FondsVertrau keinem Fondsmanager! Oder doch?

Viele Anleger trennen sich zu schnell von ihren Fonds
Viele Anleger trennen sich zu schnell von ihren Fonds Getty Images

Die Beziehung zwischen dem Menschen und seinen Kapitalanlagen ist schwer zu beschreiben. Mögen wir sie nun, diese Finanzkonstrukte, und beschäftigen wir uns wirklich gerne mit ihnen? Oder sehen wir sie nur als notwendiges Übel und misstrauen ihnen eigentlich zutiefst? Oder glauben wir gar, wir wüssten stets ganz genau, was in ihnen vor sich geht und wohin sie steuern? Noch schwerer ist es, zu ergründen, mit welcher Kapitalanlage wir nun tatsächlich die gewinnträchtigste Verbindung eingehen werden. Zumindest im Voraus lässt sich das selten sagen. Eines dagegen ist klar, denn für die Fondsanlage und zwar insbesondere für die aktive gilt, was ein Grundsatz für jede menschliche Beziehung ist: Kontrolle ist gut, aber Vertrauen ist besser. Hätten Anleger den Märkten und ihren Fondsmanagern in den vergangenen Jahren mehr vertraut, dann hätten sie nämlich deutlich mehr Rendite einfahren können, als es ihnen wirklich gelungen ist. Und was in guten Aktienzeiten gilt, das gilt für die schlechten erst recht.

Diese Feststellung überrascht. Denn heißt es nicht gemeinhin, den Fondsmanagern sei nicht zu trauen? Wie oft lesen wir in Auswertungen, dass kaum einer der aktiven Verwalter in der Lage ist, den Markt zu schlagen und tatsächlich mehr Rendite zu erzielen als sein jeweiliger Vergleichsindex? Zumindest auf lange Zeit schaffen das die allerwenigsten. Nun, diese Feststellung stimmt auch und dennoch legen immer noch sehr viele Anleger mit aktiven Fonds an. Weil sie nämlich hoffen, ausgerechnet an jene Fondsmanager zu geraten, die es besser machen und den Markt sehr wohl schlagen. Das ist ein berechtigter Wunsch. Bezeichnenderweise aber erzielen diese Investoren am Ende noch weniger Rendite, als regelmäßig auf den Faktenblättern der Fondsverkäufer steht. Warum? Weil die Anleger denken, dass sie noch gewieftere Marktkenner seien als die Fondsmanager. Weil sie meist erst dann in einen Fonds einsteigen, wenn er schon ein paar Male weit oben in einer Fondstatistik aufgetaucht ist; weil sie sich dann von ihren Anteilen viel zu früh trennen und sie wieder abstoßen, sobald ein Fonds eine Weile nicht gut gelaufen ist; und weil sie den Beginn einer Marktrally sowieso regelmäßig verpassen.

Anleger wechseln zu schnell

Das passiert Ihnen nicht? Dann seien Sie mutig genug, in die Lücke zu schauen: Alljährlich lenkt die Ratingagentur Morningstar nämlich den Blick der Investoren auf die Renditelücke zwischen den durchschnittlichen Renditen, die Fondsmanager mit ihren Fonds erzielen – und jener Rendite, die Anleger tatsächlich mit genau diesen Investments einfahren. Das Verfahren dabei ist einfach: Die Analysten ermitteln nicht nur die Renditen der Fonds für bestimmte Zeitverläufe und bestimmte Marktsegmente (Aktienfonds, Länderfonds, Sektorfonds, Staatsanleihenfonds und Zielfonds), sondern sie schauen sich auch an, wann Anleger in solche Fonds eingezahlt haben und wann sie ihr Geld wieder daraus abzogen. Die erste Erkenntnis ist ernüchternd: Die durchschnittliche Haltedauer eines solchen Finanzprodukts lässt sich eher in Monaten messen als in Jahren.

Das ist umso erstaunlicher, als solche Fonds als echte Langfristanlagen konzipiert sind. Schließlich betonen Finanzwissenschaftler gebetsmühlenartig, dass sich breit gestreute Investments am Aktienmarkt für Privatsparer mit Sicherheit erst dann auszahlen, wenn sie zehn oder besser noch 15 Jahre gehalten werden. Vorher kann man einen Gewinn erzielen – man muss es aber längst nicht. Denn die Wahrscheinlichkeit, innerhalb weniger Jahre auch satte Verluste zu erzielen, ist hoch. Nach spätestens 15 Jahren aber hat sie sich so gut wie auf Null reduziert. Treue zahlt sich also aus.

Dennoch wälzen viele Investoren ihre Portfolios schon nach ein paar Monaten wieder um. Aber nicht, weil sie ihre Depots komplett auflösen, sondern nur, weil sie einzelne Papiere wieder abstoßen und sich neue zulegen. In Summe bleiben die meisten lange Zeit in Fonds investiert. Was sie mit dem Wechsel bewirken ist: Im Durchschnitt erzielten aktive Fonds – und das ist der Durchschnitt über alle Anlageklassen – innerhalb der vergangenen zehn Jahre eine Wertentwicklung von 5,5 Prozent pro Jahr. Das entspricht 55 Prozent Anlegerrendite, das klingt nicht schlecht. Die Fonds selber aber brachten es im Schnitt auf 5,8 Prozent Rendite im gleichen Zeitraum, also auf 0,3 Prozentpunkte mehr. Sieht man sich die Leistung nach Assetklassen an, wird die Lücke noch viel größer: Dann kommen die Investoren auf 5,5 Prozent jährliche Wertentwicklung, während die Fondsmanager mit den jeweiligen Anlageklassen im Schnitt 6,9 Prozent Rendite jährlich schaffen. Das sind 1,4 Prozentpunkte Differenz. Besonders groß ist die Lücke übrigens in der Einzelklasse der Staatsanleihenfonds. Da können Fondsmanager anscheinend erheblich mehr als Anleger es selber vermögen. Bei heimischen Aktien (in dem Fall waren es US-Aktien) betrug die Differenz immerhin 0,6 Prozentpunkte.

Das bedeutet für einen Anleger, der 10.000 Euro in Fondsanteile packt: Er kommt nach zehn Jahren im Schnitt auf ein Gesamtkapital von gut 17.000 Euro. Ein Fondsmanager hätte ihm dagegen in der gleichen Zeit aus den 10.000-Euro-Anteilen sogar 19.500 Euro erwirtschaften können, wenn er ihn gelassen hätte. Der Sparer verzichtet also im Schnitt auf 2500 Euro Rendite, weil er zwischen den Aktivfonds einer Klasse und auch zwischen den Anlageklassen häufiger mal wechselt. Das mag auf zehn Jahre gesehen noch nicht so schlimm ausfallen. Wenn man es aber mal auf 30 Jahre hochrechnet, dann fährt der Anleger nur 49.000 Euro ein, obwohl die durchschnittliche Fondsperformance bei 74.000 Euro gelegen hätte. Das sind knapp 25.000 Euro Mehrertrag, auf die Privatsparer nur deshalb verzichten, weil sie meinen, sie könnten besser anlegen als die Fondsmanager. Hätten sie rein passiv angelegt, wäre die Renditelücke übrigens sogar noch größer.

Nun beruhigt die Studie aber auch, dass Investoren in jüngster Zeit bessere Ergebnisse erzielt hätten als in den Jahren zuvor. Die Lücke zwischen Anlegerrendite und durchschnittlicher Fondsrendite sei kleiner als in den vergangenen Jahren. Sind wir also in unserer Marktkenntnis und Fondseinschätzung besser geworden? Mitnichten. Es liegt eher daran, dass der Markt seit nunmehr zehn Jahren stetig bergauf strebt. Je bulliger also die Kurse laufen, desto weniger hektisch handeln Privatanleger auch. Und umso besser fällt gewöhnlich auch die Anlegerperformance aus. Oder sagen wir mal: Umso mehr nähert sich die tatsächliche Portfoliorendite dem an, was Fondsmanager durch ihre Arbeit erzielen. Und genau das sollte für viele Sparer ein Warnzeichen sein, gerade jetzt.

Denn wenn die Kurse erst einmal wieder stärker schwanken – und vor allem sinken – dann bekommen Anleger es gewöhnlich gern mit der Angst zu tun. Dann verkaufen sie ihre Anteile wieder oder schichten gern hektisch ihre Depots um, von Aktienfonds in Rentenvehikel, von offensiven in defensive Fonds. So zumindest war es in der Vergangenheit. Dann aber greift wieder jene Schwäche, die Verhaltensökonomen so oft geißeln: Denn üblicherweise verkaufen Privatanleger nach Marktabstürzen zu spät und kaufen auch erst wieder neue Anteile, wenn sie sicher sind, dass eine neue Rally eingesetzt hat. Sprich: Wenn die Kurse die größten Steigerungen schon wieder hinter sich haben.

Langfristig solide Rendite

Die Studie soll nun nicht zum blinden Vertrauen verleiten. Denn eines entlarvte sie auch: In der Kategorie der Sektorfonds stellten sich die Anleger im Vergleich zum Gesamtdurchschnitt tatsächlich besser an als die Fondsmanager. Der Grund dafür war, dass es etliche äußerst schlecht performende Sektorfonds gab und jene Anleger, die aus diesen chronisch schlechten Fonds wieder ausstiegen tatsächlich geringere Verluste einfuhren als jene, die ihr Depot über sehr lange Zeit von ihnen in den Keller reißen ließen. Im Vergleich zur Gesamtrendite der jeweiligen Anlageklasse aber schnitten die Privatinvestoren dennoch deutlich schlechter ab. Gerade mit den Sektoren Technologie und Gesundheit konnten Fonds nämlich in den vergangenen zehn Jahren Renditen von 12 oder 13 Prozent pro Jahr einfahren, belegen die Analystenauswertungen. Wer also nicht nur auf diese Sektoren setzt, sondern auch einen guten Fonds erwischte, für den waren gerade hier enorme Gewinne drin.

Aus all dem lässt sich nun eines ableiten: Wer sich für einen aktiven Fonds entscheidet, der sollte lieber mehr Zeit in die Suche nach einem wirklich guten Fonds investieren – als in die ständige Kontrolle und Optimierung seines Depots. Und solche Fonds sind meist nicht jene, die ein paar Jahre in den Fondstatistiken oben stehen, weil sie kurzfristig enorme Überrenditen erzielen. Denn die ist meist mit großen Risiken erkauft und nach ein paar Jahren häufig schon wieder Geschichte. Sondern es sind jene, die sehr langfristig eine solide Rendite erzielen, die zumindest nah am Index liegt oder sogar darüber. Und denen gilt es dann auch langfristig die Treue zu halten. Dann machen sich die Aufwendungen, die man beim Aktivfonds für einen Fondsmanager ausgibt, auch besser bezahlt, weil am Ende mehr rausspringt als beim ständige Umschichten des Depots. Kontrolle ist gut. Aber Vertrauen ist noch besser.