AktieWirecard und das große Zahlenrätsel

Wirecard-Chef Markus Braun
Wirecard-Chef Markus Braundpa

Es sind Geschichten wie diese, aus denen später oft Kinofilme gemacht werden. Und im Fall von Wirecard würde es wohl ein handfester Krimi werden. Die Hauptrolle spielt darin eine Firma, die vor 21 Jahren mit einer sehr guten Geschäftsidee gegründet wurde. Mit der Idee nämlich, der Welt die Echtzeitüberweisung zu ermöglichen oder zumindest erst einmal die Online-Überweisungen. Doch erst einmal geriet die junge Firma in den Strudel der Dotcom-Krise und wurde dabei von einem Unternehmen aufgekauft, der damals vom Hoffnungswert zum Pennystock mutiert war. Das bremste die Entwicklung.

Doch die Technologieidee von Wirecard ist eine, ohne die heute kein Onlineshop möglich wäre und auch kein digitales Bezahlen. Deshalb hat die Firma aus Aschheim bei München inzwischen ihren Siegeszug angetreten. Sie wächst gewaltig. So gewaltig, dass sie seit 2019 zum Kreis der 30 größten börsennotierten Konzerne Deutschlands gehört – zu den Dax-Unternehmen.

Seit Jahren gibt es aber auch Kritiker, die unbequeme Fragen stellen: Kann das wirklich sein? Stimmen all diese Zahlen, die da in den Geschäftsberichten stehen? Und geht hier alles mit rechten Dingen zu?

Die Vorwürfe von einigen Journalisten und Research-Unternehmen jedenfalls sind hart: Hier wird getrickst, sagen sie, es würden Zahlen geschönt. Es gebe Bilanzfälschungen oder zumindest Unregelmäßigkeiten bei den Buchungen. Dabei gerieten besonders Tochtergesellschaften in Asien, Dubai, Singapur und Irland in den Fokus. Und die Vorwürfe der Bilanzfälschung erhoben die Wirecard-Kritiker nicht bloß einmal, sondern immer wieder: Zuerst 2010, dann 2016, 2017 und zuletzt zweimal im vergangenen Jahr. Das brachte zumindest die Wirecard-Aktie immer wieder mächtig ins Schleudern.

Wirecard weist alle Vowürfe zurück

Aber was ist nun an den Vorwürfen dran? Diese Frage ist bis jetzt nicht eindeutig geklärt. Auch bei der Vorlage der Zahlen für 2019 erfuhren die Investoren dazu – nichts. Dabei hatten doch etliche Marktbeobachter gehofft, Wirecard ließe zumindest erste Details durchblicken, denn eine Sonderprüfung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG läuft seit Herbst vergangenen Jahres. Wirecard hatte sie selbst in Auftrag gegeben, um endlich die Vorwürfe vom Tisch zu räumen. Und ursprünglich hieß es, sie solle bis Anfang 2020 abgeschlossen sein. Inzwischen wird das Ende des ersten Quartals als Stichtag für die Veröffentlichung der Prüfergebnisse genannt.

Nun kann man viel spekulieren, was es bedeutet, dass sich die Prüfung hinzieht und bisher so gar keine Details durchsickern: Ist es ein gutes Zeichen, weil die Wirtschaftsprüfer eben diskret und sehr gründlich ihre Arbeit erledigen und das lieber in Ruhe abschließen wollen, als vorschnell Teilergebnisse zu verkünden? Oder ist hier am Ende alles doch viel komplizierter, als gedacht und wartet die Börsenwelt deswegen bislang vergeblich auf die Entwarnung?

Kompliziert ist der Fall Wirecard in der Tat. Denn die ersten vermeintlichen Aufklärer vom Verband der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre gerieten selbst ins Visier der Ermittlungsbehörden: Genau diejenigen, die das Unternehmen vor Jahren der Falschbilanzierung beschuldigt hatten, wollten daraus selber Gewinn ziehen, stellte am Ende die Staatsanwaltschaft München fest. Sie hatten Short-Papiere gekauft und damit auf den Absturz der Aktie gewettet. Den Kurssturz schrieben sie dann selber herbei. Deshalb erging gegen sie das Urteil, sie hätten den Markt manipuliert.