AktieWirecard ist Anlegers Liebling

Der Finanzdienstleister Wirecard ersetzt die Commerzbank im Dax
Der Finanzdienstleister Wirecard ersetzt die Commerzbank im DaxWirecard

Was gibt es am Aktienmarkt nicht alles für Indikatoren für eine Blase oder Übertreibung? Manche machen den „Bild“-Indikator aus, wenn Aktien in Deutschlands bekanntestem Boulevardblatt besprochen werden. Auch Taxifahrer wurden schon bemüht. Ein Mitglied des Investmentportals Feingold Research wurde jüngst beim Zahnarzt ungefragt auf Wirecard angesprochen. Kein Wunder, mag man da sagen.

Die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard ist diesem Jahr das Nonplusultra am deutschen Aktienmarkt. Keine Aktie aus der Dax-Familie steht derzeit besser da. Im September geht es in den Dax, wo die Aktie die Commerzbank verdrängt. Daran ändert auch nichts, dass der Dienstleister hier und da mit dubiosen Geschäften in Verbindung gebracht wird und von Shortsellern angegriffen wurde oder ein großes deutsches Wirtschaftsmagazin jüngst Zweifel säte. Die Kursmarke von 200 Euro ist in Sicht. Doch risikolos ist Wirecard keinesfalls.

Bleibt der Tech-Titel Anlegers Liebling?

Wirecard hat sich in diesem Jahr fast verdoppelt, angetrieben durch starke Wachstumsraten, aussichtsreichen Zukunftschancen und regelmäßigen Prognoseanhebungen. Ob bei Gettex, Flatex oder CMC – bei allen Brokern steht die Aktie auf der Beliebtheitsliste ganz weit oben. „Wirecard ist zu einem der beliebtesten Basiswerte in diesem Jahr geworden“, sagt Nicole Wittmann, Derivate-Expertin der Bank Vontobel. „Die meisten Anleger waren optimistisch gestimmt und haben regelmäßig gehebelt mit verschiedenen Turbo-Papieren auf steigende Kurse gesetzt“, erklärt Wittmann.

So ganz nebenbei ist Wirecard auch noch zum größten Finanzdienstleister in Deutschland aufgestiegen. Aktuell hat das Unternehmen aus der Nähe von München einen Börsenwert von rund 22 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Die Commerzbank liegt bei rund 10 Mrd. Euro und die Deutsche Bank bei 20 Mrd. Euro.

Im Gegensatz zu den beiden Geschäftsbanken, die ihr Geld mit Privat- und Geschäftskunden verdienen, profitiert Wirecard vom bargeldlosen Zahlungsverkehr. Bei jeder Transaktion, die über ihre Plattform läuft, bleiben rund 1,5 Prozent als Erlös bei der Firma hängen. Das Kundenspektrum ist breit gefächert und mit Visa, Aldi oder Ikea gehören große Namen dazu.

Was passiert nach dem Dax-Aufstieg?

Der Software- und IT-Spezialist profitiert kräftig vom stark wachsenden Internethandel. Die US-Researchfirma Emarketer prognostiziert, dass sich der weltweite Internethandel zwischen 2017 und 2021 mehr als verdoppeln wird auf 4900 Mrd. Dollar. Wirecard hat bereits in diesem Jahr aufgrund des starken Wachstums seine Prognose zwei Mal angehoben. Seit Jahren wachsen Umsatz und Gewinn satt zweistellig.

Allerdings sei allen bedenkenlos optimistischen Fans gesagt, dass die Aktie mit dem 14-Fachen des Umsatzes bewertet ist. Zum Vergleich: SAP kommt auf einen hohen Wert von fünf, Siemens auf rund eins und die strauchelnde Deutsche Bank gar nur auf 0,7. Beim Kurs-Gewinnverhältnis liegt der Dax unter 15, Wirecard kommt auf 50. Mit anderen Worten: Der Trend in der Aktie ist zwar intakt, nach allen Bewertungsmaßstäben ist der Titel aber sagenhaft teuer.

Aufpassen und agieren

Oft ist ein Rally bei Eintritt in den Dax zu Ende, auch Feingold Research kann sich spätestens bei 200 Euro im Kurs eine merkliche Abkühlung vorstellen. Wer die Aktie in seinem Depot hat, muss sie nicht zwingend verkaufen, er kann sich auch absichern. Mit dem Turbo-Bear-Papier mit der WKN GM5JGP ist das möglich. Spekulative Pessimisten für Wirecard können auch den Turbo-Bear MF6EWB mit höherem Hebel von 8 zur Absicherung oder Spekulation nutzen.

Vorsichtig sollte man angesichts der Schwankungen bei Wirecard sein. Die Aktie wird mit einer hohen impliziten Volatilität bewertet, was meist bei sehr stark schwankenden Aktien vorkommt. „Anleger können diese Situation nutzen, indem sie Produkte einsetzen, die von einer Beruhigung der Volatilität profitieren“, erläutert Matthias Schwärzler, Derivate-Experte von Goldman Sachs. „Hierzu zählen etwa Discount-Zertifikate, die mit einem Abschlag zum Aktienkurs gehandelt werden. Tendenziell gilt: Je höher die Volatilität, desto größer der Abschlag.“

Erfahrene Anleger die gegen Wirecard setzen möchten schauen sich Discount-Puts an. Besonders bei Scheinen die „aus dem Geld“ notieren, profitieren Anleger deutlich von der hohen Volatilität. Nimmt man lange Laufzeiten wie bei den WKN HX40V9 oder HX40V8 finden skeptische Anleger ein sehr gutes Chance/Risiko Verhältnis.

Umgekehrt bedeutet dies, dass Optionsscheine auf Wirecard eher teuer aussehen. Das hat man gemein mit einem Highflyer aus den USA – Tesla. Doch die Geschichte würde zu weit führen.