GeldanlageWie Anleger auf den Kurssturz reagieren können

Der Kurseinbruch an der Wall Street zog auch den Dax in Frankfurt nach untendpa

Für Aufregung gibt es derzeit schon einen guten Grund – für Panik jedoch nicht. So lassen sich kurz gesagt die Reaktionen der hiesigen Investmentprofis nach dem aktuellen Kurssturz zusammenfassen. Gewaltig erwischt hatte es zum Wochenauftakt den Dow Jones Index, der am ersten Februarmontag um satte 1175 Punkte abrauschte. Das waren immerhin 4,6 Prozent Kursverlust an nur einem einzigen Handelstag und damit „so viel wie noch nie zuvor“, stöhnten etliche Börsianer. Und nachdem die Börsen in Amerika schlossen, setze sich der Abwärtsrutsch auch an den Märkten in Asien und am Dienstagmorgen in Europa fort. Wenigstens dem deutschen Aktienindex Dax blieb aber der ganz große Absturz noch erspart, er hatte bis mittags rund 1,6 Prozent verloren auf rund 12.500 Punkte. Manche hatten zuvor bereits gebangt, es könne auch zum „freien Fall“ unter die 12.000er-Marke kommen. Dennoch fragen sich jetzt alle Anleger: Was nun? War das erst der Auftakt?

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

Die Frage, ob es wirklich nur ein Flash-Crash war, also ein kurzfristiger Absturz – oder ob die Aktienmärkte damit nun das befürchtete Ende der jahrelangen Hausse eingeläutet haben und fortan nach unten abtauchen, lässt sich so kurz nach dem Kurscrash natürlich noch nicht eindeutig beantworten. Warum die Fluchtbewegung aus dem Markt an nur einem Tag so stark ausfiel, das liegt hauptsächlich an den vollautomatischen Handelssystemen und der computerisierten Abwicklung. Denn viele Anlageprofis setzen Stoppkurse beim Aktienkauf, mit denen sie festlegen, dass ein Wertpapier verkauft werden soll, wenn es einen bestimmten Prozentsatz unter den Einstiegskurs fällt. Kommt es zu einem Crash, dann werden viele dieser Limits unterschritten und die Handelssysteme lösen automatisch Verkaufsorders aus. So wird eine große Menge Aktien gleichzeitig auf den Markt geworfen, was die Kurse drückt und wiederum neue Verkaufsorders in Gang setzt. Allein am Montag und Dienstag haben die Indizes so die Gewinne größtenteils wieder verloren, die sie seit Jahresbeginn eingefahren hatten (plus fünf Prozent seit Anfang Januar). Teilweise notieren sie jetzt wieder auf dem Stand, den sie im Dezember innehatten.

Geht es nun weiter bergab oder war das nur die längst überfällige Kurskorrektur, vor der etliche Marktbeobachter gewarnt hatten? Davon ist ja schließlich abhängig, wie sich Aktienanleger nun positionieren sollten, denn es gibt drei Grundoptionen: Sollen sie ihre Aktien verkaufen, ihre Papiere halten, oder sogar Titel nachkaufen, weil der Kurzcrash bessere Einstiegskurse bietet als zuletzt? Das ist die große Frage.

Betrachten wir einmal, was zuletzt geschah: Im Januar hielten viele Großanleger und Investmentprofis so wenig Cash wie selten. Die Barquote lag mit 4,4 Prozent auf einem Fünfjahrestief. Zudem sagten 55 Prozent der Profis, Aktien seien überzugewichten. 65 Prozent hielten Anleihen nicht für das Anlagemittel der Wahl. Und Hedgefonds waren ebenfalls stark in Aktien investiert, ohne jedoch stark auf kurzfristige Absicherungsgeschäfte zu setzen. Das alles bedeutet: Die Stimmung an den Märkten war so optimistisch wie selten. Im Umkehrschluss heißt das, so deutet es der Großteil der Marktbeobachter: Der aktuelle Absturz hatte keine fundamentalen Gründe, sondern er war eher das Ergebnis dieser zu optimistischen Stimmung. Denn neuerlich grassiert wieder die Angst vor einer Zinsanhebung in Amerika und Europa sowie die Bedenken, die Inflation könne sich bald wieder heftiger zurückmelden. Aus dieser Angst heraus haben offenbar viele Profis ihre Aktienquoten nun doch zurückgeschraubt und damit das Absacken der Kurse ausgelöst.

Viel mehr als ein „reinigendes Gewitter“ aber sei der Crash wohl nicht, meinen Anlageprofis wie Robert Halver von der Baader Bank. Denn fundamental habe sich nichts geändert. Die Konjunktur wachse so stark wie lange nicht, die Gewinne der Unternehmen würden dadurch weiter beflügelt. Es sei aufgrund der Zinsanhebungsankündigungen der amerikanischen Notenbank Fed aber dazu gekommen, dass die Anleihenrenditen kurzfristig gestiegen seien. Daraufhin habe es Überlaufeffekte am Aktienmarkt gegeben. Auch Hedgefonds zogen plötzlich Kapital aus Aktien ab. Grundsätzlich aber bleibe das Umfeld für Aktien weiterhin freundlich. So sehen es auch viele andere Analysten: Ein Ende der guten Konjunktur sei derzeit nicht abzusehen, das werde die Unternehmensgewinne weiter steigen lassen und auch die Aktienmärkte wohl weiter am Laufen halten. Allerdings, auch das ist wohl klar, scheint der ganz große Kursaufschwung erst einmal vorbei. Zumindest in nächster Zeit können die Kurse heftig auf und ab schwanken. Denn eines ist nun mit Sicherheit zurück: die Volatilität. Der Angstindex an den Börsen ist zuletzt um 100 Prozent gestiegen, mahnten Statistiker bereits.