PleiteWie der Containerspezialist P&R in Seenot geriet

Seite: 3 von 4

„Der Kaufvertrag und die Dokumentation für P&R-Container umfassten bis 2016 in der Regel zwei bis vier Seiten“, sagt Marc Gericke, Rechtsanwalt der auf Kapitalmarktthemen spezialisierten Kanzlei Göddecke in Siegburg – und das in Zeiten, in denen Kunden bei Bankberatungsgesprächen eine Schubkarre für die Dokumentationspapiere brauchen. Bei P&R bekamen sie nicht viel mehr als unverbindliche Angaben über die Zahl der Investoren und Container, die Summe der Mietzahlungen sowie ein paar vage Marktdaten.

Dabei präsentierte sich P&R nach außen als biederer Mittelständler. „Ein konservatives Unternehmen trifft auf vernünftige Anleger“, hieß es 2013 in einer Selbstbeschreibung. Man verfolge eine „konservativ-bodenständige Firmenpolitik“, stand 2016 in einem Kundenbrief.

Ein Schneeballsystem?

Doch hinter den Kulissen agierte P&R anders. Dass der Konzern stets zahlte, machte ihn zu einem Liebling der Anlageberater. Die allerdings mussten, wenn sie mit P&R ins Geschäft kommen wollten, eine sogenannte Exklusivitätsvereinbarung unterzeichnen, die ihnen Deals mit Wettbewerbern wie Solvium, CH2 oder Magellan untersagte. „Der Vertriebspartner verpflichtet sich, während der Dauer dieses Vertrages in keiner Weise (…) im Containerbereich tätige Dritte zu vertreten oder für sie tätig zu sein“, heißt es in dem Papier, das Capital vorliegt.

Viele Berater ließen sich gerne auf solche Knebelvereinbarungen ein, solange die stille Post von der rentablen Containeranlage funktionierte. Denn gerade auch vermögendere Anleger flüsterten sich zwischen Golfplatz und Tennisclub zu, sie seien von P&R nie enttäuscht worden. „Perpetuierung vergangener Gewinne“ nennen Verhaltensökonomen das Phänomen: Wo immer Geld floss, wird auch künftig welches fließen, so der Trugschluss.

Nur wenige witterten, dass bei P&R etwas schieflief. Als eine größere Privatbank erwog, ihren Anlegern Containerinvestments zu empfehlen, ließ sie P&R von hauseigenen Spezialisten durchleuchten – die zu haarsträubenden Ergebnissen kamen. „Unsere Analyse ergibt ein hohes Maß an Intransparenz“, heißt es in einer internen Mail. „Die ausgewiesenen Marktpreise beim An- und Verkauf der Container sind nicht plausibel, die Wertigkeit der Garantien fragwürdig, der Verbleib der Cashflows und Überschüsse unklar. Wegen dieser Anzeichen und der Investitionszyklen besteht der Verdacht auf ein Schneeballsystem, wir halten uns fern.“

Andere Banken waren weniger zimperlich. Nach Capital-Informationen lief der Großteil des Vertriebs zwar über freie Berater oder sogenannte Vermittlerpools. Aber auch Sparkassen, Volksbanken und Privatinstitute für Gutbetuchte hatten keine Bedenken, P&R ihren Kunden zu empfehlen. „Kaufen Sie einen Container! Profitieren Sie von hohen Renditen!“, trommelte die Volksbank Emmerich 2015 in ihrem Jahresbericht. Auch die Postbank und die Privatbank Donner & Reuschel vertrieben P&R-Container, ebenso wie nach Capital-Informationen eine auf vermögende Kunden und Mittelständler spezialisierte Bank in Süddeutschland. Letztere lehnte eine Stellungnahme ab. Die Postbank gibt lediglich an, den Vertrieb von P&R-Containern 2012 eingestellt zu haben. Donner & Reuschel erklärt: „Seit Mitte 2010 werden P&R-Container bei uns nicht mehr aktiv beraten.“

Das war in vielen Fällen aber auch gar nicht mehr nötig, denn typischerweise überredete P&R die Kunden nach Ende der Laufzeit gleich selbst zur Neuanlage. Ein steter Unterton der Knappheit – viele Interessenten, wenige Container – half Zögernden dabei auf die Sprünge.