bis ins nächste Jahr hineinreichen wird, sollte diese Deckelung bei der Wohnungssuche bedenken.

Musterrechnung – Sparen durch Vorauszahlen

Das Steuerrecht ermöglicht Privatversicherten, die ihre Beiträge auf Jahre im Voraus zahlen können, attraktive Kickbacks vom Fiskus. Die Beispielrechnung zeigt den Steuervorteil für einen Selbstständigen, der für die Basisversorgung seiner privaten Krankenversicherung jährlich 3500 Euro zahlt. Zusätzlich fallen bei ihm noch 4200 Euro Beiträge für eine Kapitallebensversicherung an, die er vor 2005 abgeschlossen hat. Für seine Haftpflicht- und Unfallversicherung überweist er jährlich insgesamt 500 Euro.

1) nur für die Basisversorgung; 2) 2,5-facher Jahresbeitrag der Basisversorgung; 3) darüber hinausgehende Sonderausgaben werden gekappt (Ausnahme: PKV-Basisversorgung); 4) Höchstbetrag gilt nicht für Krankenkassenbeiträge; 5) bei einem Steuersatz von 42 Prozent
Quelle: eigene Recherche
   
Sonderausgaben in Euro 2013 2014
Regulärer PKV-Beitrag1 3500 0
PKV-Vorauszahlung2 8750 0
PKV-Ausgaben gesamt 12250 0
PKV-Ausgaben gesamt
Kapitallebensversicherung
4200 4200
Haftpflicht- und Unfallversicherung 500 500
Abziehbarer Höchstbetrag3 2800 2800
Mindestens jedoch Basis-PKV4 12250 0
Steuerersparnis in Euro5 2013 2014
Mit Gestaltung 5145 1176

Arbeitnehmer und Selbstständige – Vielfahrer

Starten Finanzbeamte den Routenplaner, um die Kilometerangaben für die Pendlerpauschale zu prüfen, kommt es schnell zu kritischen Rückfragen. Glücklicherweise hat der BFH auch hierzu steuerzahlerfreundlich entschieden und zwei Grundsätze zur „verkehrstechnisch günstigeren Strecke“ aufgestellt. Sind diese Kriterien erfüllt, können die Kilometer für diesen Arbeitsweg angesetzt werden – und nicht die sonst vorgeschriebene kürzeste Verbindung zwischen Heim und Firma. Wird trotz Umweg, etwa über die Autobahn, eine Zeitersparnis von mehr als zehn Prozent gegenüber der kürzeren Strecke erreicht, muss der Fiskus die größere Entfernung akzeptieren.

Neben diesem Zeitfaktor können auch andere Umstände für einen anderen Arbeitsweg sprechen: Denkbar sind Ampelschaltungen, Straßenzustand, Baustellen oder Wartezeiten bei Fährverbindungen (Az.: VI R 46/10 und VI R 19/11).

Tipp
: Pendler sollten die Argumente für einen längeren Fahrweg gut begründen und dokumentieren. Zum Beispiel durch exemplarisch gestoppte Fahrzeiten – oder mit Fotos von Baustellen, Straßenschäden oder Ampelstaus.

Arbeitnehmer und Selbstständige – Smartphone

Wer von seinem Arbeitgeber Smartphone, Tablet-PC oder Notebook erhält und diese auch privat nutzen darf, muss weder Steuern noch Sozialabgaben auf den geldwerten Vorteil zahlen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Geräte nur Leihgaben sind. Verschenkt die Firma die Arbeitsmittel, muss das Unternehmen 25 Prozent Pauschalsteuer zahlen; Sozialabgaben fallen keine an. Der Arbeitnehmer selbst muss auch in dem Fall keine Steuern zahlen.

Tipp: 
Wer mit seinem Chef ein höheres Gehalt aushandeln möchte, sollte überlegen, ob nicht auch die steuerfreie Überlassung von elektronischen Geräten ein Bestandteil des Deals sein kann. Denn hier sparen beide Seiten. Übrigens: Auch Tankguthaben oder Warengutscheine können Arbeitnehmer in Höhe von 44 Euro monatlich von ihrer Firma annehmen, ohne dass Steuern und Sozialabgaben darauf anfallen.

Familie – Ausbildung lohnt

Vor allem Familien mit Kindern in Ausbildung oder im Studium können dank aktueller Urteile oder Verwaltungsvorschriften Steuern sparen. So dürfen nach einem BFH-Urteil Studenten ihre Miete am Studienort absetzen, wenn ihr Lebensmittelpunkt weiter in ihrem Heimatort liegt (Az.: VI R 78/10). Die Unterkunft zu Hause muss keine Wohnung sein, das Zimmer bei den Eltern genügt. Allerdings sollten sie mindestens zweimal im Monat gen Heimat fahren, auch diese Kosten lassen sich absetzen.

Haben die Kinder bereits vor dem Studium eine Ausbildung absolviert, schlagen die Ausgaben voll als Werbungskosten zu Buche – und können somit bis zum Berufsstart als Verluste vorgetragen werden. Ohne vorherige Ausbildung zählen sie als Sonderausgaben, die leider bei den meisten Studenten mangels niedriger Einkünfte wirkungslos verpuffen. Diese Auffassung der Finanzverwaltung ist allerdings umstritten. Betroffene sollten daher Belege sammeln und die Steuerrechtsprechung im Blick behalten.

Auch die Position von Studenten, die vom Elternhaus zur Uni mit dem Auto fahren, hat der BFH gestärkt: Sie können künftig für jeden gefahrenen Kilometer 30 Cent als Kosten geltend machen (Az.: VI R 44/10). Also mehr als doppelt so viel wie bislang, da nur 30 Cent pro Entfernungskilometer wie bei der Pendlerpauschale möglich waren. Aber Achtung: Die Kosten müssen auch tatsächlich anfallen. Wer mit dem Semesterticket, einer Fahrgemeinschaft oder dem Fahrrad fährt, kommt – anders als Arbeitnehmer bei der Pendlerpauschale – nicht in den Genuss der Regelung.

Eltern mit Kindern in einer Lehre können deren Krankenkassenbeiträge in ihrer Steuererklärung ansetzen: Die Oberfinanzdirektion Magdeburg hat deutlich gemacht, dass Eltern die Krankenkassenbeiträge der Sprösslinge, für die es noch Kindergeld gibt, selbst als Sonderausgaben geltend machen können (Az.: S 2221-118-St 224). Das wirkt sich dank des meist deutlich höheren Steuersatzes bei den Eltern oftmals besser aus als bei den Auszubildenden selbst.

Wichtig: Es kommt nicht darauf an, ob die Eltern die Krankenkassenbeiträge tatsächlich gezahlt haben. Es genügt, wenn die Kinder Unterhalt und Verpflegung erhalten – zum Beispiel, wenn sie noch zu Hause wohnen. Der Clou: Der Sonderausgabenabzug darf sogar nach „nachvollziehbaren“ Kriterien zwischen Eltern und Kind aufgeteilt werden – nur doppelt abgesetzt werden dürfen sie nicht.

Tipp: 
Die Urteile und Verwaltungsanweisungen bieten hervorragende Gestaltungsmöglichkeiten für Familien. Es lohnt sich, wenn Studenten ihr Jugendzimmer bei den Eltern behalten und regelmäßig nach Hause fahren. Und wenn sie mit dem Auto zur Uni fahren, sollten sie regelmäßig Tankbelege für das Finanzamt sammeln. Vor der anstehenden Steuererklärung kann zudem in der Familie überlegt werden, wer die Krankenkassenbeiträge am besten absetzt.

Privatanleger – Altverluste bedenken

Anleger, die ihre Verluste aus der Zeit vor Einführung der Abgeltungsteuer im Jahr 2009 noch nicht mit Gewinnen verrechnet haben, müssen sich beeilen: Unkompliziert geht das nämlich nur noch bis Ende dieses Jahres. Ab 2014 gewährt der Fiskus die Verrechnung nur noch mit Gewinnen aus sogenannten privaten Veräußerungsgeschäften. Dazu zählen Erträge durch den Verkauf von Mietimmobilien, Edelmetallen – als Barren oder Münzen -, Antiquitäten oder Kunstgegenständen.

Da viele Steuerzahler derartige Geschäfte nur selten tätigen, sollten sie die Kurszuwächse der vergangenen Monate nutzen, um möglichst viele Altverluste abzuschmelzen. Das Steuerrecht erlaubt dies nur mit Aktiengewinnen oder Erträgen aus dem Verkauf von Anleihen, Zertifikaten und Fondsanteilen. Zinserträge, Dividenden und Auszahlungen aus Lebensversicherungen oder Fondsausschüttungen lässt der Fiskus nicht gelten.

Tipp: 
Investoren können mit Blick auf ihre roten Zahlen in der Vergangenheit auch Kasse machen, wenn sie für die Zukunft an Kurszuwächse glauben. Selbst ein Rückkauf am gleichen Tag ist laut BFH kein Gestaltungsmissbrauch (Az.: IX R 60/07).

Privatanleger – Xetra-Gold

Die Steuerregeln rund ums sogenannte Xetra-Gold sorgen immer wieder für Verwirrung. Eigentlich hat sich die Finanzverwaltung in einem Anwendungsschreiben klar positioniert: Xetra-Gold und andere verbriefte Goldanleihen sind dem Besitz von physischem Gold nicht gleichzustellen (GZ: IV C 1-S 2252/08/10004; DOK: 2009/ 0.860.687). An diese Auffassung halten sich die Banken und behalten Abgeltungsteuer ein.

Doch trotz dieser Regelung haben Anleger beim Finanzamt immer wieder mit ihren Einsprüchen gegen die Besteuerung Erfolg. Sie argumentieren, dass Anleihen mit einem Kauf von Gold gleichzusetzen sind und dies kein Zertifikate-Zocken ist. Das Finanzprodukt sei schließlich mit Gold hinterlegt und beinhalte einen entsprechenden Lieferanspruch.

Laut Berichten diverser Capital-Leser wird diese Argumentation oft anerkannt. Auch Andreas von Brevern, Sprecher bei Deutsche Börse Commodities, die Xetra-Gold aufgelegt hat, bestätigt solche Erfahrungsberichte. Es gibt allerdings auch viele Privatanleger, die mit ihren Einsprüchen scheitern, weil der Sachbearbeiter sich in ihren Fällen an das Verwaltungsschreiben hält.

Experten sind sich einig: Es wird Zeit für die Klärung durch ein Gericht. Am FG Baden-Württemberg ist nun endlich ein Verfahren zu Xetra-Gold anhängig (Az.: 9 K 4022/12). Der Termin der mündlichen Verhandlung steht noch nicht fest. Egal wie es ausgeht, die Chancen stehen gut, dass die unterlegene Partei Revision beim BFH einlegen wird, der hätte dann das letzte Wort.

Tipp: 
In der aktuellen Situation schadet es nicht, Einspruch einzulegen – der kostet nichts. Sollte das erfolglos sein, gilt es abzuwägen, ob sich eine Klage lohnt. Für die meisten Privatanleger dürfte es bei nur einigen Hundert Euro strittiger Abgeltungsteuer vernünftiger sein, abzuwarten, bis ein BFH-Aktenzeichen vorliegt. Dann besteht Rechtsanspruch auf Verfahrensruhe bis zur endgültigen Klärung.

Privatanleger – Europa entscheidet

Anleger, die sogenannte intransparente Fonds halten, können ebenfalls hoffen: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) soll prüfen, ob die hohe Pauschalbesteuerung in Deutschland – im Extremfall bis zu 70 Prozent – mit dem Vorgehen im Rest Europas zu vereinbaren ist (Az.: C-326/12). Etliche Steuerexperten bezweifeln dies, sie kritisieren, die deutsche Sonderregelung behindere die Kapitalverkehrsfreiheit.

Tipp: 
Durch die anhängige Rechtssache beim EuGH haben Anleger Anspruch auf Ruhen des Verfahrens, das sie mit einem Einspruch beantragen können.

Immobilienbesitzer – Aufträge an Firmen

Wenn es um haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerrechnungen geht, sind die Finanzämter kompromisslos: An der Grundstücksgrenze ist Schluss, so lautet die Verwaltungsauffassung. Das FG Berlin-Brandenburg dagegen entschied jüngst in gleich zwei Fällen anders. Es erkannte etwa die Winterdienstkosten nicht nur fürs Schneeräumen auf dem Grundstück, sondern auch für den angrenzenden Gehweg an (Az.: 13 K 13.287/10). Der Fiskus ging in Revision, nun klärt der BFH die Streitfrage (Az.: VI R 55/12).

Im anderen Fall gewährte das FG Berlin-Brandenburg den Kostenabzug für den Zwangsanschluss an die Wasserversorgung, obwohl ein Teil der Arbeit außerhalb des Grundstücks anfiel (Az.: 7 K 7310/10). Auch hier hat der BFH das letzte Wort (Az.: VI R 56/12).

Tipp: 
Immobilienbesitzer, die Dienstleistungen oder Handwerksarbeiten auch teilweise außerhalb der Grundstücksgrenze erbringen lassen, sollten die Kosten in der Steuererklärung geltend machen. Der Fiskus wird dies zunächst ablehnen, daraufhin gilt es, Einspruch einzulegen und unter Hinweis auf die BFH-Aktenzeichen ein Ruhen des Verfahrens zu beantragen, um von späteren positiven Urteilen zu profitieren.

Check – So prüfen Sie Ihre Lohnabzugsdaten

Seit Januar sind Arbeitnehmer elektronische Steuerbürger.
Pannenstart: Arbeitgeber können seit Anfang dieses Jahres die Lohnsteuerdaten ihrer Mitarbeiter für die Gehaltsabrechnung elektronisch bei der Finanzverwaltung abrufen. Endlich – der Start der „Elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale“, kurz ELStAM, hatte sich wegen Computerproblemen des Fiskus um zwei Jahre verzögert. Wegen dieser Pannen haben viele Experten nur wenig Vertrauen in die Datenqualität. Sie raten allen Arbeitnehmern, die gespeicherten Informationen zu Steuerklasse, Kinderzahl, Religionszugehörigkeit oder auch Freibeträge oder Pauschbeträge auf Richtigkeit möglichst schnell zu prüfen – zumal spätestens bis Ende des Jahres alle Buchhaltungen damit arbeiten müssen.

Kontrolle: Möglich ist der Check im Finanzamt oder per Internet: Dazu können sich Arbeitnehmer mit ihrer Steueridentifikationsnummer unter www.elsteronline.de registrieren. Auf www.formulare-bfinv.de finden sie unter „Formulare A-Z/Lohnsteuer“ Anträge auf Korrektur oder Ergänzung der Merkmale. Die müssen stets dem Finanzamt vorgelegt werden.