KolumneWarum Frauen als Investorinnen Märkte stabilisieren

Dani Parthum Tom Salt

Wer mag schon die teils heftigen Kursausschläge an den Aktienmärkten? Weniger wäre hier doch mehr. Verursacht werden sie vor allem durch kurzfristige Einflüsse wie unterschiedliche Erwartungen, Spekulantentum, Gier, Angst und Selbstüberschätzung, regulatorische Zwänge oder das Zinsniveau und freilich Schocks wie Corona.

Einige dieser Einflüsse schieben Frauen, die in Aktien investieren, durch ihre Lebensrealitäten zur Seite. Was sie oft nicht nur entspannte Anlegerinnen sein lässt. Sie erzielen sogar höhere Renditen als Männer. Das belegen zahlreiche wissenschaftliche Auswertungen und Umfragen, nicht nur aus Deutschland. Wenn Frauen denn investieren! Noch tun dies in Deutschland nur etwa 4,5 Millionen, so das DAI.

Was aber macht Frauen so erfolgreich an der Börse? Sechs Beobachtungen:

#1 Geldanlage verstehen

Legen Frauen Geld an, wollen sie alles genau wissen. Einfach mal Machen ist für die meisten keine Option. Nachteil: Es dauert länger, bis Frau zum ersten Aktien-Kauf. Bedeutender Vorteil aber: Frau weiß, was sie tut. Und was sie besser lässt.

#2 Auf Sicherheit bedacht, breit gestreut

Viele Frauen neigen dazu, risikoscheu zu agieren, wenn sie älter sind oder weniger als 4.000 € monatlich verdienen. Sie investieren deshalb eher in Fonds, vor allem in Exchange Traded Funds, den ETFs, um sich gegen Risiken abzusichern. Allein 2020 stieg die Zahl der neuen ETF-Investorinnen hierzulande um 650.000, so das Deutsche Aktien Institut, die der Anlegerinnen in Einzelaktien um 64.000.

#3 Dabei bleiben und zeitsparend

Haben sich Frauen auf den Weg gemacht, mit Anlagestrategie und passenden Investments ausgestattet, bleiben sie dabei, auch wenn sich Kurse bewegen. Weil sie ihre Anlageentscheidung lange abgewogen haben und nicht laufend vor dem Computer hängen. Familie, Kinder, Beruf, Hobbies – Frauen verteilen ihre Zeit auf vieles. Geldanlage muss deshalb pragmatisch sein, per Sparplan.

#4 Sich nicht über Geld definieren

Wenn ich Frauen frage, was sie an Geld schätzen, sagen sie fast unisono Sicherheit, Unabhängigkeit, Sorgenfreiheit. Noch nie hat eine Prestige ala „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ gesagt wie in der angeberischen Sparkassenwerbung aus den 90ern mit zwei Männern. Folge: Frauen agieren beim Geldanlegen weniger impulsiv; sie treibt kein Angebe- oder Ego-Faktor und sie unterschätzen eher ihre Anlagefähigkeiten.

#5 Kosten gering halten

Traditionell sind viele Frauen kostenbewusst. Nicht qua Geschlecht, sondern weil sie ihre Mütter erlebt haben, die als Hausfrauen mit begrenzten Budgets auskommen mussten. Außerdem verdienen sie in vielen Berufen weniger als Männer oder arbeiten Teilzeit. Hohe Gebühren kommen ihnen deshalb nur ungern ins Depot.

#6 Langfristig denken

Letztlich – was treibt Frauen zur Geldanlage? Vor allem die Angst vor Altersarmut, sie wollen für die Ausbildung ihrer Kinder sorgen, mit dem Partner, der Partnerin, ein gutes Leben führen, unabhängig sein. Heißt: Kurzfristige Trends ignorieren sie tapfer und ziehen ihre Langfriststrategie durch. Buy and hold. Und Atmen!

Selbstanlegerinnen liegen mit diesem Verhalten auf Linie von Kapitalmarktforschung, Verhaltensökonomik und Empirik: Sie investieren in Fonds, immer öfter auch in passive ETFs, am liebsten per Sparplan stoisch über Marktschwankungen hinweg, kostenbewusst, langfristig und seltener in Einzelaktien.

Dieses Verhalten hat das Zeug dazu, die teils heftigen, kurzzeitigen dominanten Einflüsse auf Aktienkurse zu glätten. Gerade in Abschwungphasen wirken Sparpläne, das Festhalten an Investments, langfristiges Denken und die breite Streuung durch Fonds stabilisierend. Zu weit hergeholt?

Die Ratingagentur Morningstar hat Ende 2020 das Verhalten von Fondsanlegern im Corona-Crash analysiert und festgestellt: Sowohl Indexfondsanleger als auch Privatanleger haben durch ihr Verhalten höhere Verluste an den Börsen verhindert. Viele hielten die Füße still und kauften früh nach.

Freilich bewegen institutionelle Fondsmanagerinnen in Banken, Versicherungen, Pensionskassen und Vermögensverwaltern maßgeblich die Aktienkurse – gerade bei Marktkorrekturen und Crashs. Sie verstärken sie. Aber auch das sähe womöglich anders aus, gäbe es mehr Fondsmanagerinnen.

Eine Auswertung der Universität Mannheim ergab, dass Fondsmanagerinnen seltener als ihre Kollegen unterjährig ihre Strategien wechselten und Portfolien umschichteten – und damit sogar erfolgreicher waren. Nur! In den USA (nur hier gibt es zuverlässige Daten) werden zwischen 85 Prozent und 90 Prozent der Fondsvolumen von Männern verantwortet.

Was als Hauptkurstreiber bliebe mit mehr fondsinvestierten Aktien-Investorinnen? Nun, wie hat es John C. Bogle, der Erfinder der Indexfonds, formuliert? „Es ist die Ökonomie, die die langfristigen Aktienerträge bestimmt. Der kurzfristige, so dominante, Einfluss der Emotionen, verliert sich.“


Dani Parthum ist Diplom-Ökonomin, Geldcoach, Finanzbloggerin und Buchautorin. Unter der Marke Geldfrau unterstützt sie Frauen dabei, ihre Angst vor Finanzen abzulegen und für sich selbst Strategien zu entwickeln, selbstbestimmt mit Geld umzugehen und Vermögen aufzubauen.