InterviewWarum Deutsche ungern ans Geldanlegen denken

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Aber diesen Aktienflops steht doch quasi täglich der Deutsche Aktienindex Dax entgegen. Trotz aller Krisen hat er sich in den letzten 20 Jahren verfünffacht.

Das stimmt. Aber auch der Verzicht auf Aktien ist oft eine bewusste Entscheidung, keine Frage von Unwissenheit. Wenn man sein eigenes Leben als angenehm empfindet, warum soll ich dann Entscheidungen treffen, mit denen ich dieses angenehme Leben riskiere, indem ich mich dem Auf und Ab der Märkte aussetze? Anleger sind schlicht nicht bereit, für den Genuss einer Rendite dieses permanente Auf und Ab auszuhalten

Ist das eine Frage der Bildung?

Nein, in unseren Gruppendiskussionen zeichnen Diskutanten aller Bildungsschichten bei Aktien stets das Bild eines dramatischen Glücksspiels, bei dem man alles gewinnen oder alles verlieren kann. Es ist schwierig, diese Anlageform Menschen nahezubringen, die nicht von sich aus ein Interesse daran entwickeln.

Wie passt dieses Sicherheitsdenken dann zum Immobilienboom? Diese Entscheidung zählt doch zu den wichtigsten und riskantesten im Leben.

Das passt sogar sehr gut zusammen. Wenn jemand den Wunsch hat, dass die Dinge so bleiben sollen, wie sie sind, dann verfestigt eine eigene Immobilie genau das und senkt Abhängigkeiten. Man hat „etwas Festes“, Unbewegliches, im Wortsinn.

„Menschen trauen inzwischen weder den Banken noch dem Staat die nötige Kompetenz zu, Autorität oder Integrität zur Lösung der anstehenden wirtschaftlichen und demografischen Probleme zu haben“

Hans-Joachim Karopka

Aber auch Immobilienpreise schwanken.

Ja, aber die Preisfluktuation ist nicht so sichtbar. Überhaupt geht es nicht zwingend um Gewinn. In unseren Interviews hören wir oft, dass es noch um viel mehr geht als Wirtschaftlichkeitsrechnungen.

Sondern, um was dann?

Der Immobilienkäufer oder –bauherr will sich mit der Immobilie eine Art Denkmal setzen. Etwas, das bleibt, wenn ich nicht mehr bin. Man kann es sehen und anfassen. Das ist etwas ganz anderes als eine Aktie oder ein Fonds.

Spielt bei der Kapitalmarktskepsis das gesunkene Vertrauen in Banken eine Rolle?

Womöglich, aber keine entscheidende. Die kafkaeske Krisenpermanenz – Bankpleiten, Eurokrise, die Solvenz ganzer Staaten wackelt – vor allem in den Jahren seit der Finanzkrise 2008 trägt dazu bei, das Vorsorgethema lieber aufzuschieben. Menschen trauen inzwischen weder den Banken noch dem Staat die nötige Kompetenz zu, Autorität oder Integrität zur Lösung der anstehenden wirtschaftlichen und demografischen Probleme zu haben.