InterviewWas Börsenguru André Kostolany sagen würde

André Kostolany
André Kostolanydpa

Die Zinsen sind historisch niedrig. Was würden Sie Sparern raten? Sachwerte?

Nein, Sachwerte werfen keine Rendite ab. Darum eignen sie sich als Anlage nicht, es sei denn, man steckt in einer Hyperinflation.

Ausnahmslos?

Der einzige Sachwert, der eine Rendite abwirft, ist die Immobilie. Ich kann jeder Familie nur empfehlen, das Haus, das sie zu bewohnen gedenkt, zu kaufen. Spekulation mit Immobilien ist aber etwas völlig anderes.

Wieso?

Das Interview ist im Capital-Sonderheft zum Vermögensaufbau erschienen

Die bei den immobiliengläubigen Deutschen weitverbreitete Ansicht, Immobilien würden im Preis ständig steigen, ist Unsinn. Sie können ebenso fallen. Der Besitzer nimmt es nur nicht wahr wie bei Aktien, da der Preis für sein Haus nicht jeden Tag bei n-tv über den Ticker läuft. Natürlich haben sich die Immobilienpreise langfristig nach oben entwickelt. Doch im Bundesdurchschnitt sind sie nicht schneller gestiegen als die Inflationsrate.

Sie würden also wie stets zu Aktien raten?

Ja, selbst bei Aktien mit nur kleiner Dividende erzielt man bei Wiederanlage der Erträge automatisch einen Wertzuwachs. Während bei der Aktie die Aktiengesellschaft mit dem Geld arbeitet, liegt es in Sachwerten brach.

Viele Sparer hoffen auf eine Zinswende. Was würde die für die Börsen bedeuten?

Wie schnell die Börse auf Zinsänderungen reagiert, hängt von der Einstellung des Publikums ab. Es ist aber nach einer markanten Zinsanhebungen nur eine Frage der Zeit, bis die Kurse zurückgehen. Je euphorischer die Stimmung zuvor, desto heftiger der Krach.

Also dann alle schnell weg von der Börse?

Natürlich kann der Vollblutspekulant, der auf fallende Kurse setzt, ein Vermögen machen. Ein gutes Beispiel lieferte die Wall Street 1987. Die Federal Reserve hatte bereits seit Beginn des Jahres den Diskontsatz mehrfach angehoben. Die Kurse waren trotzdem von Rekord zu Rekord geeilt. Entsprechend dramatisch war der Absturz. Ich habe übrigens generell eine Faustregel: Wenn die Börse auf gute Nachrichten nicht mehr reagiert, heraus-gehen – und wenn schlechte Nachrichten keine Wirkung mehr haben, hereingehen.

Sie haben selbst Crashs mit großer Ruhe ausgesessen. Woher rührt Ihr Optimismus?

Mein Rat: Kaufen Sie Aktien und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Ich bin überzeugt, dass die Wirtschaft grundsätzlich wachsen will, weil die Triebfeder des Wachstums der Drang des Menschen nach einem immer höheren Lebensstandard ist. Sind die Reichen faul und satt, gibt es andere, die nach oben wollen und für weiteres Wachstum sorgen.