GeldanlageWarum mutige Anleger belohnt werden

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Sparplan oder Einmalanlage?

Der sogenannte Cost-Average-Effekt ist also das Phänomen, das den stufenweisen Wiedereinstieg lukrativer und ungefährlicher machen soll. Im Grunde kennt ihn auch jeder Sparplan-Anleger: Wer jeden Monat für 100 Euro Fondsanteile kauft, der kauft höchstwahrscheinlich in manchem Monat nur wenige Fonds zu einem hohen Preis ein, dafür aber erwirbt er in anderen Monaten erheblich mehr Fondsanteile, wenn die Kurse sinken. In Summe mindere er damit das Risiko, dass er zum falschen Zeitpunkt in den Markt einsteigt und so zu überteuerten Preisen kauft. So zumindest lehren es etliche Finanzmarktexperten.

Das Blöde ist nur, dass es so nicht stimmt. Zumindest gilt diese Regel allenfalls für Geldanleger, die nicht weiter denken als nur für ein paar Monate. Und die wirklich verdammt großes Pech haben, weil sie an einem Zeitpunkt in den Markt einsteigen, der unmittelbar vor einem ganz großen Crash liegt. So erging es zum Beispiel all jenen, die im März 2000 Aktienpakete kauften, also ganz kurz vor dem großen Dotcom-Crash. Oder im November 2007, kurz vor der Weltfinanzkrise.

Nun kann man natürlich argumentieren: Wer weiß schon, ob uns nicht wieder so ein gigantischer Wendepunkt des Marktes bevorsteht? Richtig, das kann natürlich niemand. Aber vielleicht überzeugt Skeptiker ja das Ergebnis einer Studie, die von der Ratingagentur Morningstar stammt. Sie hat verglichen, wie gut Anleger fuhren, wenn sie in den letzten knapp 100 Jahren einen großen Batzen Geld am US-amerikanischen Aktienmarkt anlegten. Und wie es jenen erging, die stattdessen ihr Geld in Tranchen in den Markt schichteten.

Je länger der Anlagehorizont desto besser die Aussichten

Das Ergebnis ist mehr als eindeutig: Betrachtet man die Welt der Kurzfristanleger, die lediglich für einen Zeitraum von 10 Monaten investiert blieben, so fällt die Statistik in 72 Prozent aller 10-Monatszeiträume zwischen 1926 und 2019 zugunsten der Einmalanleger aus. Sie fuhren also mit der gewagten Strategie besser als die Vorsichtsanleger, die über den 10-Monatszeitraum gestückelt einstiegen. Andersherum gesagt: Selbst auf extrem kurze Anlagedauer zahlt sich der vorsichtige Einstieg in nicht einmal drei von zehn Fällen aus. Und dabei wurden immerhin rund 1100 verschiedene Zeiträume betrachtet.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Einmalanleger besser abschneidet wird dabei umso größer, je länger sein Anlagehorizont ist. Wer sein Geld zehn Jahre lang im Markt lässt, der hat mit der Einmalanlage bereits eine über 90-prozentige Chance, damit eine bessere Rendite zu erzielen als ein Tranchen-Einsteiger. Zudem, und das überraschte die Analysten stark, war auch die Schwankungsbreite der Renditen bei den Sparplananlegern größer als bei den Einmalanlegern. So gesehen muss man sagen: Für eine Abmilderung des Risikos sorgt das stufenweise Anlegen also ebenso wenig wie für eine Erhöhung des Ertrages.

Und das gilt beileibe nicht nur für den amerikanischen Markt. Das belegen auch die Zahlen des hiesigen Fondsverbands BVI, der die Wertentwicklung von Sparplänen regelmäßig anhand der realen Kursdaten errechnet. Jene von Einmalanlagen ebenso. Aktuell sieht die Bilanz so aus: Sowohl auf eine Laufzeit von 10 Jahren als auch auf 30 Jahre brachte die Einmalanlage in Aktienfonds bessere Jahresrenditen als ein Sparplan. Bei den Mischfonds galt das größtenteils auch. Lediglich auf die 20-Jahres-Laufzeit lagen die Sparpläne vorn. In jenem Zeitraum also, in den die beiden großen Crashs von 2001 und 2008 fielen. Wer in dieser Phase nicht genügend Zeit zum Aussitzen hatte, der war mit einem Sparplan besser beraten, weil er tatsächlich in den Krisen billig Anteile einkaufen konnte. Wer dagegen 30 Jahre warten konnte, der profitierte mit der Einmalanlage mehr.