PleitefondsVorsicht vor dubiosen Anlegeranwälten!

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Auch Finanzberater interessieren sich inzwischen für das Geschäft mit der Abzocke. Der Hamburger Walter Riem* zeichnete vor Jahren bei seiner Bank geschlossene Fonds, die in Schieflage gerieten. Eines Tages meldete sich der Finanzberater Niels Brügmann bei ihm und vermittelte ihn an einen Anwalt. Der holte für Riem tatsächlich einen Teil des Geldes zurück. Danach aber überzeugte Brügmann Riem, stille Beteiligungen an der Hamburger Firma Targetum zu zeichnen.

Mit stillen Einlagen wird ein Anleger – ähnlich wie bei geschlossenen Fonds – Co-Eigner. Er erhält zwar hohe Zinsen, bei einer Pleite ist das Kapital aber oft weg. „Mein Mandant war so enttäuscht von seiner Bank, dass Brügmann ihn überzeugen konnte, das Geld sei woanders besser aufgehoben“, sagt Riems heutiger Anwalt, Nikolaus Herzog von Oldenburg.

Targetum erstellt etwa Analysen geschlossener Fonds, das Unternehmen wirbt mit dem Satz, „geschädigten Anlegern umfassende Unterstützung zukommen zu lassen“. Bei den eigenen Anlegern hielt sich die Hilfe in Grenzen: Die Targetum zahlte die stillen Beteiligungen nicht zurück, als sie fällig wurden. Von Oldenburg musste erst ein entsprechendes Urteil gegen das Unternehmen erstreiten. Weder Targetum noch Vermittler Brügmann reagierten auf Anfragen.

Ein neuer Versuch

Die Eheleute Wustrow kramen ein weiteres Schreiben hervor. Das Paar war irgendwann misstrauisch geworden, hatte PWB mehrfach angerufen und versucht, mit ihrem Anwalt zu sprechen. Immer hieß es, der Kollege sei außer Haus. „Aber so oft kann niemand auf Dienstreise sein“, sagt Marie Wustrow.

Im Internet stießen sie schließlich auf die Website eines Leipziger Anwalts, der über die Vorwürfe gegen PWB informiert. Jetzt merkte das Paar, dass es wahrscheinlich zum zweiten Mal reingefallen war. „Ich war wahnsinnig enttäuscht“, sagt Wustrow. Inzwischen haben die beiden aufgehört, die Raten an PWB zu zahlen. Dafür haben sie lange Briefe geschrieben, in denen sie ihre Enttäuschung kundtaten. Die Kanzlei hat mit Mahnungen geantwortet.

Kürzlich hat PWB wieder geschrieben, diesmal, um Klienten im Zuge des Abgasskandals zu werben. Pkw-Besitzer sollten sich melden: „Auch Sie können Anspruch auf Schadensersatz haben!“, stand in dem Brief, „Sie sollten diese Chance nutzen.“

*Namen von der Redaktion geändert