Capital-History

Die großen BetrügerWie Michael Milken mit Ramschanleihen Kasse machte

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Der Erfolg gibt ihm recht

Vor seinem Porträt spricht Michael Milken auf einer Konferenz im Frühsommer 1989 – die Strafverfolgungsbehörden sind da schon hinter dem „König der Ramschanleihen“ her
Vor seinem Porträt spricht Michael Milken auf einer Konferenz im Frühsommer 1989 – die Strafverfolgungsbehörden sind da schon hinter dem „König der Ramschanleihen“ her – Foto: Getty Images

Milkens Team hat damit im Schrottsegment quasi ein Monopol. Als Gebühr verlangt es drei bis fünf Prozent des vermittelten Volumens. Und es agiert gleichzeitig als Analyst, Händler und Verkäufer – nicht illegal, aber ein Interessenkonflikt. Mit seinem Arbeitgeber hat Milken zudem eine Beteiligung am Gewinn von 35 Prozent ausgehandelt. So verdient er schnell einen hohen einstelligen Millionenbetrag, eine für die damalige Zeit obszöne Bezahlung.

Doch die Ausfallraten geben ihm recht: Über weite Strecken der 70er-Jahre pendelt die Quote der Pleiten zwischen einem und drei Prozent aller Papiere. Ein Witz gemessen an ihrer Rendite und der Tatsache, dass die US-Wirtschaft 1973 bis 1975 in einer Rezession steckt.

Bald ist Milken so mächtig, dass er den Sitz seiner Abteilung von New York an die Westküste nach Los Angeles verlagern darf. Nicht der Sonne wegen, sondern näher an seine Familie heran, die eine Reihe von Schicksalsschlägen verkraften muss. Seine Schwiegermutter hat Brustkrebs, und sein Sohn leidet an Epilepsie.

Milkens Ehrgeiz bremst das nicht. An den Eingang des neuen Büros lässt er nicht den Namen seines Arbeitgebers anbringen, sondern seinen eigenen. Spätestens um fünf Uhr morgens sitzt er am Schreibtisch. Er sei nicht schlauer als andere, sondern arbeite schlicht 25 Prozent mehr, erklärt er.

Mit Erfolg: Anfang der 80er-Jahre explodierte sein Geschäft regelrecht. Drei Dinge kamen zusammen. Erstens gelang es dem neuen Notenbankpräsidenten Paul Volcker, die Inflation zu zähmen. Die Zinsen gaben nach, und die Investoren suchten nach Alternativen. Zweitens weckten die marktliberalen Reformen und Steuersenkungen Ronald Reagans die Investitionslust der Firmen. Drittens erholten sich die zuvor schwachen Erträge im Sparkassensektor, sodass die Institute sich nach Anlagemöglichkeiten umsahen. Und auf Milken stießen.

Überhaupt: Was heißt eigentlich Schrottanleihen? Milken zufolge hatten Wettbewerber diesen Begriff in Umlauf gebracht, um ihn zu diskreditieren – etwa als „König der Ramschanleihen“. Hochzinsanleihen sei der richtigere Begriff.

Von 18 Mrd. Dollar 1978 wuchs das Handelsvolumen dieser Papiere auf 27 Mrd. Dollar im Jahr 1983, dann weiter auf 41 Mrd. Dollar 1984 und 58 Mrd. Dollar 1985.

Schließlich hatten Mitte der Achtziger lediglich 800 von 16.000 US-Unternehmen mit einem Umsatz von über 25 Mio. Dollar den begehrten Status hoher Solvenz, den sogenannten „Investment Grade“. Der Rest waren potenzielle Milken-Kunden. Oft profitierten alle Seiten davon. Die Telefonfirma MCI, der Milken zu Milliardenemissionen verhalf, forcierte den Wettbewerb im Telefonsektor. Die später aufgekaufte McCaw Cellular Communication baute mit Milkens Hilfe ein Mobilfunknetz auf, Steve Wynn baute ein Kasino nach dem anderen und wurde zum Milliardär. CNN-Gründer Ted Turner erweiterte sein Kabel-TV-Netzwerk, die Gebrüder Toll begannen mit dem Bau von Eigenheimen.