BerufsunfähigkeitWenn der Körper nicht mehr kann

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Sorgfalt siegt

Alles bestens also? Wohl nicht. Wenn im Ernstfall einer von vier Versicherten leer ausgeht, kann das aus Kundensicht nicht befriedigend sein. Die hohe Ablehnungsquote liegt allerdings auch in der Natur der Absicherung, wie ein Vergleich mit der gesetzlichen Rentenkasse zeigt: Dort wurden 2016 statistisch mehr als die Hälfte der Anträge auf Erwerbsunfähigkeit abgelehnt.

Bei privaten Versicherern ist die Sorge groß, übervorteilt zu werden, weshalb sie Anträge überaus penibel prüfen. Kunden ahnen vielfach nicht, dass oft das korrekte Ausfüllen zweier Formulare darüber entscheidet, ob sie im Fall des Falles eine Rente bekommen oder nicht.

Denn nicht erst beim Einfordern von Leistungen, sondern schon beim Versicherungsantrag ist Vorsicht geboten. „Mal eben schnell geht bei dieser Police rein gar nichts“, warnt Verbraucherschützer Wortberg. Dennoch kreuzen viele Kunden einfach zügig an. „Ein Kardinalfehler“, sagt Makler Matthias Helberg. „Die Versicherer prüfen im Leistungsfall bis zum i-Tüpfelchen, ob korrekt ausgefüllt wurde – und erst dann zeigen sich frühere Fehler.“ Wie schnell sich Ungenauigkeiten einschleichen, illustriert ein Antragsprüfer anhand der Frage „Üben Sie einen Sport aus?“ Sie werde regelmäßig nur von Bergsteigern und Segelfliegern beantwortet – aber nie von Hobbyfußballern.

Viele Anbieter erschweren ihren Kunden das korrekte Ausfüllen allerdings auch mit ellenlangen Formularen und verschwurbelten Fragen. „Oft fehlt im Antrag eine einfache Sprache und damit für Kunden die Klarheit, worauf der Versicherer eigentlich hinauswill“, sagt Helberg. Und jede Unklarheit könne sich der Versicherer später zunutze machen.

Präzise beantworten sollte man daher auch Fragen zur Gesundheit, die Anbieter meist zu den zurückliegenden fünf (ambulant) oder zehn Jahren (stationär) stellen. Ins Formular gehört dabei alles von der Hausstauballergie bis zum Magendrücken. „Am besten fragt man die Krankenhistorie beim Arzt oder der Kasse ab“, rät Wortberg. Andernfalls laufen Kunden Gefahr, dass der Versicherer später vom Vertrag zurücktritt oder diesen anficht. Bei 17 von 100 Anträgen wird aus diesen Gründen nicht gezahlt.

Nötig wäre das nicht, denn findige Makler vermitteln inzwischen selbst Kunden mit kritischen Diagnosen an Versicherungen – zum Beispiel mittels einer anonymen Risikovoranfrage. Das bedeutet, dass mehreren Versicherern die Krankheitsgeschichte eines Kandidaten vorgelegt wird, aber nicht sein Name. Während Anbieter A ablehnt, nimmt B den Kunden mitunter problemlos. Makler Helberg hat mithilfe solcher Kniffe im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben alle seine Interessenten untergebracht.