StreitgesprächWoran krankt der Dax?

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Muss die Deutsche Börse ihr Regelwerk ändern, um den Dax durchlässiger und breiter aufzustellen?

MEYER ZU DREWER: Warum? Der Index erfüllt seinen Zweck und trägt zu Recht den Namen „Leitindex“. Und gegenüber anderen Leitindizes wie dem Dow Jones und dem Nikkei-Index ist der Dax sauber konstruiert.

GEBHARDT: Das sehe ich kritischer. Es gibt doch einige Ungereimtheiten. Der Gaskonzern Linde mit Sitz in Dublin ist im Index, Airbus mit Sitz in Toulouse nicht. Ist das nachvollziehbar und im Interesse aller Investoren? Da habe ich Zweifel. Aber gefragt sind natürlich auch Anleger. Die sollten in meinen Augen nicht auf die Chancen der Titel hinter den größten 30 verzichten.

In den Dax sind über ETFs rund 16 Mrd. Euro investiert. Wird die Symbiose aus dem prominenten Leitindex und immer mehr passiven Geldern zu einem Risiko?

MEYER ZU DREWER: Nein. Die Herausforderung ist eher, dass immer mehr automatische, algorithmusgetriebene Handelssysteme an den Märkten agieren. Die kaufen Dax-Aktien, wenn die Kurse stark steigen, und verkaufen, wenn sie wieder fallen. Oft prozyklisch. ETFs sind nur ein Instrument, um in Märkte zu investieren.

GEBHARDT: Da muss ich den Index und die ETF-Branche tatsächlich in Schutz nehmen. Die Debatte dreht sich zu oft um Vehikel, obwohl sie in der Sache geführt werden muss: Wie können Privatanleger sich einfacher am Aktienmarkt beteiligen, egal ob aktiv oder passiv? Und, kritisch betrachtet: Wie gefährlich ist der automatisierte Handel?

Herr Meyer zu Drewer, dürften Ihre Kinder ihr Taschengeld in einen aktiven Fonds für deutsche Aktien anlegen, zum Beispiel in den von Herrn Gebhardt?

MEYER ZU DREWER: Natürlich. Das ist kein Vergehen, für das ich das Taschengeld streiche (lacht). Mein Punkt ist: Sie sollten einen Plan haben und die Disziplin, ihn durchzuhalten. Vor allem wenn der Markt einbricht. Halten sie dann mit einem ETF durch? Bestens. Halten sie mit den Fonds von Herrn Gebhardt durch? Auch gut!

Und wenn Ihr Nachwuchs Dax-ETFs kaufen will, Herr Gebhardt?

Gebhardt: Klar. Das Wichtigste ist, überhaupt in Aktien anzulegen, egal ob aktiv oder passiv. Dass dies nur so wenige tun, ist unser Kernproblem in Deutschland.