BörsengangUber stottert sich an die Börse

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Uber oder Lyft?

Seit Börsengang jedenfalls ging es für die Lyft-Aktie nicht bergauf, sondern recht zügig bergab. Von den 78 Dollar ganz am Anfang sind inzwischen nur noch 55 Dollar übrig geblieben. Seit dem Börsengang hat der Kurs rund 20 Prozent verloren. Genau das will Uber nicht erleben. Deshalb setzt der Marktführer seinen Aktienpreis lieber gleich ein bisschen tiefer an. Die Frage ist nun, ob die Rechnung trotzdem aufgeht – aus Investoren- und Anlegersicht. Werden sie dem Unternehmen die Anteile langfristig zu diesem Preis abkaufen? Und haben sie damit nun größere Chancen, nach oben durchzustarten? Oder wird es in ein paar Wochen auch Bremsspuren im Uber-Kurs geben?

Lyft A Aktie

Lyft A Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Natürlich, Uber ist ein ganz anderes Kaliber als Lyft: Uber ist unangefochtener Marktführer und hat sich zurzeit zwei Drittel des Weltmarktes gesichert. Erst einmal. Es gelang ihm mit seiner rasanten Expansionspraxis in über 60 Ländern. Erst einmal.

Nun ist Wachstum alleine aber auch noch nicht alles. Zumindest fragen diejenigen, die solche Aktien kaufen auch gern: Macht das Unternehmen denn bald einmal Gewinn? Damit von den gigantischen Umsätzen auch irgendwann einmal etwas bei den Aktionären hängenbleibt? Und das können derzeit anscheinend nicht mal ihre Firmenchefs selbst sagen. Zumindest drückte es der Uber-Chef Dara Khosrowshahi zuletzt so aus: „Wenn Ihr ein vorhersehbar profitables Unternehmen wollt, kauft eine Bank. Kommt nicht zu uns – ganz einfach.“

Tiefrote Zahlen

Bei Uber blieben 2018 unterm Strich 1,8 Mrd. Dollar Verlust übrig, allerdings auch bei 11 Mrd. Dollar Umsatz. Im ersten Quartal 2019 betrug der Umsatz 3 Mrd. Dollar, aber dem stand 1 Mrd. Dollar Verlust gegenüber. Es gab also bei 3 Mrd. Dollar Umsatz rund 4 Mrd. Euro aus. Das muss man erst einmal hinkriegen, staunen da etliche Marktbeobachter. Die Schulden von Uber sind mittlerweile beachtlich. Zudem wuchsen selbst beim Marktführer die Erträge des zuletzt nur noch viel langsamer als zuvor. Das ließ auch Ubers Marge deutlich schrumpfen.

Natürlich liegt das daran, dass Uber viel in die Expansion investiert. Erst kürzlich kaufte es sich in ein Unternehmen im Nahen Osten ein. Doch gibt der Weltmarktführer auch hohe Summen aus, um sich in den einzelnen Ländern mit den Regulierungsbehörden um Beförderungsregeln zu streiten oder um die Mitarbeiterbeschäftigung oder um andere Wettbewerber in Schach zu halten. Weiter ausweiten will Uber sein Geschäft auch: Auf den Bereich der Essenslieferungen zum Beispiel. Zudem baut Uber das Leasinggeschäft aus und will als Vermittler von Frachtgut für Logistikunternehmen fungieren. Das könnte neues Potenzial erschließen. Der Gesamtmarkt für Ride-Sharing-Dienste wird schließlich insgesamt auf rund 500 Mrd. Dollar geschätzt.

Aber auch Konkurrent Lyft ist nicht untätig: Er will sich zwar auf den Bereich des Kunden-Transports konzentrieren – also erst einmal nur Menschen befördern. Dafür baut er den Verleih von Scootern und Fahrrädern auf. Selbstfahrende Wagen sollen zudem bald die Margen des Fahrtenvermittlers vergrößern, weil sich die Vermittlungsplattform dann die Ausgaben für Fahrer sparen kann. Und Personalkosten sind bekanntlich immer ein großer Kostenblock.