Versicherer 2.0Wie Versicherungs-Start-ups den Markt aufmischen

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Welcher Preis ist fair?

Genaues Hinsehen ist auch bei den Preisen geboten, denn nicht alles, was laut Werbung „super günstig“ (One) oder „ab 1,79 Euro pro Tag“ (Coya) zu haben ist, ist auch tatsächlich günstiger als anderswo. Zwar sparen digitale Versicherer durch schlanke Prozesse einiges an Kosten. Aber sie müssen auch reichlich Geld in Werbung pumpen.

Häufig können sich die Netzanbieter zwar im preisgünstigen Segment platzieren – allerdings nicht unbedingt für jede Kundengruppe. Wer etwa eine günstige Haftpflichtpolice für kinderlose Singles hat, liegt bei Angeboten für Familien womöglich nur im Mittelfeld.

So bietet zum Beispiel im umkämpften Markt für Autoversicherungen der digitale Kfz-Versicherer Friday einen Tarif an, der kilometergenau abrechnet, und zielt damit vor allem auf Wenigfahrer – sprich: auf Risiken mit geringen Schäden. Aber auch in diesem Bereich ist Friday nicht unbedingt der günstigste Anbieter. Will CEO Christoph Samwer aber auch gar nicht: „Wir wollen Preis-Leistungs-Sieger sein.“ -Bisher hat er in zwei Jahren rund 40.000 Kunden gewonnen – und ist sicher: „Der Vertrieb funktioniert, die Kunden sind bereit, im Internet abzuschließen.“

Schon länger werkelt Samwers Berliner Start-up zudem an einer dynamischen Form der Preisgestaltung, ähnlich wie bei Online-Flugtickets. Die Preisschwankungen im Markt seien mit fünf bis zehn Prozent bisher eher gering, sagt Samwer. Man wolle ein Verständnis für den Preis bekommen, den Kunden zu akzeptieren bereit seien – er nennt das den fairen Preis. Fraglich, ob das die Kunden auch so sehen, für die stündlich fluktuierende Preise den Vergleich erschweren.

Den etablierten Anbietern ist klar, dass sie ihre Produkte vereinfachen und veraltete IT erneuern müssen, wenn sie mithalten wollen. Viele setzen inzwischen auf die Zusammenarbeit mit Insurtechs, bei denen sie Know-how oder Dienstleistungen einkaufen. Technisch knirscht es bei solchen Kooperationen zuweilen gewaltig: „Es gibt immer noch Versicherer, die uns Steinplatten vor die Tür werfen“, staunte kürzlich ein Insurtech-Boss in Berlin.

Noch sind die Newcomer viel zu klein, als dass sie den Branchengrößen ernsthaft gefährlich werden könnten: Friday hat bislang rund 40.000 Kfz-Kunden, während der Marktführer HUK-Coburg Ende 2018 knapp zwölf Millionen Versicherte zählte – 300-mal so viele.

Dennoch gründen viele Etablierte inzwischen selbst Onlinemarken. Für den Ergo-Konzern etwa ging im Oktober 2017 der digitale Kfz-Versicherer Nexible an den Start. „Wir sehen uns als Technologie-Company, die auch versichert“, sagt dessen CEO John-Paul Pieper. Vielleicht ist das die Zukunft des Geschäfts: Hauptsache, Tech.