BörsengängeWarum es so viele Firmen aufs Parkett zieht

Blick durch ein Kameradisplay auf den Handelssaal der Deutschen Börse
Blick durch ein Kameradisplay auf den Handelssaal der Deutschen BörseDeutsche Börse

In einer Hinsicht wird 2018 ein neues Rekordjahr an der Börse werden, soviel steht jetzt schon fest. Natürlich weiß noch niemand, ob sich die Kurse weiter so rasant entwickeln werden wie zuletzt. Ebenfalls ungewiss ist, ob die große Rallye am Aktienmarkt das ganze Jahr über anhält. Aber eines ist schon jetzt absehbar: Es wird in diesem Jahr wohl nicht nur mehr Börsengänge (IPOs) geben als 2017, sondern auch so viele wie schon lange nicht mehr. In den kommenden elf Monaten wollen die Unternehmen ein wahres IPO-Feuerwerk entzünden und vor allem deutsche Firmen werfen in großem Stile neue Aktien auf den Markt – wenn alles glatt geht.

Nun ist es ja nicht sehr schwer, das Jahr 2017 in dieser Hinsicht zu übertrumpfen. Denn da waren es nur ganze acht deutsche Firmen, die sich aufs Parkett wagten. Im Jahr davor nur fünf, das war relativ mau trotz der guten Aktienmarktkonjunktur, die damals bereits herrschte. Und im Rückblick wirkt es so, als hätten die Unternehmen dem Kursaufschwung damals einfach noch nicht getraut. Gemessen daran ist die Zahl, die fürs laufende Jahr erwartet wird, bereits ein Knaller: 18 bis 20 Firmen haben angekündigt, den Börsengang wagen zu wollen. Einige davon bereiten sich schon intensiv darauf vor. Zwei wollen sogar noch vor Ostern ihre Aktien auf den Kurszetteln gelistet haben – es sind zudem zwei wirkliche Schwergewichte, nämlich Tochtergesellschaften von Siemens und der Deutschen Bank. Sie können es quasi kaum noch erwarten.

In diesem Jahr also scheinen viele Konzerne ausnutzen zu wollen, was inzwischen nicht mehr zu leugnen ist: die gute Stimmung am Markt. Derzeit seien die Bedingungen für Börsengänge extrem gut, sagen Analysten. Die Konjunktur läuft weiterhin robust und soll im Vergleich zum Vorjahr noch einen Gang zulegen. Das lässt natürlich auch die Unternehmensgewinne vermutlich noch einmal entsprechend steigen. Die Zinsen dagegen bleiben nach der jüngsten Ankündigung der Europäischen Zentralbank vor wenigen Tagen weiterhin niedrig. Zumindest ist eine Anhebung weiterhin nicht geplant. Das dürfte also weiterhin die Aktienkurse beflügeln mangels echter Anlagealternativen. Zumal viele Vermögensverwalter und Großinvestoren noch immer starken Anlagedruck haben. Sie sammeln viel Geld von Anlegern ein, das sie am Kapitalmarkt unterbringen müssen. Was wäre da also eine bessere Chance als die Aktien von Börsenaspiranten?

Siemens bringt Healthineers an die Börse

Kein Wunder also, dass sich auch die Firmen eine gute Chance ausrechnen, unter diesen Umständen viel Geld an der Börse einzuspielen und besonders hohe Einstiegskurse zu erzielen. Deswegen, so scheint es, wollen nun plötzlich alle auf einmal aufs Parkett. Rund 13 Mrd. Euro könnten die IPOs nur in Frankfurt einspielen, schätzen Analysten zurzeit. Und allein der größte Neuzugang, die Siemens-Tochter Healthineers, könnte Aktien im Volumen von bis zu 9 Mrd. Euro platzieren. Das ist mehr als die Deutsche Post im Jahr 2000 an die Börse brachte, sie schaffte 6,7 Milliarden. Und fast so viel wie die Telekom 1996 erlöste, bei ihr waren es damals 10 Mrd. Euro.

Zählt man alle geplanten Börsendebüts zusammen, dann könnte 2018 weltweit das beste Jahr für Börsengänge nach dem Boomjahr 2010 werden. Damals tauchten Aktien im Wert von 300 Mrd. Dollar neu auf den Kurszetteln auf, diesmal sollen es rund 290 Milliarden werden, laut Berechnungen der Analysten von Baker und McKenzie.

Allerdings hat die Branche auch die Angewohnheit, viel anzukündigen und nicht jedes ihrer Versprechen am Ende einzuhalten. Meist drängen dann doch weniger Aspiranten an den Markt als ursprünglich gehofft. Was oft daran liegt, dass die Firmenchefs angesichts von Unsicherheiten an den Märkten, im globalen Gefüge oder angesichts der eigenen Geschäftszahlen dann doch kurz vorher noch die Notbremse ziehen und die Aktienemission verschieben. Doch zumindest bei den zwei großen deutschen Anwärtern dürfen Anleger recht sicher sein: Siemens will seine Medizintechniksparte rasch an den Börsen notiert sehen. Denn Konzernchef Joe Kaeser trimmt den Industriekonzern mit aller Macht auf Effizienz. Die Vorzeigetochter Healthineers verspricht gute Renditen und ist bereits hochprofitabel. Folgerichtig will Siemens auch die Mehrheit behalten und lediglich rund ein Viertel der Aktien für Investoren zugänglich machen. Die Aussagen reichen zurzeit noch von einem Platzierungsanteil zwischen 15 und 25 Prozent. Da das Unternehmen auf insgesamt 36 Mrd. Euro taxiert wird, wären das eben jene 9 Mrd. Euro, mit denen Analysten rechnen. Das würde viel frisches Geld in die Siemens-Kassen spülen.