KommentarUnion Investment hisst weiße Flagge

Union Investment Hochhaus in Frankfurt bei Nacht
Union Investment Hochhaus in Frankfurt – Foto: Union Investment

Uwe Eilers ist Vorstand der Geneon Vermögensmanagement AG, KönigsteinUwe Eilers ist Vorstand der Geneon Vermögensmanagement AG, Königstein

 


Wenn die Union Investment den Aktienanteil in ihrem Riester Fondssparplan „UniProfiRente“ auf rechnerbasierende Systeme umbaut, heißt das zunächst, dass die bisherige Anlagestrategie im Fonds „Uniglobal“ nicht von Erfolg gekrönt war.

Nun sollen offensichtlich rechnerbasierte Handelssysteme die Rettung bringen. Die Vorteile dieser Systeme bei der rigorosen Verfolgung einer einmal definierten Strategie sind unbestreitbar: Unbeeinflusst von täglichen News und anderen Nebenkriegsschauplätzen lassen sich damit quantitativ fundamentale wie technische Daten, also Kennzahlen von Unternehmen, deren Aktien, von Anleihen, volkswirtschaftlichen Zahlen, Kursbewegungen oder anderen programmierten Merkmale durchforsten. Große Datenmengen können verglichen, Wertpapiere oder Märkte nach bestimmten Kriterien selektiert und gewichtet werden. Der Computer kennt kein „vielleicht“, kein Zaudern oder Zögern, sondern nur ja oder nein. Insofern ist er in dieser Hinsicht jedem menschlichen Pendant überlegen.

Der Computer ist allerdings kein selbstständiges Wesen. Er ist quasi der verlängerte Arm eines Management-Teams. Schließlich hat dieses die Anlageregeln erstellt und die Algorithmen programmiert. Der „Kollege Computer“ ist nur so intelligent wie der „Kollege Mensch“, der davor sitzt. Sofern also die gleichen Personen wie vorher für den neuen „Uniglobal Vermögen“ verantwortlich sind, ist es fraglich, ob sich die Performance wirklich verbessert. In jedem Fall hat das Fondmanagement jetzt eine bessere Entschuldigung, wenn es mit der Rendite nicht so klappt. Enthaftung via Bits and Bytes.

Risiko einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale

Im neuen „UniProfiRente“ sollen Trendfolgemodelle eingesetzt werden, da die Auslastung des Aktienanteils zwischen 51 Prozent und 120 Prozent variieren soll. Wurden in der Vergangenheit primär Hedgefonds mit rechnergestützten Handelsmodellen verwaltet, treten nun immer mehr große Investmentgesellschaften mit ihren Fonds in diese Fußstapfen. Der vermehrte Einsatz von Trendfolgemodelle kann zu erheblichen Marktverwerfungen führen. Wenn beispielsweise ein großer Marktteilnehmer aufgrund eines beginnenden Abwärtstrends erhebliche Mengen an Wertpapiere verkauft, sinken die Kurse, was wiederum andere große Trendfolger zu ähnlichen Aktionen veranlasst. Das kann zu einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale führen, ohne dass sich fundamental etwas geändert hätte.

Bereits im vergangenen Jahr konnte man beobachten, dass der Einfluss der Trendfolgesysteme auf die Kapitalmärkte immer größer wird. Als der Dax im September/Oktober 2014 innerhalb von nur einem Monat von 9800 Punkten auf den Tiefstand von rund 8350 Zählern absackte, erfolgte dies ohne eine große Veränderung der Nachrichtenlage. Erst als die letzten Trendfolger ihre Verkäufe getätigt hatten, war der Spuk vorbei. Ähnliches passiert aktuell mit den zehnjährigen Bundesanleihen. Der unterliegende Terminkontrakt verlor innerhalb von einem Monat von rund 160 auf unter 151, was man getrost als Crash bezeichnen kann.

Die Union Investment verwaltet in ihren Riesterprodukten Milliardenbeträge. Als Marktführer trägt sie hier eine ganz besondere Verantwortung für Ihre Kunden. Denn diese werden kaum verstehen, was sich für sie ändert. Sie stimmen vermutlich blind der Umschichtung zu. Und die Berater im Vertrieb werden sicher kaum erklären wollen, warum jetzt der Computer das richten soll, was dem Fondsmanagement bislang nicht gelungen ist. Verbraucherschützer müssten eigentlich auf die Barrikaden gehen. Oder glauben sie vielleicht auch: computergestützte Geldanlage gleich automatisch bessere Geldanlage?