FondsWie Amundi zum größten Vermögensverwalter Europas aufstieg

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Masse statt Klasse

Dass Amundi seitdem der Aufstieg gelungen ist, ist umso erstaunlicher, weil die Qualität der Fonds bestenfalls Durchschnitt ist. Michael Klimek, Berater bei Dolphinvest, formuliert es vornehm: „Amundi glänzt bei der Produktqualität nicht überall.“ Morningstar-Analyst Masarwah fasst es schonungsloser zusammen: „Im Saldo haben sie viele schlechte Fonds.“ Auf einer Skala von eins bis fünf erreichen die von Morningstar bewerteten Amundi-Fonds 2,88 und damit weniger als den Durchschnitt, den Morningstar bei drei ansetzt. Perrier wehrt sich: Schlechte Fonds seien geschlossen worden, die Qualität werde besser. Masarwah überzeugt das nicht: „Beim Anleger bleibt hängen, was die Fonds bisher geleistet haben, die Investmenterfahrung ist also nicht gut.“

So ist Amundis Aufstieg auch eine Lehre über den Fondsmarkt und die Stellung der Berater: Viel zu oft kaufen Kunden nicht bewusst einen Fonds, sondern sie lassen sich einen verkaufen. In diesem Geschäft profitieren vor allem die Fondsanbieter.

Diese Systematik stets im Hinterkopf, hat Amundi zwei neue Wachstumsfelder erkoren. Zum einen preist sich der Konzern als Vorreiter für umwelt- und sozialverträgliche Investments. Allerdings gehen die Ansätze der Franzosen nicht groß über das hinaus, was andere Anbieter schon machen. Kein Wunder, dass die Konkurrenz ätzt: „Die setzen im Wording stark auf Nachhaltigkeit“, sagt der Manager eines Wettbewerbers.

Zudem wollen die Franzosen abseits von Europa zulegen: in Asien, was Branchenkenner geschickt finden. „In Asien können Fondsanbieter stärker wachsen als in Europa oder den USA, weil die Mittelschicht dort massiv wächst und Ersparnisse anhäuft“, sagt McKinsey-Berater Philipp Koch. Heute stammen bereits fast 15 Prozent des verwalteten Vermögens aus Asien. Künftig werden sich die Verhältnisse sogar stärker ändern: In Europa kamen 2018 noch 14,2 Mrd. Euro neu in Amundi-Fonds hinzu, in Asien waren es 26,8 Mrd. Euro.

Der Herr des Wachstums sitzt am Tisch und malt einen großen dicken Pfeil unter seinen Sprechzettel, während er redet. Der Pfeil zeigt nach oben. Amundi will noch weiter, auch wenn Perrier in diesem Jahr das Rentenalter erreicht. Egal, sagt Perrier, er mache erst einmal weiter, die Mannschaft sei gut und die Möglichkeiten immens. Was sollte uns stoppen, sagt sein fester Blick.

 


Der Beitrag ist in Capital 07/2019 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay