SteuernDiese Daten sammelt das Finanzamt über Steuerzahler

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Kehrseite der Medaille

Natürlich hat die Digitalisierung der Finanzämter für den Bürger auch viele Vorteile. Man kann mittlerweile über das Elster-Portal Einspruch gegen den Steuerbescheid erheben, seine Lohnsteuerdaten oder andere an den Fiskus gemeldete Informationen abfragen, eine Fristverlängerung beantragen oder zu hohe Steuer-vorauszahlungen herabsetzen lassen. Stimmen Nutzer zu, gibt es sogar den Steuerbescheid online vorab.

Auch von der Sammelwut des Fiskus können Verbraucher profitieren. Wer möchte, kann die beim Finanzamt gespeicherten Daten abrufen – und direkt in die Steuererklärung übertragen lassen. Der Vorteil: Man spart sich das lästige Abtippen etwa von Krankenkassendaten oder Lohnsteuerbescheinigungen. Wenn das System reibungslos funktioniert, ist die Steuererklärung schnell erledigt und die Rückzahlung rasch auf dem Konto. Weil das aber nicht immer der Fall ist, raten Experten wie Rauhöft zu Skepsis: „Die vorausgefüllten Angaben können auch Fehler enthalten, daher sollte man den Daten nicht einfach vertrauen, sondern sie immer gegenchecken.“

Wichtig: Selbst wenn das Finanzamt bereits über viele Ihrer Daten verfügt und diese stimmen, müssen Sie die Angaben unbedingt auch in Ihre Steuerformulare übernehmen. Das Hessische Finanzgericht gab in einem Urteil vom 28. Januar 2019 (Az. 9 K 1382/18) einem verblüfften Steuerzahler die Schuld an einem fehlerhaften Bescheid. Weil er in seiner Steuererklärung die Anlage AV nicht ausgefüllt hatte, verweigerte das Gericht ihm den Steuervorteil aus dem Sonderausgabenabzug seines Riester-Sparbeitrags. Den Fehler hatte der Mann erst nach Bestandskraft seines falschen Steuerbescheids bemerkt und eine Änderung verlangt. Die versagte das Gericht, obwohl sein Vertragsanbieter sämtliche Daten vorab online ans Finanzamt übermittelt hatte. Das genügte den Richtern nicht – sie pochten darauf, dass der Steuerzahler den Steuervorteil ausdrücklich selbst per Formular beantragen muss.

Bedenken sollte man auch, dass es steuerlich relevante Informationen gibt, die der Fiskus nicht automatisch zugetragen bekommt und daher nicht kennt. Von Ausgaben für den Beruf, Spenden, Gesundheitskosten oder Zahlungen für Handwerker und Putzkräfte wissen nur die Steuerzahler selbst – weshalb sie diese auch selbst angeben müssen. Wer sich nur auf die bereits zugespielten Daten verlässt, bekommt im Zweifelsfall nicht die optimale Steuerrückzahlung.

Kommt der Steuerbescheid, hat man einen Monat Zeit, ihn zu prüfen. Nach dieser Frist wird es schwierig, Fehler anzufechten – man muss dem Beamten dann schon eine offenbare Unrichtigkeit nachweisen, zum Beispiel ein mechanisches Versehen, einen Schreib- oder Rechenfehler. Auf eine weitere nachfristige Einspruchsmöglichkeit weist Steuerkenner Uwe Rauhöft hin: „Stammen die falschen Daten aus anderen Quellen, also etwa vom Arbeitgeber oder den Rentenstellen, dann dürfen neuerdings sogar bestandskräftige Bescheide noch geändert werden.“