KapitalfluchtWarum sich eine Schwellenländer-Krise anbahnt

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Vor drastischen Konsequenzen der hohen Abflüsse warnt der frühere EZB-Vizepräsident Vitor Constancio. „Die erschütternden Abflüsse bedeuten auf eine sich anbahnende Schwellenländer-Krise, die sich später auf die Weltwirtschaft auswirken wird“, schreibt er auf Twitter. Mehr als 80 Länder haben inzwischen um Unterstützung durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) gebeten, das seien mehr als in der Finanzkrise 2008/09. „Sollte sich die Krise weiter hinziehen, dürften weitere folgen und den IWF an seine finanziellen Grenzen bringen“, warnt die Commerzbank.

Der IWF kann Notkredite vergeben, verbindet dies meist jedoch mit Auflagen. Außerdem besteht er darauf, im Fall einer Restrukturierung vorrangig gegenüber privaten Schuldnern behandelt zu werden. Anleger in Anleihen von Ländern mit IWF-Programm stehen also in der zweiten Reihe.

Typischerweise sind in solchen Krisen besonders jene Schwellenländer gefährdet, die hohe Schulden in so genannter Hartwährung – meist Dollar, gelegentlich Euro und selten Yen oder Pfund Sterling – ausstehen haben. Mit den Abflüssen geht nämlich in aller Regel eine Abwertung ihrer Währung einher. Das verschafft den Ländern Wettbewerbsvorteile im Export, hat aber gravierende Auswirkung auf ihre Schuldentragfähigkeit. Verliert beispielsweise wie kürzlich der südafrikanische Rand deutlich an Wert gegenüber Euro und Dollar, dann muss das Land viel mehr Geld aufwenden, um einen Euro oder einen Dollar an Schulden zu tilgen.

Gefährdet sind außerdem Länder mit hohem Leistungsbilanzdefizit, denn ihre Wirtschaftsleistung wird zum Teil von externen Geldgebern finanziert. Kommt es wegen einer Krise zu einem plötzlichen Stopp von Zuflüssen oder gar Abflüssen, dann stürzt ihre Wirtschaft in eine schwere Rezession. Griechenland hat genau diese Erfahrung von rund zehn Jahren gemacht.

Russland und Chile sind robuster

Die UBS-Analysten haben im Hinblick auf die Schuldenlage sowie die Wachstums- und Wechselkurssituation als derzeit besonders riskante Länder Brasilien, Südafrika, Mexiko und Kolumbien identifiziert. Trotz einer aktuell noch gesünderen Position seien insbesondere China, Indien und Malaysia potenziell gefährdet. „Hingegen scheint es so, dass Russland und Chile mehr Raum zum manövrieren haben“, heißt es.

Dass Ungemach bei Schwellenländer-Bonds droht, zeigen jüngste Daten von ThomsonReuters zu Eigentumsverhältnissen iShares J.P. Morgan Dollar Emerging Markets Bonds ETF. Während demnach eine Reihe klassischer Assetmanager jüngst verkauften, sind Hedgefonds eingestiegen. Sie sind oft nicht zimperlich beim Durchsetzen ihrer Ansprüche.

Doch auch die Schuldnerseite rüstet sich. In Afrika, wo hochverschuldete Länder wie Sambia bereits über Restrukturierung ihrer Schulden nachdenken, formiert sich eine Bewegung für ein zweijähriges Schuldenmoratorium. Es geht um Staatsanleihen im Umfang von 115 Mrd. Dollar im Besitz von privaten Investoren. Zu den Befürwortern der Initiative zählt auch Tidjane Thiam, der frühere Chef der Schweizer Bank Credit Suisse.