Kolumne Warum jetzt die Zeit für den Aufbau einer Aktienrente ideal ist

Aktienkurse an einer Anzeigetafel im Handelssaal der Deutschen Börse
Aktienkurse an einer Anzeigetafel im Handelssaal der Deutschen Börse
© STPP / IMAGO
Das umlagefinanzierte Rentensystem steht vor dem Kollaps. Die EZB hat jedoch ein ideales Umfeld geschaffen, den Vermögensstock für eine kapitalgedeckte Rente mit Aktien – „Deutschlandfonds“ – aufzubauen
Peter Seppelfricke lehrt Finanzwirtschaft an der Hochschule Osnabrück. Er ist zugleich Gründer und Geschäftsführer der Value Investor Research GmbH
Peter Seppelfricke lehrt Finanzwirtschaft an der Hochschule Osnabrück. Er ist zugleich Gründer und Geschäftsführer der Value Investor Research GmbH
© PR

Das umlagefinanzierte Rentensystem lebt von der Hand in den Mund – das eingesammelte Geld der Arbeitnehmer wird direkt an die aktuellen Rentner ausgeschüttet. Das deutsche Versorgungssystem gleicht damit einem Schneeballsystem. Es ist darauf angewiesen, dass beständig neue Arbeitnehmer hinzukommen, um die wachsende Zahl der Rentner zu finanzieren. Seit Jahrzehnten lässt ein einfacher Blick auf den Altersaufbau der Bevölkerung erkennen, dass dieses Schneeballsystem in den kommenden Jahren kollabieren wird. Die Babyboomer kommen nun sukzessive ins Rentenalter und sie haben zu wenige Nachkommen gezeugt, die ihnen eine auskömmliche Rente erwirtschaften können.

Bereits heute ist die Rentenkasse zahlungsunfähig und muss mit Milliardenbeträgen aus Bundesmitteln unterstützt werden. Die Zuschüsse beliefen sich im vergangenen Jahr auf ca. 100 Mrd. Euro, damit werden die Renten schon jetzt zu etwa einem Viertel aus dem Bundeshaushalt finanziert. Bis zum Ende der Finanzplanungszeitraumes 2024 werden diese Zuschüsse auf etwa 120 Mrd. Euro anwachsen, Tendenz also deutlich steigend. „Da muss man kein Mathematiker sein. Es genügt die Volkshochschule Sauerland, um zu wissen: Wir müssen irgendwas machen“, sagte dazu treffend vor 15 Jahren der damalige Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (um die Rente mit 67 zu rechtfertigen).

Die Rente muss reformiert werden

Die aktuelle Generation der Politiker scheut sich jedoch davor, die offensichtlichen Probleme des Rentensystems anzugehen. Im Gegenteil: Mit zahlreichen Wahlgeschenken wie die abschlagsfreie Rente mit 63, die Aufstockung der Mütterrente oder die Festlegung von Haltelinien (Beiträge zur Rentenversicherung gedeckelt auf 20 Prozent; garantierte Rente von 40 Prozent des Nettoeinkommens bis 2025) wurden die Zahlungsprobleme der Rentenkasse noch verschärft. Und auch die aktuellen Wahlprogramme der Parteien lassen befürchten, dass eine kommende Regierung die notwendigen Reformen nicht angehen wird.

Dabei ist die aktuelle Lage an den Finanzmärkten ideal, um schuldenfinanziert den notwendigen Vermögensstock („Deutschlandfonds“) für eine kapitalgedeckte Rente aufzubauen. Die massive Ausweitung der Staatsschulden wirkt auf viele deutsche Gemüter abschreckend, hat bei genauerer Betrachtung aber viele Vorteile:

  • Hervorragende Bonität bleibt erhalten: Bei seriöser Betrachtung werden die absehbaren zukünftigen Zahlungen (Barwerte) in die Rentenkasse schon heute in den Staatsschulden berücksichtigt. Oder anders formuliert: Die Zahlungsverpflichtungen an die Rentenkasse sind schon heute vorhanden, diese Schattenverbindlichkeiten würden lediglich in offene Schulden umgewandelt werden. Die Ratingagenturen würden ein derartiges Vorgehen begrüßen, das AAA-Rating und die hervorragenden Finanzierungskonditionen des Bundes wären also nicht gefährdet.
  • Schulden machen lohnt sich: Aktuell kann der Bund über alle Laufzeiten (bis zu 30 Jahre) mit negativen Zinsen an den Finanzmärkten Geld aufnehmen. So müsste der Bund bei einer Schuldenaufnahme von 1000 Mrd. Euro am Ende einer Laufzeit von beispielsweise zehn Jahren lediglich etwa 950 Mrd. Euro zurückzahlen. In der Zwischenzeit lässt sich mit Sachwerten dieser Einsatz regelmäßig verdoppeln. Zukünftige Generation würden sich freuen!
  • Die Rente ist sicher: Das Renditedreieck (siehe Abbildung) offenbart, dass sich über lange Jahre die Renditen auf Aktienmärkten auf einem sehr stabilen Niveau (ca. 8,8 Prozent) einpendeln. Der Staatsfonds kann folglich eine recht sichere Rente garantieren! So lässt sich beispielsweise bei einer Erhöhung der offenen Staatsschulden um 30Prozent vom BIP (entspricht ca. 1200 Mrd. Euro) eine jährliche Rendite von ca. 100 Mrd. Euro erzielen. Die aktuellen Löcher in der Rentenkasse könnten damit schon gestopft werden.

Spannweiten von Dax-Renditen für verschiedene Anlagezeiträume

Quelle: Berechnungen des Autors mit Daten aus S&P Capital IQ
Quelle: Berechnungen des Autors mit Daten aus S&P Capital IQ
© Peter Seppelfricke

Die EZB hat mit ihrer expansiven Geldpolitik ein Traumszenario für den Aufbau eines kapitalgedeckten Rentensystems kreiert. Schulden machen lohnt sich, die absehbare Geldentwertung (Inflation) lässt die reale Schuldenlast in Zukunft deutlich sinken und die Sachwerte von Aktien oder Immobilien werden nachhaltig inflationiert. Mit der einfachen Strategie „Schulden machen, Sachwerte kaufen“ profitieren kluge Investoren schon seit geraumer Zeit von den Marktmanipulationen der EZB. Es sollte auch die Devise von cleveren Politikern sein.


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