SparkontoVergessene Konten: Was passiert mit dem Geld?

Blaues Sparbuch
Noch immer schlummert viel Geld auf Sparbücherndpa

Manch einer dürfte diese Situation kennen: Beim Unterlagen sortieren taucht ein altes Sparbuch auf. Der Besitzer ist verstorben, laut dem letzten Eintrag liegt aber noch Geld auf dem Sparkonto. Solche vergessenen Konten gibt es in Deutschland zuhauf – allein bei der Berliner Sparkasse sind es mehr als 60.000. Banker stufen Konten als „nachrichtenlos“ ein, wenn sie seit mindestens 30 Jahren keinen Kontakt mehr zum Besitzer haben und es ebenso lange keine Umsätze mehr gab. Allein auf den nachrichtenlosen Berliner Sparkonten schlummern rund 4,8 Mio. Euro.

Wie viel Geld insgesamt auf deutschen Sparkonten schlummert, weiß niemand. Experten schätzen, dass es 2 bis 9 Mrd. Euro sind. Viel Geld, das ungenutzt auf der Bank liegt – und das die Kreditinstitute nicht einfach einstreichen dürfen, nicht einmal nach Jahrzehnten. Das liegt an einer Eigenart von Sparkonten: „Sparbücher sind Urkunden, die einen Zahlungsanspruch gegen das Kreditinstitut verbriefen“, erklärt Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Im Klartext heißt das: Wer ein Sparbuch in Händen hält, hat Anspruch auf das Geld – egal, ob er der rechtmäßige Erbe des ursprünglichen Besitzers ist oder nicht. Der Sparbuch-Inhaber muss bei der Bank nicht einmal eine Sterbeurkunde oder einen Erbschein vorlegen.

Wer’s findet, darf’s behalten

„Solange keiner das Sparkonto gekündigt hat, kann sich der Antragssteller das Geld jederzeit auszahlen lassen“, erklärt Nauhauser. Ganz nach dem Prinzip: Wer’s findet, darf’s behalten – und zwar inklusive der Zinsen, die seit dem Tod des ursprünglichen Besitzers aufgelaufen sind, aber abzüglich der angefallenen Kontoführungsgebühren. Offiziell müssen Banken das Geld auf vergessenen Konten nach 30 Jahren gegenüber dem Finanzamt als Gewinn verbuchen. Legt jemand nach dieser Frist ein Sparbuch vor, müssen sie das Guthaben aber trotzdem auszahlen.

Wenn Hinterbliebene vergessene Spareinlagen bei einer Bank vermuten, aber keine Dokumente dazu finden, können sie eine Anfrage beim jeweiligen Institut stellen. Achtung: Spüren sie ein Girokonto statt eines Sparkontos auf, müssen sie das Testament des Verstorbenen bei der Bank vorlegen, um das Geld ausgezahlt zu bekommen. Der Antragssteller muss darin als Erbe benannt sein. Gibt es kein eindeutiges Testament, etwa weil die gesetzliche Erbfolge greift, müssen Hinterbliebene einen Erbschein vorlegen.

Da in Deutschland so viel Geld auf vergessenen Konten liegt, fordern Sozialunternehmer des Vereins Social Entrepreneurship Network Deutschland sowie Teile der FDP, sich ein Beispiel an den Briten zu nehmen. Ist dort ein Konto seit 15 Jahren nachrichtenlos, buchen Kreditinstitute das Geld auf eine Förderbank um, wo es sozialen Zwecken zugutekommt. In Großbritannien ist es allerdings deutlicher einfacher als in Deutschland, Konten Verstorbener ausfindig zu machen. Angehörige oder Bekannte können eine kostenlose Suchanfrage an ein zentrales Melderegister stellen. Deutsche Hinterbliebene hingegen müssen im Zweifel mehrere Banken anfragen – und das kann teuer werden. Denn für den Nachforschungsservice dürfen die Institute Gebühren berechnen.