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Daniel Saurenz Wette niemals gegen Amerika

Bären- oder Bullenmarkt? An der Frage, wie es am US-Aktienmarkt weitergeht, scheiden sich die Geister
Bären- oder Bullenmarkt? An der Frage, wie es am US-Aktienmarkt weitergeht, scheiden sich die Geister
© IMAGO / UPI Photo
Bis zum Sommer 2022 herrschte in Deutschland und auch in den USA zeitweise Untergangsstimmung am Aktienmarkt. Die Aktien aber erholen sich. War es das etwa schon mit den günstigen Kursen?

Die Bilanz ist ruinös. Nie seit 1985 war die Halbjahresleistung des Nasdaq-Composite so schlecht wie 2022. US-Tech-Aktien wollte besonders aufgrund steigender Zinsen keiner haben. Ist das die vielbeschworene Zeitenwende? Warren Buffett hat viele schlaue Dinge in seinem Leben gesagt. Eine besonders bewährte Aussage lautet, man solle niemals gegen Amerika wetten. Das könnte auch jetzt so sein und die Gelegenheit für US-Tech-Aktien ist eine historische. Welche Argumente sprechen für steigende und welche für weiter fallende Kurse und wie sollte man sich jetzt positionieren? ETFs sind eine Möglichkeit, doch es gibt auch interessante Themenpapiere, die die US-Technologie abbilden. Elektromobilität, IT-Sicherheit und Metaverse sind nur drei Ansätze.

Weltweit befinden sich fast alle wichtigen Aktienmärkte in einem Bärenmarkt, haben also mehr als 20 Prozent vom Hoch verloren. „Solche Phasen dauerten in der Vergangenheit rund sechs Monate und es kam zu Verlusten von etwa 30 Prozent, sofern die Wirtschaft nicht in eine Rezession stürzte“, erklärt Gil Shapira, Chefstratege beim Broker eToro. Nachdem die US-Konjunktur im ersten Quartal bereits schrumpfte, ist eine Rezession aber sehr wahrscheinlich. „Im Mittel dauern Bärenmärkte dann 20 Monate und die Kurse sacken um etwa 40 Prozent ab“, ergänzt Shapira. Die Statistik gibt somit den Bullen wie auch den Bären gute Argumente. Entscheidend bleibt die Frage, wie scharf eine sich abzeichnende Rezession ausfallen wird.

Wie belastbar ist die günstige Bewertung?

Eng damit verknüpft ist die Frage der Bewertung. Nachdem die Aktienmärkte in den vergangenen Jahren fast durchweg eher teuer waren, gibt es die gleiche Qualität nun zu deutlich attraktiveren Preisen. US-Werte werden zum Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre, DAX und EuroStoxx 50 sogar mit einem Abschlag gehandelt. Aktien sind somit wieder attraktiv und das Chance-Risiko-Verhältnis besser als noch zu Jahresbeginn. Die anstehende Berichtssaison wird zeigen, wie belastbar die Gewinnprognosen sind.

Mit den heftigen Verlusten sind viele negative Nachrichten bereits eingepreist und die Stimmung ist denkbar schlecht. „Nur 20 Prozent der US-Anleger erwarten den S&P 500 auf Sicht der kommenden sechs Monate höher, ähnlich pessimistisch sind Fondsmanager positioniert“, erklärt Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachung der Börse München/gettex. Da Stimmungsindikatoren zu den Kontra-Signalgebern zählen, geht dieser Punkt eindeutig an die Bullen, also den optimistischen Anlegern.

Vor allem die Technologie-Aktien könnten eine Renaissance erleben. „Industriemetalle verzeichneten zuletzt den stärksten Quartalsverlust seit 2008 und auch die Energierohstoffe fallen zurück“, zeigt Stefan Riße von Acatis auch diese Seite auf. „Der Inflationsdruck sollte daher langsam nachlassen und der Fed mehr Handlungsspielraum hinsichtlich einer nicht so straffen Geldpolitik geben“, so der Experte.

Mit ETFs auf den Nasdaq 100 umgehen Anleger vor der anstehenden Berichtssaison das Einzelwertrisiko und holen sich kostengünstig den gesamten Index ins Depot. Umsetzen lässt sich das mit der WKN A0F5UF. Reizvoll sind aber auch Zertifikate, mit denen gezielt die Megathemen der Zukunft gespielt werden können. Starke Wachstumsperspektiven bieten aufgrund der weiter zunehmenden Digitalisierung vor allem Unternehmen, die im Bereich IT-Sicherheit tätig sind. Unternehmen wie Palo Alto, Fortinet, Secunet Security sowie der deutsche Anbieter Secunet dürften sich somit noch länger über gute Geschäfte freuen, die von der Politik massiv unterstützt werden.

Eng verknüpft mit der Digitalisierung ist die Verbindung von virtuellen und realen Welten, die unser Leben ebenfalls grundlegend verändern dürfte. Noch befindet sich das Metaverse im Anfangsstadium, doch nicht mehr lange. So zeigte bereits die Pandemie, dass es für viele Unternehmen kosten- und zeitsparend ist, Meetings nicht mehr vor Ort abzuhalten. Über breite Themen-Zertifikate wie den Metaverse Select-Index (WKN: SF65PO) können sich Anleger frühzeitig positionieren.

Gerade in den derzeit sehr volatilen Zeiten ist es auch von Vorteil auf Themen zu setzen, die von der Politik kräftig gefördert werden. So wird in zahlreichen Ländern der Kauf von E-Fahrzeugen massiv subventioniert. Tesla hat die Branche in den vergangenen Jahren kräftig aufgemischt, nun ziehen Konkurrenten nach. Die gesamte Wertschöpfung bis hin zur Infrastruktur für die Elektromobilität bietet reichlich Fantasie. Eine bequeme Lösung bietet das Vontobel Electric Vehicle Basket (WKN: VQ32VY), dass Hersteller von Elektrofahrzeugen und Batterien sowie deren Zulieferer enthält. Wie schon im ersten Halbjahr 2022 gilt jedoch eine Prämisse: Bei aller Freude über die jüngsten Kurserholungen sollten Anleger antizyklisch bleiben. Einkaufen kann man beherzt an jeden Tagen, an denen die Kurse mal wieder unter Druck stehen.

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


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