GeldanlageTeuer erkaufte Sicherheit

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Was Garantien wirklich kosten?

Die genauen Höhen von Provisionen, Verwaltungs- oder sonstigen Kosten in der Produktkalkulation interessierten die Forscher dabei weniger. Sie rechneten so:

Erstens errechneten sie, welchen Anteil von 50 Euro Monatssparbetrag ein 25-jähriger Sparer zur Seite legen müsste, damit sich der Betrag beim jetzigen Zinssatz bis zu seiner Rente so verzinst, dass am Ende mindestens die Einzahlsumme von 25.200 Euro dabei herauskäme (die ergibt sich aus 50 Euro x 12 Monate x 42 Jahre). Bei einem Zinssatz von einem Prozent wären es 32,92 Euro, die er etwa in festverzinsliche Anleihen investieren müsste. Die übrigen 18 Euro monatlich könnte er in eine riskantere und rentablere Anlageform stecken, wie Aktien.

Zweitens ermittelten sie, was der Sparer stattdessen anhäufen würde, wenn er den gesamten Betrag von 50 Euro monatlich in Aktien anlegen würde. Also weniger sicher aber dafür ungleich lukrativer. Die Differenz zwischen beiden Endergebnissen entspricht den Kosten, mit denen erstere Anleger das Plus an Sicherheit bezahlen. Zudem spielten die Wissenschaftler in Tausenden Szenarien durch, wie wahrscheinlich es wäre, dass der Sparer bei der reinen Aktienanlage am Ende der Sparzeit nicht mindestens den eingezahlten Betrag von 25.200 Euro herausbekäme. Das Ergebnis war mehr als eindeutig.

Legte ein 25-jähriger Sparer den Monatsbetrag von 50 Euro 42 Jahre lang zu 100 Prozent breit gestreut in Aktien an (was zwar null Prozent Kapitalgarantie bedeutet, aber im Mittel rund acht Prozent Rendite), so beläuft sich sein vermutliches Endvermögen auf rund 230.000 Euro. Investiert er dagegen nur 18 Euro monatlich in Aktien und den Rest in festverzinsliche Papiere mit einem Prozent Zinsen, so hat er zwar die 100-Prozent-Kapitalgarantie, aber am Ende kämen durchschnittlich nur 90.000 Euro dabei heraus, also besagte 140.000 Euro weniger.

Für langfristig orientierte Aktiensparer ist das Risiko sehr gering

Natürlich müssen die Zinsen nicht in den kommenden 40 Jahren so niedrig bleiben wie bisher. Sie können genauso gut steigen, das hieße, dass weniger Geld in die Absicherung fließt und mehr Geld in den Aktienanteil. Somit kämen dann natürlich mehr als die 90.000 Euro heraus. Doch im langjährigen Mittel wird das Endvermögen des 100-Prozent-Sicherheitssparers dennoch eher bei 170.000 Euro liegen und damit noch immer klar unter dem Betrag, den er mit reiner Aktienanlage erzielt hätte. Für extrem langfristige Anleger, so lernt man daraus, ist das Sparen mit Aktien extrem aussichtsreich und zudem ist die Wahrscheinlichkeit, am Ende weniger Geld zu haben, als man über die Jahre eingezahlt hat, extrem winzig.

Nun hat aber nicht jeder noch 42 Jahre Zeit zum Sparen. Wie also sieht die Bilanz aus, wenn man erst mit 35 oder 45 Jahren anfängt? Auch dann haben Aktiensparer beim durchschnittlichen Endvermögen weit die Nase vorn. Gegenüber den Sicherheitssparern hat der Aktiensparer, der mit 35 Jahren anfängt und 150 Euro monatlich beiseite legt, am Ende 200.000 Euro mehr Kapital angehäuft. Der Sicherheitssparer hat dementsprechend 200.000 Euro für seine Garantie bezahlt. Wenn man mit 45 Jahren beginnt und monatlich 200 Euro anlegt, klaffen die Endvermögen um durchschnittlich 100.000 Euro auseinander. Denn bei nur 22 Jahren Sparphase ist das Risiko, am Ende in einer schlechten Aktienmarktphase zu landen entsprechend höher. Das drückt die zu erwartenden Renditen etwas. Trotzdem ist es extrem unwahrscheinlich, letztlich weniger Geld herauszubekommen, als man eingezahlt hat, sagen die Berechnungen. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt theoretisch bei nur 3,4 Prozent.

In der Wirklichkeit sah es so aus: Die Simulationen haben gezeigt, dass das tatsächliche Ausfallrisiko nach 32 Jahren Aktiensparen in allen Ländern null Prozent betrug. Das heißt, es gab seit 1970 kein Land der Welt, dessen Aktienmarktrendite nicht ausgereicht hätte, um Aktiensparern am Ende mehr Geld zu bescheren, als sie eingezahlt haben. In Deutschland konnten Anleger in dieser Zeit von einer Durchschnittsrendite von 7,87 Prozent pro Jahr ausgehen. Wer auf den australischen, britischen, europäischen oder den Welt-Aktienmarkt setzte (Letzteres mit dem MSCI World), der schaffte sogar noch mehr, nämlich gut 9,5 Prozent.

Und jetzt, wo Ihnen bewusst ist, dass „Garantie“ nicht nur „viel Sicherheit“ heißt, sondern auch „extrem hohe Kosten“, noch einmal die Frage: Würden Sie wirklich 140.000 Euro für etwas ausgeben, was zu 99,4 Prozent im Laufe Ihres Lebens nicht eintritt?