BörsengängeWarum es so viele Firmen aufs Parkett zieht

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Börsengänge en masse

Es gibt zwei Gründe, weswegen sich die Münchner damit wohl auch beeilen werden: Einerseits wollen sie ausnutzen, dass zurzeit sowohl das Investorenvertrauen als auch die Liquidität im Markt sehr hoch sind. Andererseits wollen sie sich nicht von der Deutsche- Bank-Tochter Deutsche Asset Management, DWS abhängen lassen. Denn die peilte ebenfalls vor Ostern das Börsendebüt an und es gilt als ausgemacht, dass sich derjenige Neuling besser mit Geld eindecken wird, der zuerst aufs Parkett kommt, sagen Marktbeobachter. Ganz so groß ist die Neuemission der Deutschen Asset Management zwar nicht, sie soll rund 2 Mrd. Euro schwer sein. Aber auch bei der Deutschen Bank drängt die Zeit: Spätestens Ende Mai auf der Hauptversammlung muss Vorstand John Cryan eine neue Erfolgsgeschichte verkünden, sonst werden die Investoren der Großbank wohl ungeduldig. Die Zeit läuft also für beide.

Interessant werden dürfte auch der Auftritt von Knorr Bremse. Das bisherige Familienunternehmen gilt als führender Hersteller von LKW-Bremssystemen hat sich ebenfalls das Jahr 2018 als Ziel für sein Börsendebüt gesetzt. Mit einem Emissionswert von rund 4 Mrd. Euro erwarten die Rechner das Münchner Unternehmen auf den Aktienlisten. Auch der Wissenschaftsverlag Springer Nature, der Glücksspielkonzern Novomatic, das Softwareunternehmen Team Viewer und Sonne, ein Batteriehersteller planen Börsengänge.

Was aber haben nun Anleger von den Neuzugängen und vor allem: Wie können sie sich daran beteiligen? Mit den Neulingen verbinden viele ja immer auch die neue Hoffnung auf schnelle und außergewöhnliche Gewinne. Oft ist sie berechtigt, oft aber auch nicht. Bei Siemens Healthineers scheint sie zumindest nicht unberechtigt. Ein organisches Wachstum von vier bis sechs Prozent pro Jahr erwarten Marktbeobachter von der Medizintechniksparte. Um sechs bis sieben Prozent soll der operative Gewinn zulegen. Zudem verspricht das Unternehmen, dass künftig 50 bis 60 Prozent des Nettoertrags als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden sollen. Das ist natürlich eine Ansage. Ähnlich Konkretes gibt es zwar leider noch nicht von der Asset Management Sparte der Deutschen Bank, aber auch für sie sind Analysten durchaus optimistisch gestimmt.

Kleinanleger können später einsteigen

Nun ist es aber erfahrungsgemäß nicht einfach, als Privatanleger überhaupt an solche Aktien zu kommen. Zuerst gehen die Unternehmen auf Roadshow und stellen ihre Zahlen und Pläne dort den Großinvestoren vor, die sie für ihren Börsenauftritt gewinnen wollen. Auf Investoren wie Blackrock, auf Staatsfonds und Hedgefonds hat es wohl die Siemens-Tochter abgesehen. Bei den Vorstellungsrunden loten die Firmen aus, welche Zahlungsbereitschaft für die neuen Aktien besteht, so ermitteln sie die Bookbuilding-Spanne. Privatkäufer können dann bei ihren Depotbanken versuchen, Aktien zu zeichnen. Ist die Depotbank eine der Konsortialbanken – die Deutsche Bank wird wohl bei beiden großen Börsengängen als solche mit von der Partie sein, bei ihrer eigenen Tochter natürlich erst recht – stehen die Chancen höher, dass man auch als Privatanleger eine Aktienzuteilung bekommt. Oft aber sind die Papiere letztlich so überzeichnet, dass außer den Profianlegern kaum ein Privatinvestor solche Papiere zum IPO bekommt. Vor allem nicht, wenn sie auch noch an einer Börse außerhalb Deutschlands an den Markt streben.

Macht aber nichts. Denn natürlich sind die Kursausschläge direkt bei Erstnotiz oft hoch, aber wer es nur auf die Gewinne innerhalb der ersten Minuten abgesehen hat, wird als Kleinanleger in diesem Metier ohnehin den Kürzeren ziehen. Spannender ist, wohin die Kurse innerhalb der ersten Monate und Jahre streben. Und daran können Privatanleger auch noch teilhaben, wenn sie die Neuerscheinungen sozusagen nach ein paar Tagen gebraucht kaufen. Das Wichtigste ist deshalb bei IPOs nicht das schnelle Kaufen, sondern das gute Auswählen. Post und Telekom sind schließlich die besten Beispiele dafür, dass nicht jeder Neuzugang automatisch gute Zukunftsaussichten hat. Nach der Auswahl sollte dann etwas anderes auf der Liste der Anleger weit oben stehen: Das möglichst lange Festhalten der Aktien. Das zahlte sich in der Vergangenheit meist mehr aus.