AktienkurseWarum die Commerzbank die Deutsche Bank abhängt

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Deutsche-Bank-Aktie hinkt hinterher

Nun könnte man argumentieren, dass es sich dabei um Basiseffekte handelt, die damit zu tun haben, dass Cryan eine kaputte Bank übernommen habe (den die Deutsche Bank gemessen an ihren Erlösen freilich nie war) mit lange Zeit noch zu optimistischen Aktionären. Und tatsächlich ging es für die Bank bis Ende 2016 vermutlich um nichts weniger als die Existenz.

Gleichwohl hinkt die Deutsche-Bank-Aktie auch seit dem Milliardenvergleich mit den US-Justizbehörden im Dezember 2016 und auch seit der erfolgreichen Kapitalerhöhung im März 2017 dem Gesamtmarkt für Bankaktien der Eurozone um je gut ein Fünftel hinterher. Beides waren offenbar nicht die Befreiungsschläge, zu denen sie die Bank apostrophiert hat – zumindest aus Sicht der Kapitalmärkte. Die Unzufriedenheit einiger Großaktionäre mit der Deutschen Bank hat daher gute Gründe.

Commerzbank-Aktionäre sollten sich hingegen fragen, ob die Euphorie der jüngeren Vergangenheit tatsächlich berechtigt ist. Nach neun Jahren Bullenmarkt gieren Investoren nach unverbrauchten Geschichten, idealerweise von tief gefallenen Werten. Die strukturellen Probleme des Bankensektors wie etwa die Regulierungskosten, neue digitale Wettbewerber, ein teurer Wettbewerb um Neukunden und die Unlust gerade deutscher Kunden, mit dem Ersparten für die Bank provisionsintensive Geschäfte zu tätigen, werden nicht so rasch verschwinden. Dass Analysten – üblicherweise viel zu optimistisch – die Kursentwicklung mit Skepsis sehen, sollte ebenfalls aufhorchen lassen.

Wie auch eine Studie der schweizerischen UBS aus dem Spätsommer, deren Analysten sich den Erfolg grenzüberschreitender Fusionen im europäischen Bankensektor angesehen haben. Eigentlich sehen Investoren diese als Werttreiber, als Antwort auf den scharfen Wettbewerb, Margenverfall und Effizienzprobleme der Branche.

Die Realität war in der vergangenen Dekade indes trist: im Schnitt haben Banken nach eben jenen grenzüberschreitenden Transaktionen eine rund zweieinhalb Prozentpunkte geringere Eigenkapitalrendite erwirtschaftet als regional verankerte Wettbewerber. Geschäftsmodelle lassen sich eben doch nicht so leicht über Landesgrenzen hinweg umsetzen. Und so könnte eine grenzüberschreitende Fusion, auf die derzeit so viele Investoren hoffen oder gar zocken, auch für die Commerzbank vielleicht nicht der Anfang, sondern eher das Ende der Kursrally sein.