Capital-History

Die großen BetrügerWie Charles Ponzi ein betrügerisches Schneeballsystem schuf

Der italienische Einwanderer Charles Ponzi war ein sympathischer Dandy, der in der neuen Heimat Amerika schnell als Finanzgenie galt
Der italienische Einwanderer Charles Ponzi war ein sympathischer Dandy, der in der neuen Heimat Amerika schnell als Finanzgenie galtGetty Images

Im Juni 1920 hatte Charles Ponzi 7 Mio. Dollar griffbereit und zwei First-Class-Transatlantik-Tickets in der Tasche. Was er nicht hatte, war ein Ausstiegsplan. Ganz im Gegenteil: Er wollte so gerne sesshaft werden. Mit seiner geliebten jungen Frau Rose eine Familie gründen, in der neuen Riesenvilla Hof halten und durch gute Taten seinen frisch verdienten Starruhm mehren. Sein Finanzgeschäft in Boston übertraf alle Erwartungen – es musste nur irgendwie am Laufen gehalten werden.

Ponzi gab die beiden Tickets für die geplante Hochzeitsreise zurück und holte dafür lieber seine alte Mutter mitsamt einer Pflegerin von Italien zu sich herüber.

17 Jahre zuvor hatte der nun 38-Jährige die alte Heimat als Gescheiterter selbst verlassen: ein bankrotter junger Dandy, der es im gelobten Amerika zu Reichtum bringen wollte. Sechzehneinhalb Jahre lang war daraus – milde gesagt – nicht viel geworden. Erst seit ein paar Monaten lebte er endlich im Stil der Reichen und Berühmten, mit Hauspersonal und Bodyguard, mit der teuersten aller Karossen und einem Anwesen im noblen Bostoner Vorort Lexington.

Wie ein Lauffeuer sprach sich im ganzen Land herum: Dieser Mister Ponzi ist ein begnadetes Finanzgenie. Und ein gutherziger und amüsanter Mensch obendrein. Waschkörbeweise sammelten die Büroangestellten seiner Securities Exchange Company (SEC) die Dollars und Schecks der begeisterten Kleinsparer ein.

Synonym für eine der ältesten aller Betrugsmaschen

Am 12. August aber war alles schon wieder vorbei: Ponzi wurde verhaftet. Seine Pleite und deren juristische Aufarbeitung sorgten noch jahrelang für Schlagzeilen. Zurück blieben gut 20.000 geschädigte Anleger, die am Ende fast zwei Drittel ihres Geldes abschreiben mussten.

Und es bleibt der Begriff Ponzi als ein neues Synonym für eine der ältesten aller Betrugsmaschen: In der angelsächsischen Welt steht der Name heute für jedes Schneeballsystem, bei dem die Investoren mit einer sensationellen Rendite geködert werden – diese Zinsen aber immer nur aus den nachströmenden Geldern weiterer Anleger bezahlt werden. Bis der Zustrom abreißt und das Ganze kollabiert.

Es ist das Prinzip der Pyramidenspiele, bei denen jeder, der mitmacht, neue Einsteiger für die nächste Stufe rekrutieren muss. Nur dass der Trick bei einem Ponzi nicht so einfach zu durchschauen ist. Bei einem Kettenbrief kann sich jeder ausrechnen, dass die Zahl der potenziellen Teilnehmer begrenzt ist. Wo und wie die Toprendite verdient wird, die ein sympathisches Finanzgenie scheinbar zuverlässig ausschüttet, das ist jedoch schwer zu übersehen.

Die Versuchung für Kleinanleger ist groß: Hat so ein Zauberer vielleicht wirklich die perfekte Strategie? Schafft er es, alle anderen auszustechen? Glaubt man bunten Blättern und roten Theoretikern, dann wissen die Superreichen, wie es geht. Warum also nicht teilhaben an den Insidertricks dieser High Society?