AktieTesla nimmt Kurs zum Mond

Mit PR kennt sich Tesla bestens aus: Elon Musk schickte einen Roadster mit auf Weltraumfahrtdpa

„Wenn wir einen Roadster zum Asteroidengürtel schicken können, können wir wahrscheinlich auch die Produktion des Model 3 lösen“, also die paar Probleme hier zuhause auf der Erde. Das war einer der neuen markigen Sätze von Tesla-Chef Elon Musk, als er nach den Schwierigkeiten gefragt wurde, die ihm zurzeit der Bau der neuen Modellreihe bereitet. Teslas Volumenmodell schafft es noch immer nicht en masse auf die Straße. Noch hinkt die Produktion weit hinter den ursprünglichen Planzahlen hinterher. Aber was ist schon die Fertigung von ein paar läppischen 10.000 Autos, wenn man längst an etwas viel Größerem arbeitet, an der Entwicklung der Raumfahrt nämlich? So in etwa darf man Musks Worte verstehen, der sich bekanntlich noch nie durch irgendeine Art von Bescheidenheit ausgezeichnet hat.

Tatsächlich arbeitet er– während sich die Branche nächste Woche in Genf zum großen Autosalon trifft – längst daran, demnächst nicht nur Autos ins All zu schießen, (so wie es seine Firma mit besagtem Roadster getan hat, der nun angeblich um die Welt kreisen soll) sondern sogar Menschen dorthin zu befördern, in die Zone jenseits der Asteroiden. Und von dort aus wirken die Probleme zuhause vielleicht tatsächlich klein. Trotzdem werden gerade sie darüber entscheiden, ob es das Unternehmen Tesla wirklich schafft, derart groß und selbstbewusst zu werden, wie es sein Gründer Elon Musk bereits ist.

Dennoch kann man ihm gerade dieser Tage nicht nur reine Überheblichkeit vorwerfen. Schließlich hat er gerade etwas geschafft, was ihm viele seiner Firma nicht zugetraut hatten, die zuletzt vor allem wieder einmal mit großen Verlusten Schlagzeilen produzierte: Tesla aber hat 2017 seine größten Verfolger Mercedes, BMW und Porsche abgehängt und zwar selbst in Europa. In Amerika ist der Elektroautobauer der Konkurrenz schon vor geraumer Zeit davongefahren. Im vergangenen Jahr verkauften sich die Tesla-Stromer des Models S nun auch europaweit besser als alle anderen Premiummodelle heimischer Autobauer. Rund 16.100 Tesla kamen neu auf die Straßen. Dagegen wurden nur 13.300 Mercedes S-Klassen gekauft und 11.700 Exemplare des 7er von BMW. Für Tesla bedeutet das: Der Absatz stieg im Vergleich zu 2016 um rasante 30 Prozent. Während Mercedes nur ein kleines drei-Prozent-Plus einfuhr und BMW sogar einen Gang zurückschaltete und 13 Prozent weniger Premiumwagen verkaufte.

Tesla piesackt die Großen

Auch bei den Geländewagenmodellen liegt Tesla nun mit Porsche gleichauf, mit rund 12.000 verkauften Model X – die übrigen Konkurrenten im Feld reihen sich weit dahinter ein, der BMW X6 etwa hat gegen diese beiden momentan keine Chance. Im Heimatmarkt Amerika liegen Musks Stromautos sogar noch viel deutlicher vorn, hier verkauft Tesla beinahe doppelt so viele Model-S-Wagen wie Mercedes S-Klassen. Nun könnte man entgegnen: Wen kümmert´s? Schließlich machen diese Premiumkarossen nur ein Bruchteil der weltweiten Autoverkäufe deutscher Hersteller aus. Und gegen diese Millionen von Fahrzeugen kommt der kleine Elektroautoschrauber aus Kalifornien noch lange nicht an.

Stimmt, allerdings sind die Edelkarossen genau jene Autos, mit denen die Hersteller sehr viel Geld verdienen. Bei keinem Modell ist die Marge so hoch und der Verkauf deshalb so lukrativ wie bei der absoluten Oberklasse. Immerhin werden die Modelle von Mercedes und BMW für gut 85.000 Euro an die Fahrer gebracht, Tesla freilich schaffte es auch für 75.000 Euro. Man ahnt, welcher Spielraum also noch in den Preisen steckt. Von daher tut der Erfolg des Newcomers Tesla den Arrivierten zumindest ein bisschen weh. Und wer weiß, vielleicht wäre der Absatz beim BMW 7er ja nicht geschrumpft, wenn es Tesla nicht geben würde? Man darf das zumindest in den Raum stellen.

Nun haben sich zuletzt alle Hersteller viele Gedanken über den Elektroantrieb gemacht und stellen daher auf der Automesse in Genf auch ganz neue Fahrzeuge vor: Audi etwa will auch ein vollelektrisches Modell vorstellen, mit dem es den Kaliforniern Paroli bieten will. Porsche hat ebenfalls die Mission E angekündigt als Konkurrenz zum Tesla S und Daimler rüstet seine Fertigungsanlagen massiv auf, um seine S-Klasse besser bauen zu können. Die Frage ist also: Wer macht langfristig das Rennen? Und lohnt es sich jetzt noch bei Tesla einzusteigen, weil sich die Investition in die Elektromobilität tatsächlich auszahlt – auch für Anleger? Bisher galt die Aktie als eine der heißesten Wetten am Markt. Hat sich das mit dem Überholmanöver womöglich geändert?

Das laufende Jahr, kündigte Musk jüngst an, solle zu einem „Jahr der Verwandlung“ für seine Firma werden. Zum einen soll endlich die Fertigung des Massenmodells 3 besser laufen – und endlich die Stückzahl von 5000 Tesla pro Woche produziert werden. Zuletzt nämlich rollten nur 2500 Stück im gesamten vierten Quartal vom Band. Zum anderen will der Hersteller damit endlich schwarze Zahlen schreiben. Auch das ist keine neue Hoffnung, davon träumen Firmengründer und Analysten schon sehr lange. Zuletzt lag der Betriebsverlust aber bei stolzen 600 Mio. Dollar im Jahr. Immerhin, so stellten die Experten fest, sei das Kapital weniger stark geschrumpft als man befürchtet hatte. Die Frage, wie viele Autos in diesem Jahr tatsächlich fertiggestellt werden, könnte also tatsächlich zur alles entscheidenden Frage werden.

Der Kurs steigt und steigt

Natürlich sind viele Branchenbeobachter skeptisch. Viele warnen, der technologische Vorsprung Teslas schrumpfe mit jedem Tag und jedem neuen Modell der Konkurrenz mehr, und jeder Schritt in Richtung Massenproduktion könne schiefgehen. Das ändert aber nichts daran, dass genügend Investoren offenbar an die Zukunft des Autobauers glauben, oder zumindest eine stolze Summe darauf setzen: Rund 58 Mrd. Dollar ist Musks Firma derzeit an der Börse wert, das ist mehr als der Autobauer Ford aufs Parkett bringt. Natürlich steckt darin enorm viel Phantasie, das Kurs-Gewinn-Verhältnis lag zuletzt bei 104. Es ist verdammt hoch geflogen.

Und der Kurs steigt und steigt: Allein sieben Prozent legte das Papier auf Wochensicht zu, auf inzwischen rund 340 Dollar (270 Euro). 23 Prozent Kursplus verzeichnete es in einem Jahr. Fast 800 Prozent sind es binnen fünf Jahren gewesen. Da gerät so mancher Marktbeobachter ins Schwärmen. Große Abstürze hat es freilich auch gegeben: Von 280 auf 150 Dollar zwischen 2015 und 2016 und zuletzt von 380 auf 300 von Juni 2017 bis zum November. Dennoch: Aus der Ferne betrachtet wirkt die Kurskurve von Tesla ziemlich galaktisch und so, als würde sie natürlich weiter abheben. Ganz schwerelos.

Tesla Aktie

Tesla Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Daran glaubt zumindest Musk selber, so belegt sein neues Gehaltskonzept, das er jüngst vorgestellt hat: Demnach bekommt er kein Gehalt mehr, sondern nur noch Aktienoptionen – und die auch nur, wenn der Kurs so weit klettert, dass Tesla 100 Mrd. Dollar wert ist, also knapp doppelt so viel wie jetzt. Das kann man für ambitioniert halten, für Musk ist es aber erst der Anfang: Selbst 650 Mrd. Dollar Firmenwert hält er für erreichbar, langfristig peilt er sogar die Billionenmarke an. So manchen Marktbeobachter ist das entschieden zu abgehoben: Die überwiegende Zahl von Analysten rät bei Tesla nicht zum Kauf, sondern mahnt zur Vorsicht.

Das sollte man ohnehin sein, denn man muss wissen, dass nicht nur das Lager des Tesla-Anhänger groß ist, sondern es gibt ebenfalls viele Investoren, die gegen die Aktie wetten – und nur darauf warten, dass die Notierung das nächste Mal wieder vom Kurs abkommt und fällt. Dann nämlich gewinnen sie. Das löst häufiger heftige Kursausschläge aus und sollte mahnen, nur Geld in diese Aktie zu investieren, wenn man notfalls einen erheblichen Kurssturz verkraften kann, oder sogar den Totalverlust des eingesetzten Geldes. Denn was wäre ein spekulativeres Papier als dieses, mit dem man den Traum vom Weltall träumt? Und von der baldigen Elektrifizierung des Straßenverkehrs. Manchmal klingt tatsächlich Letzteres unwahrscheinlicher, als dass jetzt ein Roadster im Asteroidengürtel um die Erde kreist.