Capital-HistoryWie John Bogle das Geldanlegen revolutionierte

John Bogle im Jahr 1995. Der Mann, der Indexfonds groß gemacht hat, war da schon längst eine Ikone der Finanzwelt
John Bogle im Jahr 1995. Der Mann, der Indexfonds groß gemacht hat, war da schon längst eine Ikone der Finanzwelt Getty Images

John Bogles Aufstieg beginnt mit einem Rauswurf. Es ist der 23. Januar 1974, als der Vorstand der US-amerikanischen Fondsgesellschaft Wellington zusammentritt, eines Traditionshauses, dessen ältester Fonds seit 1928 besteht. Jetzt aber leidet Wellington an lebensbedrohlichen Komplikationen. Und die Schuld daran trägt: Bogle.

John Clifton Bogle, oft schlicht „Jack“ genannt, ist zu diesem Zeitpunkt 44 und trotzdem schon seit mehr als acht Jahren in der Chefetage des Hauses. Gleich nach seinem Studium in Princeton war er zu Wellington gekommen, bei seiner Beförderung in die Führungsriege 1965 beschwor ihn sein Chef, alles zu tun, um das angeschlagene Fondshaus wieder in die Spur zu bringen. Also ließ Bogle eine andere Fondsgesellschaft kaufen, die mit viel Erfolg den Aktienboom der 60er-Jahre ritt. Bis 1973 klettern die Börsen zu neuen Rekorden. Dann kommt der Crash.

Die Kurse sacken um 50 Prozent ab, Wellington trifft es teils noch schlimmer. Die Manager der zugekauften Fonds haben sich mit einer aggressiven Strategie verzockt; Nun ziehen Anleger ihr Geld ab. Der Vorstand kann gar nicht anders, als Bogle an diesem Tag rauszuwerfen.

Seine Karriere hätte an diesem 23. Januar enden können, und niemand würde sich heute mehr an ihn erinnern. Aber anstatt die Branche zu wechseln, sieht John Bogle den Rauswurf als Chance, um eine neue Fondsgesellschaft zu gründen: Vanguard. Mit ihr krempelt er die Geldanlage um, macht sie so einfach wie vor ihm kein Zweiter – und schafft ein Vehikel, mit dem heute Billionen an den Börsen bewegt werden.

Bogle, Jahrgang 1929, ist der Pionier einer Idee, die radikal ist und simpel: die der Indexfonds. Er hat sie, wie er einmal in einer Rede erklärt, „leider nicht erfunden“, der Löwenanteil der Anerkennung stehe Mitarbeitern der US-Bank Wells Fargo zu. „Aber ich war ein Gläubiger, sogar ein Missionar“, sagt er.

Ein Indexfonds bildet schlicht einen Aktien- oder Anleiheindex ab, also einen Korb an Wertpapieren wie den Dax oder den S&P 500. Keine teuren Manager, die Papiere auswählen, keine hohen Gebühren; gewinnt der Index zwei Prozent, gewinnt auch der Fonds zwei Prozent. Das ist die Idee. Bis die Welt allerdings von ihr überzeugt ist, sollen Jahre vergehen – in denen Bogle ausharren muss, einstecken und kämpfen.

Seinen Job ist Bogle gerade erst los, als er 1974 dem alten Arbeitgeber anbietet, mit seinem neuen Unternehmen die Verwaltung der Wellington-Fonds zu übernehmen: Er könne Buchhaltung und das Rechtliche machen, würde sich aber aus den beiden wichtigeren Disziplinen raushalten – Vertrieb und Fondsmanagement. Sieben Monate ziehen sich die Gespräche, bis Bogle seine alten Kollegen überzeugt hat.