SteuernDiese Daten sammelt das Finanzamt über Steuerzahler

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Viele Fehlerquellen

Fehlerquellen gibt es einige. Manchmal werden meldepflichtige Beträge überhaupt nicht, doppelt, lückenhaft oder im falschen Jahr berücksichtigt. Als besonders fehleranfällig gelten jahresübergreifende Zahlungen von Lohnersatzleistungen wie Kranken- oder Arbeitslosengeld. „Bei Korrekturmeldungen etwa des Arbeitgebers nach dem Jahreswechsel sollte man checken, dass die Daten korrekt beim Fiskus vorliegen“, mahnt Steuerberater Wawro.

Auch den Beamten unterlaufen bei der Auswertung der gemeldeten Daten gelegentlich Fehler. In einem solchen Fall hat das Finanzgericht Hamburg mit Urteil vom 4. Oktober 2018 (Az. 3 K 69/18) rechtskräftig entschieden, dass das Amt den fehlerhaften Bescheid eines Steuerzahlers nicht ändern darf, obwohl in dessen Erklärung Angaben fehlten. Der betroffene Rentner hatte vergessen, seine Versorgungsbezüge in das Steuerformular zu übertragen, aber der Erklärung eine Bescheinigung seines ehemaligen Arbeitgebers mit den richtigen Zahlen beigefügt. Das Finanzamt bemerkte den Fehler nicht und wertete auch die elektronische Verdienstmeldung nicht korrekt aus. Die Hamburger Richter entschieden wegen dieser Versäumnisse im Sinne des Steuerzahlers.

Bürger sollten um die Tücken des Informationsnetzes wissen, wenn sie ihre Steuererklärung abgeben. Mehr als 23 Millionen Bürger taten das zuletzt komplett online über das Elster-Portal der Finanzverwaltung. Seit 2012 hat sich die Zahl fast verdoppelt. „Die Online-Steuererklärung macht weniger Aufwand, spart Zeit und schont die Nerven“, sagt Thomas Kriesel, Steuerexperte des Digitalverbands Bitkom. „Das scheint immer mehr Steuerzahler zu überzeugen.“ Für Gewerbetreibende und Selbstständige ist die elektronische Abgabe seit 2011 sogar Pflicht. Das gilt auch für Arbeitnehmer mit gewerblichem Nebenjob oder etwa für Besitzer einer Fotovoltaikanlage. Nur normale Steuerzahler ohne gewerbliche Einkünfte dürfen weiterhin zwischen digitaler und Papiererklärung wählen – wie lange das noch so bleibt, ist offen.

Für die Steuerzahler mag die digitale Steuererklärung bequemer sein – doch der Fiskus hat dabei vor allem seinen eigenen Vorteil im Blick. Denn die Steuerverwaltungen bauen immer mehr Personal ab, um die ab 2020 beschlossene Schuldenbremse für die Länderhaushalte einzuhalten. In der Folge müssen immer weniger Finanzbeamte immer mehr Steuererklärungen bearbeiten und prüfen – und setzen dabei verstärkt auf IT-Unterstützung. Mittlerweile werden bereits gut 13 Prozent aller Arbeitnehmer-Steuerbescheide vollautomatisch erstellt.

Das Computersystem prüft dabei die Angaben der Steuerzahler auf Plausibilität und warnt, wenn sie nicht mit den vom Arbeitgeber, den Krankenkassen oder anderen Quellen gemeldeten Daten zusammenpassen. Es erkennt auch Abweichungen vom Standard oder Risiken, die überprüft werden sollten. Zudem werden per Stichprobe Steuererklärungen ohne Auffälligkeiten geprüft. „Ähnlich wie in der Sicherheitskontrolle an den Flughäfen“, sagt Rauhöft. „Per Zufallsstichprobe muss der eine oder andere dort zum Sprengstofftest.“ Ein Teil der Steuerfälle wird so anhand vordefinierter Prüffelder genauer unter die Lupe genommen.

Ins Fadenkreuz geraten stets Top-Verdiener mit Einkünften von mehr als 200.000 Euro pro Jahr. Bei weniger als 75.000 Euro Jahresverdienst sinkt dagegen die Wahrscheinlichkeit einer Intensivprüfung auf zwei Prozent. Aber auch Normalverdiener, die eine Abfindung vom Chef kassiert haben, mit einem Nebenjob seit Jahren nur Miese machen, erstmalig ein Arbeitszimmer abrechnen oder Kosten von mehr als 2500 Euro für berufliche Fortbildungen, Reisen oder eine doppelte Haushaltsführung geltend machen, müssen mit Rückfragen rechnen.

Jede Oberfinanzdirektion legt zudem periodisch wechselnde Prüffelder fest, deren Inhalt und Systematik geheim bleiben. Häufig dabei: Verluste aus Ferienwohnungen, Mietverhältnisse mit nahen Angehörigen oder Spitzenverdiener, die keine Kapitalerträge erklären.