GeldanlageSo vollziehen Sie den Kohleausstieg in Ihrem Depot

Kohlekraftwerk Niederaussem
Kohlekraftwerk NiederaussemGetty Images

Drei Jahre später. Die Dieselkrise schwelt noch immer, auch wenn der Autokonzern VW am Donnerstag erstmals zugestimmt, für die Hardware-Umrüstung von alten Dieselfahrzeugen Geld locker zu machen. Der Konzern wolle sich „finanziell beteiligen“ und jedem Kunden ein passendes Angebot vorlegen, sagte der VW-Vorstand dem Verkehrsminister. Ob das nun heißt, dass Volkswagen die Kosten komplett übernimmt oder nur einen Teil davon, muss man weiter abwarten. Marktbeobachter aber werteten das als Einlenken des Konzerns. Es wurde auch Zeit, denn der Streit zieht sich endlos hin: Wer zahlt für die vielen Autos, die weit über die Vorschriften hinaus die Luft verpesten, aber vorgeben, doch sehr viel sauberer zu sein? Darauf wollen viele eine Antwort, doch bisher sträubten sich die Autokonzerne oder lehnten jegliche Schadensbegrenzung aus eigenen Kassen rundweg ab. Obwohl sie doch die Verursacher der Dieselkrise sind. Was das alles mit den Anlegern zu tun hat? Sie könnten schon einmal anfangen selber aufzuräumen in ihren Depots.

Es geht nun nicht darum, die VW-Aktie zwingend aus dem Portfolio zu werfen. Die hat sich übrigens seit ihrem Diesel-Absturz von rund 250 Euro auf unter 100 Euro wieder um zirka 50 Prozent erholt und steht inzwischen wieder bei 150. Die jüngsten Nachrichten haben ihr wieder ein wenig Schub verliehen. Es ist aber noch ein Auf und Ab, das sie derzeit durchläuft. Nein, es geht vielmehr um die Grundfrage: Kann man mit dem eigenen Depot den Schadstoffausstoß der Weltwirtschaft beeinflussen? Könnte man also sozusagen als Aktionär zum Aktivisten werden und Unternehmen zwingen, die Umwelt weniger zu verpesten? Die entscheidende Kenngröße dabei sind die CO2-Mengen, die allerorten in die Luft geblasen werden. Und Analysten sagen: Ja, man kann als Anleger dazu beitragen, dass es weniger CO2 wird.

Infografik: Die Geschichte des Kohldendioxidausstoßes | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Börse honoriert geringen CO2-Ausstoß

Das ist schließlich erklärtes Ziel der Staaten, die regelmäßig Klimaabkommen unterzeichnen. Und sich auch daran zu halten versuchen. Demnächst könnte das CO2-Vermeiden auch zum Hauptziel von Anlegern werden. Nicht weil sie die Welt retten wollen oder ihnen die Umwelt so am Herzen liegt, sondern weil es dabei – viel banaler – um Rendite geht. Der Zusammenhang ist nämlich messbar, wie Studien beweisen. Es gebe eine direkte Verbindung zwischen der Intensität des CO2-Ausstoßes von Unternehmen und ihrer Kapitalmarktperformance, ermittelten Forscher der Universität Hamburg. Dazu sahen sie sich die Daten von 4000 Unternehmen an. Einerseits ihre Emissionsdaten, also den Klima-Fußabdruck, den sie durch Treibhausemissionen hinterlassen. Und andererseits ihre Aktienkurse und Unternehmenskennziffern. Das Ergebnis: Gruppiert man die Firmen je nach Schadstoffausstoß in Klassen – also in diejenigen, die wenig CO2 produzieren; in jene, die viel CO2 rausblasen; und eine Gruppe dazwischen – dann fielen die Wenigproduzierer durch eine deutliche Mehrrendite im Vergleich zum Durchschnitt auf. Sie brächten ihren Anlegern demnach 0,39 Prozentpunkte mehr Ertrag als der Referenzindex, sagt die Studie. Während die Vielproduzierer auf eine deutliche Unterrendite kamen. Sie schnitten 0,38 Prozentpunkte schlechter ab als der Index. Insgesamt liegen zwischen den CO2-Guten und den CO2-Bösen also knapp 0,8 Prozentpunkte Rendite. Das kann man als Anleger als Bonus einstreichen, wenn man auf die sauberen Firmen setzt.

Noch auffälliger war der Unterschied beim Marktwert-Buchwert-Verhältnis, also der Marktkapitalisierung (Kurs mal Aktienanzahl) im Vergleich zum Buchwert. Der Marktwert lag bei den Unternehmen mit niedrigem CO2-Ausstoß im Schnitt rund 30 Prozent höher als bei den Vielverbrauchern. Die Börse bewertet also Firmen mit geringem Kohlendioxidausstoß durchweg positiver als es ihre reinen Fundamentaldaten rechtfertigen würden. Was kann man daraus folgern? Der CO2-Fußabdruck eines Unternehmens ist offenbar ein guter Indikator dafür, wie wachstumsstark eine Firma von Investoren gesehen wird. Und welche Wertschöpfung man ihr zutraut.

Nun sind solche Bewertungen und Börsenkurse ja reine Zukunftsbetrachtungen. Erwartungen, die vom Markt bereits eingepreist sind, heißt es oft. Aber können die umweltfreundlicheren Firmen das auch in Gewinne umsetzen? Sind sie profitabler? Das ließ sich bisher noch nicht eindeutig belegen. Es gibt Studien, die das bereits zu belegen versucht haben. Das Ergebnis lautet bisher: 45 Prozent der Studien wiesen nach, dass weniger CO2-Ausstoß auch eine bessere Unternehmensperformance bedeutete. In 39 Prozent der Studien kam heraus, dass wenig CO2-Emission mit einer schlechteren Firmenbilanz einherging. Und gut 15 Prozent der Untersuchungen fanden keinen eindeutigen Zusammenhang. Die Schwäche der Analysen war allerdings, dass sie „Unternehmensperformance“ nicht einheitlich definierten. Sie machten sie mal an Kapitalmarktdaten fest, mal am Wachstum der Unternehmen, mal an Profitabilität und mal an der Liquidität der Firmen.