AktienkurseWarum die Commerzbank die Deutsche Bank abhängt

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Vier Gründe für den Höhenflug

Natürlich gibt es nicht die „eine Antwort“ darauf, aber gute Indizien für den Commerzbank-Höhenflug.

Der erste ist, dass Klappern zum Handwerk von Investoren gehört. Mit dem Bund wie auch dem Finanzinvestor Cerberus hat die Commerzbank zwei Großanleger an Bord, die großes Interesse an einer raschen Wertsteigerung ihrer Beteiligung haben: den Bund, um aus seinem Commerzbank-Engagement aus dem Jahr 2009 möglichst ohne Verluste herauszukommen. Dazu müsste die Aktie indes weitere rund 50 Prozent klettern. Und auch einen Finanzinvestor, Cerberus, der die Renditevorstellungen seiner Investoren befriedigen muss. Und die gehen über die kleine Dividende der Commerzbank hinaus, die frühestens 2019 fließen dürfte. In jedem Fall kommen allen Beteiligten gezielt gestreute Interessensbekundungen anderer Banken oder gar der Politik sowie wilde Ideen von Investmentbankern auf der Suche nach Milliardendeals ganz gelegen.

Der zweite Grund für den Höhenflug der Aktie ist, dass die Commerzbank trotz eines geradezu notorischen Rentabilitätsproblems – das vielleicht, wenn alles gut geht, 2019 behoben sein könnte – über Eigenschaften verfügt, die sie für Aufkäufer attraktiv machen: Die Kapitalposition ist solide. In ihrer Bilanz schlummern noch rund 9 Mrd. Euro Verlustvortrag, die für einen Käufer steuerlich attraktiv sind. Und: ihr Börsenwert von aktuell knapp 15 Mrd. Euro ist in Teilen über den Beteiligungsbesitz gedeckt. Ihr gehört ein Anteil im aktuellen Börsenwert von 1,3 Mrd. Euro an der Comdirect und von 2,8 Mrd. Euro an der polnischen mBank.

Der dritte Grund ist, dass die Commerzbank-Aktie für all jene Investoren eine nahe liegende Wette ist, die an bald wieder steigende Zinsen in der Eurozone und eine höhere Zahlungsbereitschaft von Kunden für einfache Bankdienstleistungen glauben. Für letzteres spricht, dass die Abschaffung kostenlosen Girokontenmodelle bei Postbank und HVB nicht zu einem Massenexodus von Kunden geführt hat und die Commerzbank in der Kundenakquise sehr erfolgreich ist. Für Ersteres, dass die Commerzbank selbst in ihren Ausblicken gestreut hat, ein Anstieg der Kapitalmarktzinsen um einen vollen Prozentpunkt über alle Laufzeiten ließe die Zinserträge binnen vier Jahren ohne weiteres Zutun um 1 Mrd. Euro klettern. Das wären rund zwei Drittel von dem, was die Bank zuletzt als operativen Gewinn im ganzen Konzern erzielt hat.

Bleibt der vierte mögliche Grund: die Tatsache, dass Commerzbank-Chef Zielke vielleicht einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort saß und dabei von „Basiseffekten“ wie einem zuvor tief gefallenen Aktienkurs profitiert.

Höchst unterschiedliche Börsenreaktionen

Doch das wäre zu einfach gedacht. Ein simpler Kopf-an-Kopf-Vergleich mit seinem Amtskollegen John Cryan fördert mit Blick auf die relative Aktienkursentwicklung erstaunliche Ergebnisse zu Tage: Zwar haben die Banken völlig unterschiedliche Geschäftsmodelle – die eine ist global und auch im Investmentbanking tätig, die andere fokussiert auf deutsche Privat- und Geschäftskunden.

Beide kannten allerdings die Institute, in denen sie 2015 (Cryan) beziehungsweise 2016 (Zielke) den jeweiligen Chefposten übernahmen: Cryan als Aufsichtsrat, Zielke als Privatkundenchef. Beide nutzten ihre ersten Monate zur Orientierung. Beide erklärten das eigene Institut nach jenen Monaten kurzerhand zum Sanierungsfall. Und beide packten anschließend die Kosten der dafür notwendigen Aufräumarbeiten schnell in die Bilanzen, um möglichst ebenso rasch „liefern“ zu können, wie es so schön heißt. Allerdings mit höchst unterschiedlichen Börsenreaktionen.

Denn vergleicht man die Kursentwicklung von Deutscher Bank und Commerzbank relativ zum Index von Bankaktien der Eurozone, hat die Commerzbank-Aktie in allen relevanten Zeiträumen seit Beginn der Ära Zielke klar besser abgeschnitten als der Gesamtmarkt der Bankaktien der Eurozone: sowohl von Verkündung der Personalie Zielke bis heute (sieben Prozentpunkte besser), von seiner Amtsübernahme bis heute (sechs Prozentpunkte besser) und vor allem von der Verkündung seiner Strategie der „Commerzbank 4.0“ im September 2016 bis heute (42 Prozentpunkte besser).

Bei der Deutschen Bank ist die Entwicklung spiegelbildlich. Die Aktie läuft sowohl seit der Ernennung Cryans (37 Prozentpunkte schlechter) seinem Antritt (40 Prozentpunkte schlechter) und auch seit der Verkündung der von ihm veränderten Strategie 2020 im Oktober 2015 (42 Prozentpunkte schlechter) katastrophal. Dabei sind in diesem Index der Banken der Eurozone nicht einmal die großen US-Investmentbanken enthalten, die nochmals deutlich stärker gelaufen sind und mit denen sich die Deutsche Bank etwa im Handel und Investmentbanking weiter im Wettbewerb befindet.