FondsWarum Nebenwerte eine gute Beute sind

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Langfristige Performance spricht für Kleinwerte

Das vorerst letzte Wort in dieser Sache hatte eine Untersuchung, die zu diesem Schluss kam: Kleinunternehmen sind im Durchschnitt nicht besser als der Markt aber nur deshalb, weil es unter ihnen sehr viele qualitativ schlecht geführte Firmen gebe. Bei den Large Caps dagegen sei die Zahl der Qualitätsunternehmen höher. Sie hätte quasi über die vielen Jahre ihres Wachstums einen Ausleseprozess durchlaufen, das lasse nur die qualitativ Guten auch zu besonders großen Konzernen werden. Sehe man sich also nur die guten Kleinunternehmen an, dann wiesen sie sehr wohl eine deutliche Überrendite aus. Vor allem seit dem Jahr 1981 zeige sich das, in allen Märkten und allen Monaten des Jahres. Mehrertrag mit Nebenwerten sei also möglich.

Das belegen auch die Daten der jüngsten Vergangenheit eindrucksvoll: Auf Jahressicht sind die Indizes der Kleinunternehmen zwar ähnlich schlecht gelaufen oder sogar noch schlechter als die Indizes der Großen: Der Dax büßte rund 18 Prozent ein, der SDax ebenfalls 17 Prozent. Der europaweite MSCI Large Caps Index sackte 14 Prozent ab, der MSCI Europe Small Caps sogar 20 Prozent. Aber: Sowohl auf Dreijahressicht als auch auf fünf Jahre liefen die Nebenwerte deutlich besser. Hier spielten sie rund sechs bis acht Prozent Rendite jährlich ein, während die Großen nur zwei bis drei Prozent brachten – oder sogar annährend eine Nullrendite. Am eindrucksvollsten ist das Ergebnis über zehn Jahre: Da kommen die europäischen Large Caps und der Dax auf 6 und 16,5 Prozent Jahresperformance. Dagegen schafften die europäischen Small Caps 19 Prozent pro Jahr, der SDax sogar 31 Prozent. Auch wenn man die Rechnung in der Zeit vor dem jüngsten Aufschwung beginnt, also weit vor der Finanzkrise, bestätigt sich das: Seit 2003 haben sich Europas Großfirmen von 100 Indexpunkten auf 185 gesteigert, der MSCI-Europe-Gesamtindex verdoppelte sich immerhin auf 209 Indexpunkte – doch die Small Caps erreichten sogar 361 Punkten. Sie legten also insgesamt ein doppelt so gutes Ergebnis hin wie die Großunternehmen.

Denn – und das ist der Punkt, weshalb die Kleinen gerade jetzt ein Investment wert wären – sie leiden zwar tatsächlich mehr, wenn sich der Markt im Abwärtsdrall befindet – so wie jetzt. Allerdings auch nicht übermäßig verglichen mit den Großfirmen: In den Jahren 2018, 2011 und 2008 drehte der Aktienmarkt nach unten. Dabei verloren die europäischen Small Caps jüngst 20 Prozent, die Large Caps 14 Prozent. 2011 waren es 20 bei den Kleinen und 10 bei den Großen. Und 2008 in der Finanzkrise büßten die Small Caps 54 Prozent ein, die Large Caps aber immerhin auch 45. Das macht 25 Prozentpunkte Verlust zusätzlich in drei Schwächephasen für die Kleinen. Aber, und jetzt gilt es: Danach sind gerade die Nebenwerte es, die viel schneller wieder auf die Beine kommen und dann richtig große Sprünge machen. Während die eher behäbigen Großunternehmen, die Dickhäuter unter den Aktien, eher langsam wieder auf Trab kommen. Eine alte Börsenweisheit drückt es so aus: Elefanten galoppieren nicht.

Kein Automatismus

Aber die gazellengleichen Small Caps galoppieren sehr wohl, das belegen die jüngsten Zahlen ebenfalls: Zwischen 2009 und 2011 schossen die Kurse der Kleinen einmal um 65 Prozent und einmal um 21 Prozent nach oben. Die Großen schafften nicht einmal die Hälfte davon, nämlich 34 Prozent und 2 Prozent. Auch 2015 legten die Small Caps 11 Prozent Performance hin, die Large Caps büßten dagegen sogar 4 Prozent ein. 2017 fiel ebenfalls mit 36 zu 24 für die Kleinen aus, 2006 ebenso mit 45 zu 31. Das macht insgesamt ein Plus von 91 Prozentpunkten für die Kleinen, allein in den Schlüsseljahren. Damit gleichen sie die 25 Verlustpunkte locker wieder aus und kommen auf 66 zusätzliche Perfomancepunkte in den turbulenten Zeiten.

Ökonomen und Statistiker sagen aber auch: Auf eine automatische Überrendite durch Small-Caps sollten Anleger nicht hoffen, auch bei breiter Streuung nicht. Denn hier greift das Prinzip: Es befinden sich dann auch immer viele schlechte Firmen im Portfolio, die letztlich die Mehrrendite wieder zunichte machen können. Das spricht dagegen, einfach einen Indexfonds auf den SDax oder den MSCI Europe Small Caps zu kaufen. An dieser Stelle scheinen Aktivfonds tatsächlich einmal sinnvoller zu sein. Zumindest wenn deren Manager es schaffen, jene Kleinunternehmen herauszupicken, die stabile Cashflows, hohe Eigenkapitalrenditen und kleine Fremdkapitalquoten aufweisen. Bei Small Caps sollte man nämlich – ebenso wie bei Großkonzernen – eine Value-Strategie fahren, also besonders werthaltige Firmen auswählen und zusätzlich auf Trends am Markt setzen, also Über- oder Unterbewertungen ausnutzen. Schaffen aktive Manager das nun dauerhaft?