RenteWann sich private Vorsorge für Selbstständige lohnt

Viele Selbstständige sorgen nur unzureichend fürs Alter vor
Viele Selbstständige sorgen nur unzureichend fürs Alter vorGetty Images

Wer in Deutschland fest angestellt ist, muss in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Daran führt kein Weg vorbei. Selbstständige haben in der Regel die freie Wahl. Sie müssen nicht in die gesetzliche Rentenversicherung eintreten und können stattdessen privat vorsorgen. Das lohnt sich aber selten.

Für Selbstständige kommt natürlich die Rürup-Rente infrage. Bei dieser staatlich geförderten Privatrente können Versicherte Beiträge bis zu einer Höhe von 24.305 Euro jährlich als Vorsorgeaufwendung zu 88 Prozent von der Steuer absetzen. Dennoch lohnt sich die Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung mehr, wie die Stiftung Warentest im Jahr 2017 ausgerechnet hat. Ein Selbstständiger, der im Jahr 2021 in Rente geht und die zehn Jahre davor noch jährlich 4000 Euro in die Deutsche Rentenversicherung einzahlt, erhält eine monatliche Rente von 171 Euro. Bei der Rürup-Rente wären es nur 116 Euro, bei einer privaten Rentenversicherung nur 115 Euro.

Umstrittene Sofortrente

Ein beliebtes Vorsorgeprodukt bei Selbstständigen ist auch die sogenannte Sofortrente. Das Konzept: Kunden zahlen einmal eine hohe Summe ein, zum Beispiel, wenn sie ihr Unternehmen verkauft haben, dafür gibt es dann eine lebenslange Rente. Doch ob sich die Sofortrente für die Versicherten wirtschaftlich rechnet, ist unter Experten umstritten. Denn solche Versicherungen sind immer auch eine Wette auf die Lebensdauer des Versicherten. Deutsche werden heute im Durchschnitt rund 80 Jahre alt. Die Versicherer rechnen sicherheitshalber mit einer höheren Lebenserwartung. Sprich: Die Summe, die die Versicherung dem Rentner im Monat auszahlt, ist entsprechend kleiner – das angesparte Kapital soll schließlich möglichst lange reichen. Wer nur 80 und nicht 90 wird, bekommt dann nur einen Teil dessen ausgezahlt, was er über die Jahre eingezahlt hat.

Auch andere private Rentenversicherungen sind aktuell kein gutes Geschäft: wegen der niedrigen Zinsen. Zudem geht ein Großteil des eingezahlten Geldes für Verwaltungskosten drauf. Ein weiteres Problem vieler Verträge ist laut Bund der Versicherten (BdV) die fehlende Flexibilität. Wer arbeitslos wird oder ein Kind bekommt und deshalb die Beiträge für einige Zeit ruhen lässt, muss meist auch eine geringere Rente hinnehmen. Mehr als die Hälfte aller Kunden kündigt ihre Versicherungen vor Renteneintritt, zeigen Zahlen des BdV – obwohl die Kündigung meist ein Verlustgeschäft ist.

Zwei Möglichkeiten bei der staatlichen Rentenversicherung

Einen Haken haben all diese Rechnungen allerdings. Sie gehen davon aus, dass die gesetzliche Rente in Zukunft nicht drastisch schrumpft. Wie viel Geld ein Rentner aber in 30 Jahren vom deutschen Staat bekommt, ist derzeit völlig unklar. Bei privaten Versicherern steht die Höhe der Rentenzahlungen direkt bei Vertragsabschluss fest. Steigen die Zinsen in den kommenden Jahren, können privat Versicherte zusätzlich sogar auf ein kleines Zinsplus hoffen.

Wer sich als Selbstständiger für die Deutsche Rentenversicherung entscheidet, hat zwei Möglichkeiten. Zum einen kann er sich freiwillig versichern. Der Vorteil: Der Versicherte entscheidet dabei selbst über die Höhe der Beiträge. Der derzeitige Mindestbeitrag liegt bei knapp 84 Euro pro Monat, der Höchstbeitrag bei rund 1246 Euro. Wer nur den Mindestbetrag einzahlt, kann allerdings keine hohen Rentenbezüge im Alter erwarten.

Die zweite Variante ist die sogenannte Versicherungspflicht auf Antrag. Selbstständige können sich in den ersten fünf Jahren ihrer Tätigkeit für diese Vorsorge-Variante entscheiden. Sie zahlen dann entweder den Regelbeitrag in Höhe von 579,39 Euro jährlich (neue Bundesländer: 533,82 Euro) oder lassen die Beitragshöhe anhand des Einkommenssteuerbescheids berechnen. Der entscheidende Vorteil der Pflichtversicherung für Selbstständige ist der Erwerbsminderungsschutz. Erleidet der Versicherte beispielsweise einen Unfall oder erkrankt und kann seinen Job nicht mehr ausführen, erhält er eine Rente vom Staat. Die gibt es für jeden Pflichtversicherte, der fünf Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat. Von diesen fünf Jahren muss er mindestens drei pflichtversichert gewesen sein. Wer lediglich freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt hat darauf keinen Anspruch. „Freiwillige Einzahler müssen stattdessen mit einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung vorsorgen“, sagt Gundula Sennewald von der Deutschen Rentenversicherung. „Dann zahlen sie letztlich doppelt.“