KolumneWarum Aktien eine neue Werbebotschaft brauchen

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Der ideale Investor ist die Ausnahme

Was aber ist überhaupt der Auslöser des jüngsten Alarms? Hinter uns liegt eine in dieser Hinsicht aufregende Woche, denn am Montag veröffentlichte die Bundesbank neue Zahlen, nach denen die reale Rendite der Bundesbürger auf ihr bereits vorhandenes Geldvermögen im ersten Quartal negativ gewesen sei. Daraus wurde vielerorts die knackige Interpretation, das Geldvermögen der Deutschen schrumpfe.

Das tut es nicht. Es wächst, jedes Quartal zwischen 15 und 80 Mrd. Euro, weil das Geldvermögen nicht nur aufgrund von Anlagen, sondern auch über das Einkommen steigt. Was minimal real schrumpfte, ist der Bestand. Die pikante Note ist zudem, dass der Bestand mit einer höheren Aktienquote noch stärker geschrumpft wäre, denn es waren – neben der höheren Inflation – vor allem Verluste an den Aktienmärkten, die im ersten Quartal die Gesamtrendite real gedämpft haben.

Und da wäre noch der vierte denkbare Grund, warum viele keine Lust auf Aktien haben: Weil sie in der Praxis durch Steuern, Gebühren, prozyklisches Verhalten und der Jagd nach Einzelwerte in der Vergangenheit schlicht nicht die Renditen erzielt haben, von denen bei Aktien immer die Rede ist. Da sind natürlich die Anleger – bei den unbestritten hohen Renditen von Aktien auf lange Sicht – selbst schuld. Aber der ideale Investor, der ein diversifiziertes Portfolio oder Fonds klug kauft und zehn Jahre und länger hält, ist nun mal eher die Ausnahme.

„Bild“ lag schon einmal daneben

Was folgt daraus? Vielleicht sollten sich Aktienlobbyisten und Finanzdienstleister allmählich einmal etwas anderes einfallen lassen, als die immer gleiche Platte mit der Melodie der verdeckten Anlegerbeschimpfung, der Nullzinsprobleme und der rentablen Aktien laufen zu lassen, die in der Praxis nur wenige Menschen tatsächlich abholt (und überdies in der Praxis oft eine freche Verkaufshilfe für überteuerte Mischfonds ist).

Und auch Anhänger der Stimmungsanalyse sollten sich die turbulente Woche in Sachen Geldvermögen merken. Es braucht durchaus Mut, Menschen, die bislang noch nicht in Aktien engagiert sind, Produkte zu empfehlen, die auf 50 bis 80 Prozent Aktienquote hinauslaufen – und das ganze noch als „Befehl“ im zehnten Jahr eines Superbullenmarkts zu verkaufen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die „Bild“ Lösungsvorschläge für die rentablere Anlage von Bargeld macht. Rückblick auf den Sommer 2011: Die Eurozone steckt in einer tiefen Krise, die Aktienmärkte taumeln, die Anleihen der Euro-Peripherie auch. Am 11. August 2011 trug dann auch die „Bild“ etwas zur Lage bei: Die komplette Titelseite war mit Goldbarren zugepflastert. Die „Bild“ verloste 100 Stück, denn der Goldpreis eilte von Rekordhoch zu Rekordhoch. Die Leser, schrieb sie, könnten gewinnen, was „besser als Bargeld“ sei, „krisensicher“ und „glänzt wie Ihr schönster Schmuck“.

Krisensicher und besser als Bargeld? Drei Wochen später erreichte der Goldpreis sein bisheriges Rekordhoch – und kollabierte anschließend.