GeldanlageVerbriefungen - nichts gelernt aus 2008

Zentrale der Hypo Real Estate
Die HRE war das Sinnbild der Finanzkrise in Deutschland: Sie musste mit staatlicher Hilfe gerettet werdenGetty Images

Das Gedächtnis des Menschen ist kurz. An die wenigsten Dinge kann er sich ein Leben lang erinnern, an die meisten jedoch nur für ein paar Jahre. Das gilt für Menschen insgesamt, aber umso mehr für diejenigen, die in der Finanzbranche arbeiten. Die Halbwertzeit des Wissens in der Finanzbranche liegt demnach bei deutlich unter zehn Jahren. Diesen Eindruck hat man zumindest bei den Nachrichten, die dieser Tage aus Brüssel und Washington kommen: Dort schicken sich die Politiker der Vereinigten Staaten von Amerika und der vereinten Staaten von Europa an, die Regeln für Verbriefungen zu ändern. Diese Finanzprodukte nämlich seien deutlich zu streng reguliert. Sie müssten wieder einfacher gemacht und häufiger unters Volk gebracht werden. Verbriefungen, erinnert sich vielleicht der eine oder andere dunkel, waren jene Papiere, die vor ziemlich genau zehn Jahren die Weltfinanzkrise auslösten.

Damals nämlich hatten Banken massenhaft Hauskredite zu großen Bündeln zusammengeschnürt, gute wie schlechte, sichere wie extrem ausfallgefährdete und sie in bunten Paketen untereinander mehrfach weiterverkauft. So lange, bis niemand der Käufer noch ansatzweise ahnte, was wirklich darin steckte. So in etwa könnte man die Gepflogenheiten von damals vereinfacht zusammenfassen. Und ein wenig erinnert diese Praxis an den Hütchenspielertrick, bei dem viele Nussschalen so oft hin und hergeschoben werden, bis niemand mehr weiß, unter welcher von ihnen die Erbse liegt.

Dann platzte die Blase am amerikanischen Immobilienmarkt, die Hauspreise donnerten in den Keller und viele der Kreditnehmer konnten ihre Kredite nicht mehr bedienen, weil denen plötzlich kein steigender oder fester Wert gegenüberstand. Denn in Amerika ist das geforderte Eigenkapital der Hauskäufer gering und die Rückzahlraten von Darlehen sind nicht fix, wie üblicherweise bei uns, sondern passen sich an die aktuelle Marktsituation an. Das Ergebnis waren viele geplatzte Kredite und Banken, die panisch versuchten, ihre Verbriefungen wieder loszuwerden. Das prügelte nicht nur deren Preise in den Keller, sondern schlug sich auch recht zügig in den Bankbilanzen nieder und riss die Kurse vieler Wertpapiere mit in den Abgrund. Bis schließlich der Markt beinahe zusammenbrach, weil alle gleichzeitig Liquidität brauchten, aber niemand mehr die ehemals so teuer gehandelten Wertpapiere haben wollte. Das Ergebnis war die weltweite Finanz- und anschließende Wirtschaftskrise. In Europa folgte noch die Staatsschulden- und Eurokrise.

USA wollen bei Verbriefungen einen Schritt zurückgehen

All das ist nun zehn Jahre her, die Regulierungsbehörden haben die Regeln für de Verbriefung von Wertpapieren geändert – und was passiert jetzt? Zuerst beklagte sich der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin in einem Strategiepapier darüber, dass die Regulierung viel zu weit gegangen sei. Verbriefungen seien benachteiligt gegenüber anderen klassischen Bereichen des Kapitalmarkts – wie dem traditionellen Einlagengeschäft – es müsste ihnen daher wieder zu mehr Attraktivität verholfen werden. Das Spezialrezept dazu soll sein: Verbriefungen sollen mit weniger Eigenkapital unterlegt werden. Das heißt im Klartext: Banken, die solche Papiere halten, müssen bislang 50 Prozent des Kapitals als Risikoaufschlag vorrätig halten, um eventuelle Wertverluste abpuffern zu können. Künftig, so will es der Finanzminister nun, soll es erheblich weniger sein.

Denn Mnuchin stört, dass gewagtere Darlehen auch üppiger abgesichert werden müssen. Schließlich seien Verbriefungen ja Wertpapiere, die man notfalls liquidieren könne. Deshalb müsse man sie rehabilitieren. Es scheint ihm entfallen zu sein, dass gerade das in der Krise nicht möglich war, nämlich das liquidieren. Oder dass es zumindest nur mit horrenden Verlusten möglich war, weil sich alle Banken gleichzeitig von diesen Papieren trennten. Wie er das künftig verhindern will, sagt er nicht. Er ist aber auch nicht der Einzige, dem hohe Absicherungen für gewagte Wertpapiere widerstreben.