PleiteWie der Containerspezialist P&R in Seenot geriet

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Erste Krisenzeichen

Gleichwohl waren in diesem Kreislauf spätestens ab 2016 deutliche Knirschgeräusche wahrzunehmen, wenn man denn hinhörte. Da war etwa der Rivale Magellan, der 2016 ein Opfer der erschwerten Marktlage wurde und mit dem gleichen Geschäftsmodell pleiteging. Da waren die Platzierungsvolumina von P&R, die von einst 1 Mrd. Euro auf nur noch 440 Mio. Euro im Jahr 2017 sanken. Da war die Pleite des südkoreanischen Großreeders Hanjin, die 2016 Zahlungsausfälle und eine teure Jagd auf an Hanjin vermietete Container auslöste.

Nicht zuletzt waren da die Regulierer in Berlin und Frankfurt, denen es allmählich dann doch zu heiß wurde, dass da ein verschachteltes Unternehmen aus Grünwald Milliarden von Zehntausenden Anlegern einsammelte, um sie in die Schweiz zu verschieben und von dort in die ganze Welt zu pusten. Mit einer branchenintern „Lex P&R“ genannten Gesetzesinitiative wurde der Konzern 2017 der sogenannten Prospektpflicht unterworfen: Fortan mussten Anlegern Angaben über Marktkalkulationen, Risiken und die Mittelverwendung in einem Wertpapierprospekt vorgelegt werden.

Und der enthielt nichts anderes als Sprengstoff. Denn aus den nunmehr offengelegten Kalkulationen ließ sich ablesen, was Kritiker seit Langem vermuteten: P&R zahlte seinen Anlegern mehr an Mieten aus, als am Markt erwirtschaftet werden konnte. „So entstanden zwischen 2014 und 2016 im Durchschnitt über 170 Mio. Euro Unterdeckung aus der Endvermietung“, urteilt der Beteiligungsexperte Stefan Loipfinger, Autor des Buchs „Achtung, Anlegerfallen!“. Woher aber, wenn nicht vom Markt, kam dann das Geld für die Mietzahlungen? Aus Reserven, behauptete man noch 2017 bei P&R. Loipfinger hat dazu eine ähnliche These wie die Prüfer der größeren Privatbank: „Das wirft die Frage auf, wie abhängig das P&R-Geschäftsmodell vom Neugeschäft ist“.

Noch bis kurz vor der Insolvenz versuchte P&R, neue Gelder von Investoren einzuwerben. Doch auch das half nicht mehr. Ab Ende Februar blieben erstmals Miet- und Rückkaufszahlungen aus. Kurz darauf stellte P&R den Vertrieb ein, am 15. März waren die wichtigsten Konzernteile insolvent. Nun schweigt die Gesellschaft, bei Anfragen verweist sie auf den Insolvenzverwalter. Der sortiert die Lage und vertröstet Investoren mit der Auskunft, dass „Anfragen weder von den betroffenen Gesellschaften noch vom Büro des Insolvenzverwalters oder dem Insolvenzgericht individuell beantwortet werden können“.  Alle Kritiker, die ein Schneeballsystem vermuteten, dürfen sich allerdings bestätigt fühlen: Zwar läuft noch die Aufarbeitung, Mitte Mai teilte der vorläufige Insolvenzverwalter dann aber mit, dass Anlegern insgesamt 1,6 Millionen Container verkauft worden seien, von denen aber nur 0,6 Millionen in der Flotte seien – damit wurde die Causa P&R auch zu einem Fall für die Staatsanwaltschaft.

Erklären müsste sich vor allem einer: Heinz Roth, der 75-jährige Gründer und Mehrheitseigentümer der wichtigsten P&R-Gesellschaften. Doch auch er ist für Stellungnahmen nicht zu erreichen. Dabei würde Anleger gewiss interessieren, wie viel Roth, der zuletzt in Österreich und der Schweiz residierte, persönlich in den vergangenen 40 Jahren am Containergeschäft verdient hat. Ein Blick in den Verkaufsprospekt der letzten noch platzierten Beteiligung mit der Nummer 5004 vom Herbst 2017 gibt zumindest Aufschluss, was Roth im Rahmen seiner „konservativ-bodenständigen Firmenpolitik“ für sich selbst veranschlagte. Bis 2023, heißt es dort, stünden dem Gründungsgesellschafter „Gewinnbeteiligungen, Entnahmerechte und sonstige Gesamtbezüge (…) in Höhe von mindestens 131 Mio. Euro zu“.