Deutschland-CheckWie gut sind deutsche Aktien?

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Die optimale Weltquote

Die Gewichtung des globalen Aktienindex MSCI World gibt darüber Aufschluss. Darin ist Deutschland mit lediglich vier Prozent vertreten. Zu dem überschaubaren Anteil deutscher Konzerne in globalen Indizes trägt vor allem bei, dass sie in Schlüsselbranchen wie Technologie und Banken, aber auch bei Grund- und Rohstoffen keine Rolle mehr spielen. Wer mit seinem Geld innerhalb des Landes bleibt, handelt sich damit alle Chancen und alle Risiken ein, auf ein Engagement in diesen Branchen zu verzichten – etwa im Technologiebereich: Der iPhone-Hersteller Apple plant ein Aktienrückkaufprogramm im Wert von umgerechnet 80 Mrd. Euro – er weiß einfach nicht, wohin mit dem vielen Geld. Die für den Rückkauf vorgesehene Summe (zusätzlich zur Dividendenausschüttung) würde ausreichen, um die Lufthansa, Merck, die Commerzbank, Deutsche Bank, RWE und Thyssenkrupp zu kaufen – und zwar alle zusammen und in bar.

Doch wie vermeiden Anleger die Risiken der Einzelaktienauswahl und auch der Neigung, mit dem Geld im eigenen Land zu bleiben? Börsenveteran Fidel Helmer hat einen simplen Rat: „Kaufen Sie sich einen global diversifizierten Fonds, und halten Sie ihn mindestens zehn Jahre.“ Wer unbedingt mit Einzelwerten spekulieren wolle, könne dies mit Spielgeld machen. „Gestreute Anlagen, egal ob über einen Indexfonds (ETF) oder einen aktiven Fonds, sollten aber die Basis sein“, sagt Helmer.

Ähnlich argumentiert Jens Ehrhardt. „Langfristig führt kein Weg an Märkten vorbei, die überhaupt noch nennenswertes Wachstum in Sachen Bevölkerung und Produktivität verzeichnen“, sagt Ehrhardt. Sein Langfristfavorit sind asiatische Aktienmärkte und besonders Hongkong. Beide Märkte machen in vielen DJE-Fonds rund ein Fünftel aus. Auch Kanada verfüge über beeindruckende ökonomische Kennziffern – anders als die USA und Europa. „Es klingt wie ein Marketinggag, dass wir nach vielen Jahrzehnten als Experten für deutsche Aktien unsere Kompetenz in Asien ausbauen. Aber dies folgt einfach der Logik, mit seinem Geld dort zu investieren, wo man überhaupt noch dauerhaft Wachstum erwarten kann“, sagt Ehrhardt. Hier skizziert Capital vier Wege, wie Anleger mit Home-Bias und Einzeltitelwahl umgehen sollten – falls sie denn beides überhaupt als Problem wahrnehmen. Denn viele Anleger wollen gar nicht belehrt werden.

Wie Günther Meschke. Seine Entscheidung für Einzelaktien hat der Privatier, der rund 40 Jahre in leitenden Positionen in der Bausparbranche gearbeitet hat, ganz bewusst getroffen. Er habe „mehr Identifikation mit den Werten“ und sei daher disziplinierter, mit einem Unternehmen auch mal durch ein Kurstal zu gehen, sagt er. Als zweites Standbein setzt er auf Immobilien.

Nicht alle aber sind mit so viel Disziplin gesegnet – und so viel Glück. Denn ausgerechnet in der Pfalz ist er umgeben von Aktien mit langfristigen Spitzenrenditen wie etwa Fuchs Petrolub. Doch so eine Fortune haben die wenigsten mit der Wahl ihres Wohnorts.