AltersvorsorgeSo wirkt sich eine Scheidung auf die Rente aus

Eine Scheidung hat Auswirkungen auf die Rentenansprüche
Eine Scheidung hat Auswirkungen auf die Rentenansprüchedpa

Wer heiratet, der schwört sich nicht nur die ewige Liebe, sondern willigt auch in eine Gütergemeinschaft ein. Aus „meins“ und „deins“ wird „unser“ – bis die Scheidung kommt. Als wäre der Streit um Möbel, Geschirr und Haus nicht schon schlimm genug, müssen Paare dann auch ihr Vermögen aufteilen – einschließlich der Rente. Alle Rentenansprüche, die Partner während der Ehe erwerben, gelten als gemeinschaftliche Lebensleistung und gehören somit beiden zu gleichen Teilen.

Eine Scheidung löst die vereinbarte Gütergemeinschaft auf und teilt alles durch zwei. Hat einer der Partner besser verdient und damit während der Ehe höhere Rentenansprüche erwirtschaftet, muss er die Hälfte des Überschusses davon an den Ex abtreten, sodass rein rechnerisch beide Partner während der Zeit als Ehepaar gleich viel in die Rentenkasse eingezahlt haben. Wie hoch die Ausgleichssumme im Einzelfall ist, legt das Familiengericht bei eingereichter Scheidung während des Aufhebungsverfahren fest. Ausnahmen gibt es nur bei Ehen und Lebenspartnerschaften, die weniger als drei Jahre gehalten haben. Oder wenn das Paar auf den Ausgleich verzichtet und sich zum Beispiel über einen Vermögensausgleich einigt.

Kommt es zum Versorgungsausgleich, erfahren Ex-Partner im Scheidungsurteil, wie viel sie von ihrer gesetzlichen, privaten und betrieblichen Rente an den anderen abtreten müssen. Ist der Betrag nur gering, weil zum Beispiel beide annähernd gleich viel verdient haben, verzichtet das Familiengericht auf einen Ausgleich. Umgekehrt gilt, je größer der Einkommensunterschied in der Ehe war, desto mehr müssen Ex-Partner abtreten. Im Ruhestand muss manch geschiedener Rentner monatlich auf mehrere Hundert Euro verzichten – bis an sein Lebensende.

Nur in einem Sonderfall können Rentner ihre verloren geglaubten Rentenansprüche zurückholen: Stirbt der Ex-Partner frühzeitig, haben Versicherte Anspruch auf ihre volle Rente. Dabei gibt es nur zwei Probleme: Viele ehemalige Paare haben nach der Scheidung keinen Kontakt mehr, insbesondere, wenn die Partnerschaft im Streit geendet hat und es keine gemeinsamen Kinder gibt. Versicherte bekommen oft also gar nicht mit, wenn der Ex stirbt. Das ist aber von entscheidender Bedeutung. Denn der länger lebende Partner bekommt seine volle Rente nur dann zurück, wenn er einen Antrag stellt. Ohne Antrag bleibt das Geld in der Kasse des Rententrägers. Dieser informiert den überlebenden Partner nicht von sich aus.

Wissen Rentenversicherte vom Tod ihres Ex, kommen sie am einfachsten an ihre abgetretenen Rentenansprüche, wenn der ehemalige Partner bereits vor Rentenantritt gestorben ist oder nicht länger als 36 Monate Rente bezogen hat. Dann genügt ein einfacher Antrag auf „Anpassung wegen Todes“ zum Beispiel an die Deutsche Rentenversicherung.

Hat der Ex bereits länger als drei Jahre Rente bezogen, müssen Versicherte zum Familiengericht und eine Neuberechnung des Ausgleichs beantragen. Das ist auch dann möglich, wenn der Rentenversicherer zuvor den Antrag abgelehnt hat. Das Gerichtsverfahren ist meist aber sehr kompliziert. In viele Fällen ist der Gang zum Anwalt ratsam, da Gerichte in solchen Fällen sehr unterschiedlich entscheiden.

Egal welchen Weg Versicherte einschlagen, sie sollten schnell handeln. Denn das Extra-Geld gibt es nicht rückwirkend für die Zeit vor der Antragsstellung. Wer erst ein Jahr später vom Tod des Ex erfährt, kann unwissentlich bereits auf Tausende Euro verzichtet haben.

 


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