SparenWie man am besten für Kinder spart

Wie spart man am besten für den Nachwuchs?
Wie spart man am besten für den Nachwuchs?Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Es gibt eine Vorstellung, bei der Katrin Mester und ihrem Mann Michael immer ganz schwummerig wird. Es ist ihr „kleiner Albtraum“, so nennen sie das, und für Außenstehende klingt er vielleicht ein bisschen komisch. Aber sie malen sich dabei aus, dass ihre quirlige Tochter Lea ihnen als junge Frau eines Tages eröffnet, dass sie an einer internationalen Eliteuniversität studieren möchte, Quantenphysik oder Jura in Harvard oder so etwas. Eben an einer dieser Universitäten, wo das Studienjahr rund 50.000 Euro kostet, ohne Miete und Essen.

Das wäre ungefähr so viel, wie sie momentan beide netto zusammen verdienen. Aber damit müssen jetzt drei Personen auskommen. Bisher haben sich die Verwaltungsangestellte und ihr Mann, der Techniker ist, geschworen, alles für Lea zu tun. Aber allzu hochtrabende Wünsche können sie ihr als Normalverdiener später nicht erfüllen, das ist ihnen klar. Das knabbert schon ein bisschen an ihrem Ego.

Bringt klassisches Sparen für Kinder noch etwas?

Deswegen wünschen sie sich zwar, dass Lea später voll durchstartet, aber Harvard muss es vielleicht doch nicht sein. Im Gegenzug wollen sie selber kräftig sparen und monatlich Geld zurücklegen, damit sie für all die anderen Ausgaben gewappnet sind. Für teure Sporthobbys oder Musikinstrumente, für den Führerschein oder ein Austauschjahr im Ausland. Wer weiß, was Lea noch so einfällt. Auch die Großeltern würden größere Anschaffungen spendabel mitfinanzieren, sagen sie oft.

Nur an einer Frage scheitern bisher alle: Wie und wo vermehren sie das Geld bis dahin am besten? Spar- und Tagesgeldkonten werfen längst keine Zinsen mehr ab, das lesen sie ja überall. Bringt klassisches Sparen also überhaupt noch etwas? Die Großeltern überlegen, eines dieser Angebote anzunehmen, das ihnen Banken angepriesen haben: Es gibt etliche Kinderkonten und Sparpläne mit niedlichen Comichelden-Namen, die sind doch speziell für so etwas gemacht, oder?

Um Eltern und Großeltern Orientierung bei der Geldanlage für den Nachwuchs zu geben, hat Capital einen kleinen Wegweiser zusammengestellt. Folgen Sie ihm jetzt einfach Frage für Frage.

Mit welchem Ziel wird gespart?

Auch wenn es komisch klingt, aber tatsächlich sollten die Erwachsenen erst einmal an sich denken statt an spezielle Finanzprodukte für Kinder. Vor allem sollten sie wie große Menschen denken und sich nicht von Comicnamen oder Juniordepots ködern lassen.

Die wichtigste Frage beim Sparen für Kinder lautet nämlich: Mit welchem Ziel wird gespart? Den meisten Eltern geht es gar nicht darum, eine bestimmte Summe für die erste große Anschaffung des Kindes zusammenzubekommen oder gar den Betrag für die Ausbildung anzuhäufen. Denn niemand weiß, wie sich ein Kind entwickelt und was in den kommenden Jahren noch auf die Eltern selbst zukommt. Vielleicht vergrößert sich die Familie um ein weiteres Kind? Vielleicht ändern sich langfristig die Arbeitszeiten und damit das Einkommen? Oder es steht ein Umzug oder ein größeres Auto an? Vielleicht verschlingt auch die Betreuung mehr als gedacht.

Oft sparen Eltern eher, um selbst für Eventualitäten gewappnet zu sein und all die großen Ausgaben zu stemmen, die kommen können. Es hilft also, erst einmal den eigenen Antrieb zu ergründen, um die richtige Form für das Sparen für Kinder zu finden: Wer tatsächlich einen bestimmten Betrag in einer festen Laufzeit – etwa bis zur Volljährigkeit – zusammenbekommen möchte, muss ganz andere Produkte wählen. Hier kommt zum Beispiel das Zielsparen infrage. Dagegen kann jemand, der dauerhaft so viel wie möglich zurücklegen möchte, viel freiere und damit renditeorientiertere Produkte wählen. Generell aber sollten junge Familien ohnehin zusehen, dass sie vor allem flexibel bleiben, das ist wichtig.

Deswegen sind die allermeisten starren Verträge für sie nichts, das gilt vor allem für Bausparverträge, die praktisch keine Zinsen abwerfen und sich ohnehin kaum noch für die Finanzierung einer Immobilie empfehlen (im Übrigen: Wer weiß schon, ob der Nachwuchs später wirklich vom Eigenheim träumt?). Und dies gilt noch viel stärker für Ausbildungsversicherungen, die im Grunde Kapitallebensversicherungen sind, die den Nachwuchs gegen den vorzeitigen Tod der Eltern finanziell absichern sollen. Am Ende der Laufzeit soll dann eine bestimmte Summe herauskommen, die die Ausbildung finanziert.

Von solchen Versprechen lassen sich vor allem Großeltern und extrem sicherheitsbewusste Eltern locken. Den wenigsten ist aber klar, dass sie sich damit für extrem lange Zeit auf fixe Beiträge festlegen. Anpassen oder vorzeitig auflösen lassen sich solche Verträge oft nicht oder nur mit großen Verlusten. Die Kosten dieser Versicherungen sind überdies enorm und die Renditen winzig. Verbraucherschützer finden: Solche Verträge braucht kein Mensch, weder ein großer noch ein kleiner. Auf die sichere Art lässt sich Sparen für Kinder auch anders bewerkstelligen.

Für wen wird gespart?

Na, fürs Kind natürlich, das ist schon klar. Aber die entscheidende Frage ist: Soll das Geld später exklusiv dem Nachwuchs zur Verfügung stehen – oder notfalls auch den Eltern und der gesamten Familie einen Puffer verschaffen, wenn es mal eng wird? Davon hängt einiges ab beim Sparen für Kinder.

Oft hört man den Ratschlag, dass Eltern oder Großeltern das Geld auf den Namen des Kindes anlegen sollten, um selbst Steuern zu sparen. Kinder genießen nämlich ebenfalls hohe Freibeträge und dürfen pro Jahr Kapitalerträge von 9000 Euro einstreichen, ohne darauf Abzüge zahlen zu müssen. Inklusive Sparer- und Sonderausgabenpauschbetrag sind sogar 9837 Euro steuerfrei.

Aber: Legen Erwachsene ein Konto oder Depot auf den Namen des Kindes an statt auf ihren eigenen, dürfen sie das Geld selbst auch nicht antasten oder Vorteile daraus ziehen. Wollen sie später zum Beispiel ein Haus kaufen, dürfen sie das Geld nicht als Eigenkapital einsetzen. Und sobald der Nachwuchs 18 ist, kann er damit -machen, was er will. Ab einer gewissen Höhe kann das Kapital zudem verhindern, dass das Kind BAföG bekommt, und wenn die Erträge höher sind als 5100 Euro im Jahr, kann man Kinder auch nicht mehr kostenlos in der gesetzlichen Krankenkasse mitversichern. Klüger ist es, das Konto im eigenen Namen zu eröffnen, es aber nach dem Kind zu benennen, das sorgt für klare Verhältnisse.

Wie viel wird gespart?

Große Beträge sind es anfangs meist nicht, die monatlich übrig sind. Macht aber nichts, denn der Haupttrick, damit sie einmal groß werden, liegt einzig darin, früh mit dem Sparen für Kinder anzufangen und konsequent dranzubleiben. Zudem päppeln kleine Finanzspritzen von den Großeltern zum Geburtstag oder zu Weihnachten das Kapital schnell auf.

Angenommen, man legt 50 Euro im Monat zur Seite, werden daraus in 18 Jahren – auch ganz ohne Zinsen – schon 10.800 Euro, nach 20 Jahren 12.000 Euro. Schafft man es, das Geld über 20 Jahre mit nur zwei Prozent zu verzinsen, werden daraus sogar 14.700 Euro. Wenn man 100 Euro sparen kann, kommen knapp 30.000 Euro zusammen, und wer es schafft, das Kindergeld monatlich auf ein Extrakonto zu überweisen, also knapp 200 Euro, der kann dem volljährigen Sprössling satte 45.000 Euro mitgeben, selbst wenn er das Geld bloß auf einem ordinären Tagesgeldkonto geparkt hat. Holt man dann noch zwei Prozent Zinsen raus, kommt man auf 52.000 Euro Startkapital. Und das muss längst noch nicht alles sein, was für Sparer drin ist. Die spannende Frage ist nun natürlich: Wo bekommt man überhaupt noch ordentliche Erträge?

Womit wird gespart?

Für kleines Geld — Wenn es um sehr kleine Summen geht oder darum, Kinder zum Selbersparen anzuregen, die schon etwas größer sind, dann eignen sich tatsächlich manche Kindersparkonten. Sparkassen nennen sie gern Mäusekonten. Sie laufen auf den Namen des Kindes, aber man sollte sie auch nicht zu üppig bestücken. Denn bei der Hamburger Sparkasse gibt es zwar drei Prozent Zinsen fürs Mäusekonto, allerdings nur bis 500 Euro. Alles darüber wird kaum noch verzinst (0,03 Prozent). Wer mehr ansammeln will, sollte für den Rest ein Extrakonto anlegen. Dann aber eher kein spezielles Kindertagesgeldkonto auf den Namen des Kindes, die es bei manchen Direktbanken gibt. Denn dort bekommen junge Sparer zwar 0,5 oder 0,6 Prozent Zinsen. Legt man aber als Erwachsener ein neues Tagesgeldkonto an, kann man durchaus 0,75 bis 0,8 Prozent bei etablierten Banken einsacken.

Mittelgroße Beträge — Ist schon etwas Startkapital da, etwa aus Geschenken zur Taufe oder weil Großeltern und Verwandte zum Geburtstag oder zu Weihnachten spendabel waren, dann bietet sich für Sicherheitsbewusste auch ein Festgeldkonto an. Dort kann man das Geld zwischen einem Jahr und zehn Jahren sicher parken – es ist dann aber auch bei kurzfristigen Engpässen nicht verfügbar. Dafür kann man sicher sein, dass am Ende das Grundkapital plus Zinsen herauskommt. Im Bestfall gibt es zurzeit 1,35 bis zwei Prozent Zinsen. So können aus 5000 Euro in zehn Jahren schon fast 6000 Euro werden. Aber passen Sie auf, dass die Bank, die das Geld verwahrt, eine gute Bonität hat und eine umfassende Einlagensicherung gewährleistet.

Wer mutiger ist, kann das Geld auch etwa hälftig (zum Beispiel zu 40 Prozent) in einen Fonds schichten. Dazu sollte man aber sicher sein, dass man den Anteil, der im Fonds steckt, in den nächsten Jahren nicht benötigt. Denn erst wenn das Kapital einige Jahre in Ruhe vor sich hin arbeiten kann, wirft es recht stabile Erträge ab, weil es gelegentliche Kursstürze auf Dauer ausgleichen kann.

Mit einem Indexfonds auf den Aktienindex MSCI World etwa kamen Sparer laut langfristigen Berechnungen von Finanzexperten auf Fünfjahressicht – im Gesamtzeitraum von 1975 bis 2017 und bei der Verteilung: 60 Prozent Festgeld, 40 Prozent Aktienfonds – auf eine durchschnittliche Rendite von 6,5 Prozent. Investierten sie komplett in den Aktienfonds, erzielten sie sogar 9,1 Prozent Rendite. Für Letzteres allerdings müssen Eltern schon gute Nerven haben oder sich notfalls so auf das Kind konzentrieren, dass sie mögliche Kurseinbrüche an den Aktienmärkten gar nicht erst mitbekommen.

Das große Geld — Bei den allermeisten Familien wird es aber darum gehen, hartnäckig zu sparen, um in 15 oder 20 Jahren einen großen Betrag zu haben. Wie also macht man das monatlich am besten? Auch hier gibt es eine sehr vorsichtige, eine ausgewogene und eine wagemutigere Variante.

Die Vorsichtigen nutzen einen Ansparplan von der Bank. Die werfen zurzeit bei einer Sparrate von 50 oder 100 Euro und einer Laufzeit von sieben oder 15 Jahren bis zu 1,2 Prozent Zinsen ab (bei der Deutschen Bank etwa). Macht knapp 20.000 Euro Endguthaben nach 15 Jahren, davon lässt sich schon mal ein Jahr im Ausland finanzieren oder die Wohnungsmiete während der Ausbildung.

Wer dynamischer, aber dennoch defensiv unterwegs ist, sollte sich mit einem Sparplan auf einen Zielfonds beschäftigen: Solche Fonds haben eine feste Laufzeit, also das Jahr 2025 oder 2030 als Ablaufdatum. Und sie sind aktive Mischfonds oder Dachfonds, die unterschiedliche Arten von Wertpapieren mixen. Anfangs investieren sie zu 100 Prozent in Aktien, je näher das Laufzeitende rückt, desto stärker schichten sie aber in sichere Papiere wie Anleihen und Festverzinser um, damit Gewinne nicht kurz vor Schluss durch einen Marktsturz verloren gehen. Bisweilen geben sie auch Garantien, versprechen also, dass mindestens das eingesetzte Kapital am Ende herauskommt oder sogar zwei Prozent Rendite pro Jahr. Solche Garantien gehen natürlich zu Lasten der Rendite – und ganz billig sind solche Fonds auch nicht. Mit rund zwei Prozent laufenden Kosten plus Ausgabeaufschlag müssen Anleger rechnen. Gute Exemplare, etwa von Fidelity oder Deka, brachten aber auf Fünfjahressicht zuletzt 60 Prozent Rendite. Das waren immerhin zwölf Prozent jährlich. Das werden sie vermutlich keine 20 Jahre durchhalten, aber es ist eine beachtliche Leistung.

Und für ganz ambitionierte Anleger gibt es die passiven Aktienfonds, die sich für das Sparen für Kinder sehr gut eignen. Denn wer in solche Sparpläne monatlich 50, 100 oder 200 Euro steckt, bis der Sohn oder die Tochter volljährig ist, der hat vor allem eines: viel Zeit, um Marktschwankungen auszusitzen und die Rendite zu maximieren.

Wichtig ist aber, dass man schon zwei, drei Jahre, bevor der Nachwuchs flügge wird, die Börse beobachtet. Nicht dass pünktlich zum 18. Geburtstag der Markt crasht und die ganzen Gewinne dahin sind. Dann hieße es: weitersparen, bis die Delle ausgeglichen ist. Oder es machen wie die Zielfonds und schon vorher stückweise aufs sichere Tagesgeldkonto umschichten. Was statistisch gesehen herauskäme, wenn man das Kindergeld 18 Jahre lang in so einen ETF steckte? Mit rund sieben Prozent Rendite pro Jahr (nach Kosten) konnten Anleger zuletzt rechnen, sagt der Fondsverband BVI. Wer vor 18 Jahren auf die Welt kam, hätte jetzt 84.700 Euro auf dem Konto, trotz zweier böser Aktiencrashs. Vorausgesetzt, die Eltern haben die Nerven behalten.