BerufsunfähigkeitWenn der Körper nicht mehr kann

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Versicherungsberater Frank Begas kennt den Papierkrieg mit den Anbietern bestens, er ist spezialisiert auf BU-Leistungsfälle. Die Auseinandersetzungen würden härter, sagt er. „Sobald diskutiert werden kann, wird auch diskutiert.“ Besonders häufig ist das bei psychischen Problemen der Fall, der mit 30 Prozent häufigsten BU-Ursache. In solchen Fällen fordern die Gesellschaften häufig ein medizinisches Gutachten – von einem Gutachter ihrer Wahl. Für die Kunden sei es dann oft nicht einfach, einen Gegengutachter zu finden, beklagt Begas.

Wer sich wehrt und vor Gericht zieht, hat aber zunehmend gute Chancen, einen Vergleich zu erkämpfen. „Die pauschale Abwehr von Ansprüchen funktioniert nicht mehr so einfach“, beobachtet Wortberg. Die Gerichte ließen den Versicherern inzwischen vieles nicht mehr durchgehen. So urteilte der Bundesgerichtshof kürzlich sogar, dass ein Mann trotz einer verschwiegenen Bronchitis Aussicht auf eine Rente habe, wenn er beweisen könne, dass seine Berufsunfähigkeit – hier wegen eines Arbeitsunfalls – nichts mit der Erkrankung zu tun hat.

Ein paar Dinge sollten Versicherte bei einem Rechtsstreit dennoch mitbringen: Geduld und Nervenstärke – sowie idealerweise eine Rechtsschutzpolice.


Drei Tipps für den Ernstfall

Was Kunden tun können, um beim Beantragen von Leistungen Streit mit den Versicherern zu vermeiden

Zeit nehmen: Antrag gestellt, schon fließt die Rente – so stellen sich viele Versicherte den Leistungsfall vor. Doch der Kunde muss seine Arbeitsunfähigkeit detailliert darlegen. Was hilft? Geduld und Formulararbeit. „Wer sich Zeit nimmt, ein genaues Tätigkeitsprofil erstellt und alle Arztunterlagen zügig beibringt, kommt schneller durch die Leistungsprüfung“, ermuntert Experte Michael Wortberg. „Der Zeitaufwand zahlt sich aus.“

Akribisch ausfüllen: Unabhängige Berater wie Frank Begas wissen, wie schwierig es ist, gesundheitliche Einschränkungen konkret nachzuweisen. Doch Lässigkeiten im Antrag sind gefährlich. Begas rät, akkurat zu antworten. Er selbst erfasst den Berufsalltag von Mandanten minutiös und zeichnet so ein genaues Berufsbild. Wer auf Nummer sicher gehen will, engagiert für den heiklen Leistungsantrag einen Profi (www.bvvb.de).

Dranbleiben: Wenn der Versicherer die Zahlung verweigert, bleibt mitunter nur der Gang vor Gericht. Die Chancen für Kunden stehen gar nicht schlecht: Zwar siegten klagende Kunden in BU-Prozessen nur in gut 10 von 100 Fällen, in weiteren knapp 60 wurde jedoch ein Vergleich erreicht. Alles in allem hat die Mehrzahl der Kläger vor Gericht also wenigstens einen Teil der strittigen Summe erkämpft – besser als nichts.