SteuernWie Sie bei Ausbildung und Studium Steuern sparen können

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Ganz ohne Gestaltung funktioniert die Anrechnung für Studenten und Azubis, bei denen der Arbeitsvertrag die Ausbildung oder das Studium vorsieht. Da sie steuerpflichtige Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit erzielen, dürfen sie alle Bildungsausgaben als Werbungskosten anrechnen. Kostenerstattungen des Arbeitgebers mindern den Abzug. Auch Studenten im Erststudium nach der Berufsausbildung und im Masterstudium haben diesen Steuervorteil. Selbst Doktoranden, die sich per Arbeitsvertrag zur Promotion verpflichten, sponsert das ­Finanzamt den akademischen Titel.

Der Clou: Ist während des Studiums das Einkommen zu niedrig, überträgt der Fiskus die Ausgaben ohne Weiteres in künftige Steuerjahre. Dazu muss man lediglich für jedes Studienjahr freiwillig eine Steuer­erklärung abgeben – selbst wenn man gar kein Einkommen erzielt hat.

Damit das Finanzamt ein Studium als Zweitausbildung akzeptiert, muss die davor absolvierte Ausbildung mindestens zwölf Monate gedauert und durchschnittlich 20 Stunden pro Woche umfasst haben. „Ist eine Abschlussprüfung nicht vorgesehen, gilt die Ausbildung mit der tatsächlichen Beendigung als abgeschlossen“, erläutert Steuerberater Wawro. Kürzere Lernzeiten wertet das Finanzamt seit 2015 nur noch als berufsvorbereitende Maßnahmen. Anders als früher akzeptieren die Finanzämter auch nicht mehr den Trick, erst einen Taxi­führerschein zu machen oder eine Ausbildung zum Rettungssanitäter.

In einem ebenfalls vom Bund der Steuerzahler angestrengten Musterprozess muss der Bundesfinanzhof noch entscheiden, ob Studenten auch die Kosten eines Auslands­semesters steuerlich geltend machen können. Die Klägerin studierte im Fach International Business an der FH Dortmund. Die Studienordnung schrieb zwei Auslandssemester vor, die sie in London und Dublin absolvierte. Der Fiskus will die Kosten für diese Auslandsstudien aber bisher nicht akzeptieren. Hier gilt der Tipp: Betroffene Studenten machen sämtliche Kosten ihres Auslands­aufenthalts als Werbungskosten geltend, legen nach einer ablehnenden Entscheidung des Finanzamts Einspruch ein und beantragen ein „Ruhen des Verfahrens“ unter Berufung auf das anhängige Revisionsver­fahren (Az. VI R 3/18).


Der Beitrag ist in Capital 03/2020 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay