Grüne AnleihenWas Green Bonds für Anleger bringen

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Sieht man sich die Zinsen an, die Investoren bei diesen Papieren versprochen werden, dann staunt man nicht schlecht: Die jüngste Anleihe der KfW kam mit einem Coupon von 0,01 Prozent auf den Markt und läuft bis 2027. Die erste Anleihe der NRW-Bank bietet immerhin 0,625 Prozent Zinsen bis 2029, aber auch das ist weniger, als manches Tagesgeld bringt. Es gibt zwar KfW-Anleihen mit 1,25 oder 1,75 Prozent Zinsen, aber das sind dann Anleihen in Dollar oder norwegischen Kronen, bei denen der Investor also zusätzlich ein Währungsrisiko trägt. Da stellt sich die Frage: Warum sollen Anleger solche Papiere kaufen – wenn man einmal vom besseren Gewissen bei diesen Anlagen absieht?

Die Antwort ist ernüchternd: Für Privatleute sind die Zinssätze allein kein vernünftiger Kaufgrund, zumal sie es ohnehin schwer haben, an solche Anleihen zu kommen. Auf Einzelanleger haben es die Emittenten bisher aber auch gar nicht abgesehen. Bei der Emission der KfW- oder NRW-Bank-Grünanleihen kamen jüngst fast ausschließlich Banken, Vermögensverwalter und Versicherungen als Käufer zum Zuge.

Natürlich könnten Privatanleger die Papiere über die Börse ordern, wenn die institutionellen Anleger sie dort weiterveräußern. Dann aber liegen die Kurse derzeit meist über 100 Prozent, sodass sich die Investition bei einer späteren Rückzahlung von 100 Prozent des Nennwerts trotz Zinsen nicht rechnet.

Keinen Bonus für Green Bonds

Die grüne Bundesanleihe wäre für Privatleute immerhin einfacher zu bekommen, die können sie über ihre Banken ordern. Allerdings dürfen Käufer auch beim Green Bundesbond kaum mit einer Verzinsung rechnen, die deutlich oberhalb der Nulllinie liegt. Daraus machen die Zuständigen bei der Finanzagentur des Bundes gar keinen Hehl.

Fest steht jedoch: Es wird eine Anleihetranche geben, bei der eine „normale“ Bundesanleihe und die erste grüne Bundesanleihe gleichzeitig als „Zwillinge“ ausgegeben werden. Laufzeit und Couponverzinsung werden identisch, lediglich das Volumen der Grünanleihe wird kleiner sein als das der herkömmlichen Anleihe. Und angesichts dieser Zwillingskonstruktion ist auch klar, dass es beim ersten Green Bond keinen Bonus geben wird.

Die Hoffnung darauf hatte nicht zuletzt die CSU im Spätsommer geschürt, als sie eine Zwei-Prozent-Verzinsung von Green Bonds der KfW ins Spiel brachte, also eine Zusatzrendite für jene Anleger, die Geld für ökologische Projekte zur Verfügung stellen, nach dem Motto: Klimaschutz soll sich lohnen und die Bürger für die derzeitigen Winzzinsen entschädigen.

Doch die KfW winkt bei solchen Zahlenspielen ab: Sie wird ihre Anleihen schließlich so los, fast ohne Zinsen. Nicht umsonst waren sie mehrfach überzeichnet. Auch der Bonusverzinsung des Bundes erteilte Finanzminister Olaf Scholz bereits eine Absage. Die Regierung kann sich derzeit bei Investoren zum Nullzins verschulden, warum sollte sie freiwillig mehr Zinsen zahlen? Die Zusatzzinsen müssten zudem aus dem Steuerhaushalt beglichen werden, das wäre „ein schlechtes Geschäft“ auch für die Steuerzahler, findet er. Ökonomisch gesehen hat er recht. Es wäre eben ein Geschenk an umweltbewusste Anleger gewesen.

Profitieren können die aber dennoch von den Papieren. Über die Green-Bond-Fonds der institutionellen Anleger nämlich – an die richten sich die Emittenten auch. „Die institutionellen Investoren müssen investieren“, sagt Petra Wehlert, Leiterin der Kapitalmarktabteilung der KfW, „sie können nicht warten, bis die Zinsen wieder steigen.“ Zudem sind viele Asset-Manager durch neue Nachhaltigkeitsrichtlinien gezwungen, mehr Grünzeug ins Depot zu holen, sagen andere Branchenleute. Und institutionelle Investoren profitieren auch von den steigenden Kursen der Anleihen, wenn sie die Papiere vor Ende der Laufzeit verkaufen – was Privatanleger wegen der hohen Handelskosten nicht können.