AktienSubstanz schlägt Wachstum

In den vergangenen Jahren konnten Aktienanleger mit Wachstumstiteln ansehnliche Renditen erzielen, Substanzwerte schnitten dagegen schlecht ab. Nun hat sich die Lage gedreht. Unter Substanzwerten oder Value-Aktien versteht man Aktien solcher Unternehmen, die zwar kein fulminantes Wachstum erwarten lassen, aber solide und gut geführt sind. Value-Investoren suchen nach Titeln, die unterbewertet sind, also den Wert des dahinterstehenden Unternehmens nur unzureichend widerspiegeln. „Die Chancen für eine Trendwende hin zu Value-Titeln stehen gut“, sagt John Bennett, Fondsmanager bei Henderson Global Investors.

Ein Blick ins vergangene Jahr zeigt, dass das Comeback der Substanzwerte womöglich schon in vollem Gange ist. Der Aktienindex MSCI ACWI Value stieg 2016 um 12,6 Prozent, vor allem im vierten Quartal legte er kräftig zu. Der Index MSCI ACWI Growth kletterte dagegen auf Jahressicht nur um 3,3 Prozent. Immer mehr Anleger springen mittlerweile auf den Value-Trend auf. Zum Beispiel Jens Ehrhardt, Fondsmanager bei der Investmentboutique DJE Kapital: Er geht davon aus, dass 2017 ein starkes Jahr für Substanzwerte wird, und hat sein Portfolio entsprechend ausgerichtet.

Value-Aktien als Stabilitätsanker

Hauptgrund für die gute Entwicklung von Value-Aktien ist die Sorge vor Schwankungen an den Aktienmärkten. Noch befinden sich die Börsen zwar in einem Aufwärtstrend, vor allem an der Wall Street geht es seit Monaten steil nach oben. Immer mehr Marktbeobachter fürchten aber, dass Donald Trumps protektionistische Wirtschaftspolitik sowohl die US-Wirtschaft als auch den Welthandel belasten wird. Sollten die Aktienmärkte volatiler werden, würden Value-Aktien als Stabilitätsanker dienen. Ihre Kurse schwanken in der Regel weniger heftig als die von Growth-Titeln.

Der Trend zu Value macht auch vor den Schwellenländern nicht Halt. Dort steht er allerdings unter anderen Vorzeichen als in den Industriestaaten. „Qualitätsunternehmen in den Emerging Markets befinden sich oft in staatlicher Hand. Weil viele Schwellenländer verstärkt Reformen angehen, dürften die Gewinne dieser Unternehmen bald steigen, und ihre Aktienkurse ebenfalls“, erklärt Hilde Jenssen, Head of Specialists beim norwegischen Investmenthaus Skagen Funds.

Auch in den Schwellenländer sind Substanzwerte gefragt

Auch der britische Fondsanbieter M&G Investments geht davon aus, dass Schwellenländerinvestoren im laufenden Jahr verstärkt zu Value-Aktien greifen und damit deren Kurse in die Höhe treiben werden. Viele Unternehmen in den Emerging Markets fokussierten sich mittlerweile wieder stärker auf Gewinne als auf Wachstum, sagt Fondsmanager Matthew Vaight. Das sorge bei Value-Investoren für Optimismus.

Auch wenn Substanzwerte nach Einschätzung von Anlageexperten noch am Anfang ihrer Aufholjagd stehen: Wollen Privatanleger von diesem Trend profitieren, sollten sie sich beeilen. Denn die Papiere machen ihre schlechte Performance der vergangenen Jahre in rasantem Tempo wett. Die Unternehmensgewinne können dabei nicht immer mithalten. „Es ist fraglich, ob die hohen Bewertungen von Qualitätstiteln noch die Fundamentaldaten widerspiegeln“, sagt Vaight. „Gerade dadurch könnten sich Value-Aktien am Ende als die risikoreichere Anlage herausstellen.“

Newsletter: „Capital- Die Woche“

Jeden Freitag lassen wir in unserem Newsletter „Capital – Die Woche“ für Sie die letzten sieben Tage aus Capital-Sicht Revue passieren. Sie finden in unserem Newsletter ausgewählte Kolumnen, Geldanlagetipps und Artikel von unserer Webseite, die wir für Sie zusammenstellen. „Capital – Die Woche“ können Sie hier bestellen: