GeldanlageWarum ICOs ein riskantes Spiel für Anleger sind

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„Wolf of Wall Street“ warnt vor ICOs

Sind die Kryptobörsengänge also wirklich so gefährlich? Sie seien „die größte Abzocke, die es je gegeben hat“, so formulierte es jüngst sogar Jordan Belfort, ausgerechnet der Mann, der als „Wolf of Wall Street“ in die Geschichtsbücher einging und selber etliche Anleger um insgesamt 200 Mio. Dollar prellte, wofür er eine zweijährige Gefängnisstrafe verbüßte. Jener Börsenhai also warnt nun vor dem aktuellen Börsenhype, der in seinen Augen tausende Anleger noch viel stärker schädigen werde, als er es jemals getan habe, so drückte er das aus.

Viele diejenigen, die bereits Anteile bei solchen virtuellen Börsengängen gekauft haben, werden das freilich ganz anders sehen: Einige Firmen vervielfachten innerhalb weniger Wochen den Wert ihrer Anteile. Von einer Verfünffachung der Einlage in nur zwei Wochen träumen seitdem die Investoren, denn das habe bei Vorzeigeunternehmen durchaus schon geklappt. Deshalb springen auch immer mehr Investoren auf die Krypto-ICOs an und machen dafür große Summen locker. Die bisher größten Börsengänge erlösten jeweils über 200 Mio. Dollar und ein deutsches Start-up soll demnächst ebenfalls diese Größenordnung erreichen. Warum sollte man da also nicht mitmachen, wenn endlich einmal wieder die Börse auch den Kleinanlegern mächtige Chancen eröffnet?

Weil der Markt so unreguliert ist. So sagen es die Behörden im Gleichklang mit jenen Börsenprofis, die genau wissen, wie man das bestehende System ausnutzt – selbst wenn es strenge Regeln gibt. Umgehen kann man beinahe jede Regel, das machen Finanzskandale dieser Tage wieder einmal deutlich. Wo es aber gar nicht erst Regeln gibt, da ist es noch viel einfacher für diejenigen, die vorwiegend selber auf ihre Kosten kommen wollen.

Das Risiko für Anleger ist enorm

Das größte Problem ist, dass viele der Start-ups noch gar keine richtigen Geschäftsmodelle haben, sondern oft lediglich ein Whitepaper vorlegen, in dem sie ihre Ideen und ihre Businesspläne beschreiben. Es liege als lediglich ein Konzeptpapier vor und schon gar kein Wertpapierprospekt wie bei anderen Anlageformen. Im Grunde kaufen die Anleger also nichts als ein paar kühne Ideen. Nun ist das bei anderen Unternehmen, die an die Börse gehen nicht anders. Auch bei Start-ups wie Snap kann man nach der Tragfähigkeit des Geschäftsmodells fragen, bei Facebook taten viele es früher ebenso. Bei den Kryptowährungen aber lauten die Businessbeschreibungen heute ungefähr so: Wir sind ein Social Trading Netzwerk, das sich auf hochspekulative Differenzkontrakte spezialisiert hat und virtuelle Gegenstände handelt. Zum Beispiel Spielgeld aus Computerspielen. Andere treten an um Kreditkarten für Kryptowährungen zu entwickeln und sammeln dafür Geld von Anlegern ein.

Da mag man als Anleger selbst entscheidet, für wie aussichtsreich man so eine Geschäftsidee hält. Sollte aber im Hinterkopf behalten, dass von den vielen Unternehmen, die gegründet werden etwa neun von zehn nicht überleben. Das ist der grobe Marktschnitt. Wie die Zahlen speziell im Kryptobereich ausfallen ist noch nicht erfasst. Fakt ist aber: Das Risiko für Anleger ist enorm hoch. Und durch den unregulierten Markt ist es noch höher. Denn dort garantiert später niemand, dass die Anteilseigener ihre Anteile auch wieder loswerden und verkaufen können. Dadurch können sich erhebliche Preisschwankungen bei den Kryptoanteilen ergeben, zeigte die jüngste Vergangenheit: Selbst hochgejubelte Anteile brachen von einem Tag auf den anderen ein.

Und dann steht natürlich noch die Frage im Raum: Kaufe ich mit dem Token nun einen Anteil an der Firma, ein Stück vom irgendwann erwarteten Gewinn oder lediglich das Versprechen, ihn später in Spielgeld für ein Computerspiel tauschen zu können? In jedem Fall sollte man nur dann echtes Geld in solche virtuellen Welten pumpen, wenn man auch damit leben kann, wenn es vollends in Bits und Bytes verpufft.