FondsVertrau keinem Fondsmanager! Oder doch?

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Das bedeutet für einen Anleger, der 10.000 Euro in Fondsanteile packt: Er kommt nach zehn Jahren im Schnitt auf ein Gesamtkapital von gut 17.000 Euro. Ein Fondsmanager hätte ihm dagegen in der gleichen Zeit aus den 10.000-Euro-Anteilen sogar 19.500 Euro erwirtschaften können, wenn er ihn gelassen hätte. Der Sparer verzichtet also im Schnitt auf 2500 Euro Rendite, weil er zwischen den Aktivfonds einer Klasse und auch zwischen den Anlageklassen häufiger mal wechselt. Das mag auf zehn Jahre gesehen noch nicht so schlimm ausfallen. Wenn man es aber mal auf 30 Jahre hochrechnet, dann fährt der Anleger nur 49.000 Euro ein, obwohl die durchschnittliche Fondsperformance bei 74.000 Euro gelegen hätte. Das sind knapp 25.000 Euro Mehrertrag, auf die Privatsparer nur deshalb verzichten, weil sie meinen, sie könnten besser anlegen als die Fondsmanager. Hätten sie rein passiv angelegt, wäre die Renditelücke übrigens sogar noch größer.

Nun beruhigt die Studie aber auch, dass Investoren in jüngster Zeit bessere Ergebnisse erzielt hätten als in den Jahren zuvor. Die Lücke zwischen Anlegerrendite und durchschnittlicher Fondsrendite sei kleiner als in den vergangenen Jahren. Sind wir also in unserer Marktkenntnis und Fondseinschätzung besser geworden? Mitnichten. Es liegt eher daran, dass der Markt seit nunmehr zehn Jahren stetig bergauf strebt. Je bulliger also die Kurse laufen, desto weniger hektisch handeln Privatanleger auch. Und umso besser fällt gewöhnlich auch die Anlegerperformance aus. Oder sagen wir mal: Umso mehr nähert sich die tatsächliche Portfoliorendite dem an, was Fondsmanager durch ihre Arbeit erzielen. Und genau das sollte für viele Sparer ein Warnzeichen sein, gerade jetzt.

Denn wenn die Kurse erst einmal wieder stärker schwanken – und vor allem sinken – dann bekommen Anleger es gewöhnlich gern mit der Angst zu tun. Dann verkaufen sie ihre Anteile wieder oder schichten gern hektisch ihre Depots um, von Aktienfonds in Rentenvehikel, von offensiven in defensive Fonds. So zumindest war es in der Vergangenheit. Dann aber greift wieder jene Schwäche, die Verhaltensökonomen so oft geißeln: Denn üblicherweise verkaufen Privatanleger nach Marktabstürzen zu spät und kaufen auch erst wieder neue Anteile, wenn sie sicher sind, dass eine neue Rally eingesetzt hat. Sprich: Wenn die Kurse die größten Steigerungen schon wieder hinter sich haben.

Langfristig solide Rendite

Die Studie soll nun nicht zum blinden Vertrauen verleiten. Denn eines entlarvte sie auch: In der Kategorie der Sektorfonds stellten sich die Anleger im Vergleich zum Gesamtdurchschnitt tatsächlich besser an als die Fondsmanager. Der Grund dafür war, dass es etliche äußerst schlecht performende Sektorfonds gab und jene Anleger, die aus diesen chronisch schlechten Fonds wieder ausstiegen tatsächlich geringere Verluste einfuhren als jene, die ihr Depot über sehr lange Zeit von ihnen in den Keller reißen ließen. Im Vergleich zur Gesamtrendite der jeweiligen Anlageklasse aber schnitten die Privatinvestoren dennoch deutlich schlechter ab. Gerade mit den Sektoren Technologie und Gesundheit konnten Fonds nämlich in den vergangenen zehn Jahren Renditen von 12 oder 13 Prozent pro Jahr einfahren, belegen die Analystenauswertungen. Wer also nicht nur auf diese Sektoren setzt, sondern auch einen guten Fonds erwischte, für den waren gerade hier enorme Gewinne drin.

Aus all dem lässt sich nun eines ableiten: Wer sich für einen aktiven Fonds entscheidet, der sollte lieber mehr Zeit in die Suche nach einem wirklich guten Fonds investieren – als in die ständige Kontrolle und Optimierung seines Depots. Und solche Fonds sind meist nicht jene, die ein paar Jahre in den Fondstatistiken oben stehen, weil sie kurzfristig enorme Überrenditen erzielen. Denn die ist meist mit großen Risiken erkauft und nach ein paar Jahren häufig schon wieder Geschichte. Sondern es sind jene, die sehr langfristig eine solide Rendite erzielen, die zumindest nah am Index liegt oder sogar darüber. Und denen gilt es dann auch langfristig die Treue zu halten. Dann machen sich die Aufwendungen, die man beim Aktivfonds für einen Fondsmanager ausgibt, auch besser bezahlt, weil am Ende mehr rausspringt als beim ständige Umschichten des Depots. Kontrolle ist gut. Aber Vertrauen ist noch besser.