Christoph Bruns Warum der Dollar immer noch alle anderen Währungen überstrahlt

Christoph Bruns
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© Lyndon French
Wer geglaubt hat, der Euro könnte den Dollar irgendwann vom Sockel stoßen, sieht sich getäuscht. Der Greenback behauptet sich – und es wird immer deutlicher, dass der Euro keine zweite D-Mark ist.

Im Revier der Währungen bleibt der US-Dollar unangefochtener Platzhirsch. Wie in nahezu jeder Krise zieht der Greenback auch dieses Mal internationales Kapital an. Alle Versuche, der amerikanischen Landeswährung den Rang abzulaufen, sind bislang kläglich gescheitert. Auch die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung Euro im Jahr 1999 konnte die Position des Dollars nicht ernsthaft gefährden. Sollte es nach dem Platzen der überwiegend amerikanischen Dotcom-Kursblase, den Terroranschlägen vom 11. September 2001 oder der Subprimekrise 2008 eine Chance auf den Spitzenplatz für den Euro gegeben haben, so ist inzwischen klar geworden, dass der Euro dem Dollar nicht das Wasser reichen kann.

Es sind aber keineswegs nur die Zinsdifferenzen, die zur Flucht in den Dollar führen. Denn auch im Euroraum gibt es inzwischen Langfristzinsen, die den amerikanischen Sätzen nicht nachstehen. Die zehnjährigen Renditen italienischer Staatsanleihen liegen nur knapp unter ihren amerikanischen Pendants, während griechische Staatspapiere gleicher Laufzeit mittlerweile mit ca. 3,3 Prozent rentieren. Es dürfte eher eine Mischung aus politischer Stabilität, marktwirtschaftlicher Ausrichtung, Energiesicherheit, einigermaßen erfolgreicher Einwanderungspolitik, Marktgröße und weiteren geopolitischen Vorteilen sein, die den Dollar aktuell strahlend dastehen lassen.

Weniger blendend sieht im Vergleich zum Außenwert des Dollars sein Innenwert aus. Seit der Gründung der US-Notenbank Fed im Jahr 1913 hat der Dollar gut 96 Prozent seiner Kaufkraft durch Inflation eingebüßt. Zugleich ist er die Währung eines Landes, welches seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse lebt, indem es enorme und weiter wachsende Handels- und Budgetdefizite aufweist. Immerhin hat dieser Weg den Amerikanern deutlich mehr Wohlstand beschert als etwa den EU-Ländern.

Deutschland besaß einstmals ebenfalls eine starke und gefragte eigene Währung. Der Euro ist aber ungeachtet anderslautender Aussagen seiner Apologeten keine zweite D-Mark geworden. Seine Abwertung durch die EZB mag zwar Exportvorteile mit sich bringen, aber das Exportmodell selbst steht mittlerweile infrage. Der Import von Arbeitsplätzen durch Exportüberschüsse ist angesichts eines durch den demografischen Wandel bedingten strukturellen Fachkräftemangels obsolet geworden.

Eingedenk der zuletzt eingesetzten Neuorientierung auf manchen Politikfeldern wie beispielsweise Verteidigung und Energie sollte man sich in der Bundesrepublik fragen, ob das praktizierte Exportmodell mit hohem Industrieanteil noch zeitgemäß ist, zumal es obendrein im Widerspruch zur selbst auferlegten Klimapolitik steht. Vielleicht ist die Zeit bald gekommen, um sich ernsthaft mit den strukturellen Nachteilen Deutschlands (schlechte Demografie, teure Energie, hohe Steuer- und Abgabenlast, enorme staatliche Bürokratie, etc.) zu befassen.

Das seit vielen Jahren bereits schwache Wirtschaftswachstum ist jedenfalls ein Alarmzeichen. Der schwache Euro mit seinen Dauernullzinsen wird keine Rettung vor weiterem Siechtum bringen.


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