VorsorgeSo regeln Berufseinsteiger ihre Finanzen

Eine Frau hält ein blaues Sparschwein in der Hand
Auch wenn es schwerfällt: Berufseinsteiger sollten an ihre Altersvorsorge denkendpa

Wenn das erste Vollzeit-Gehalt aufs Konto fließt, ist das für Berufseinsteiger ein besonderer Moment. Ging es als Student oder Azubi vor allem darum, irgendwie über die Runden zu kommen, steht auf einmal mehr Geld zur Verfügung, als man in einem Monat sinnvoll ausgeben kann. Neue Wohnung, ein dickes Auto oder die lang ersehnte Reise nach Fernost – das alles rückt mit dem ersten Gehalt plötzlich in greifbare Nähe.

Doch Vorsicht: Berufsanfänger sollten erst ihre Finanzen auf solide Beine stellen, bevor sie ihren neu gewonnenen Wohlstand verprassen, raten Experten. Themen wie den nötigen Versicherungsschutz sollten Berufseinsteiger am besten sofort bei Job-Start angehen. Andere Bereiche der persönlichen Finanzplanung drängen nicht ganz so sehr, können sich jedoch umso mehr lohnen, je früher Angestellte sich darum kümmern. Capital zeigt, welche Punkte auf der To-Do-Liste nicht fehlen dürfen.

#1 Versicherungsschutz regeln

Im Studium war das Leben noch einfach: Die Krankenversicherung lief über die Eltern, auch um Hausrat und Haftpflicht musste man sich keine Sorgen machen – schließlich zahlte dort bei Schäden ebenfalls die Familienpolice. Mit dem Start ins Berufsleben müssen sich junge Menschen zum ersten Mal selbst versichern. In Deutschland herrscht Krankenversicherungspflicht, um diese Police kommen Berufsanfänger also nicht herum. Bei allen anderen Versicherungen haben sie in der Regel die Wahl – und sind angesichts der Angebotsvielfalt oft überfordert.

Verbraucherschützer halten neben der Krankenversicherung nur eine andere Police für unverzichtbar: die private Haftpflichtversicherung. Sie greift, wenn der Versicherte einem Dritten unabsichtlich einen Schaden zufügt. Das kann nämlich gewaltig ins Geld gehen und im schlimmsten Fall sogar in die Privatinsolvenz führen. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen empfiehlt daher einen Vertrag mit einer Deckungssumme von mindestens fünf Mio. Euro.

#2 Altersvorsorge in die Wege leiten

Viele Deutsche fürchten sich vor Altersarmut, doch nur die wenigsten sorgen privat vor – Berufseinsteiger meist noch seltener als andere Altersgruppen. Dabei lohnt es sich gerade für junge Menschen, früh mit der Vorsorge zu starten. Denn je eher sich Arbeitnehmer um ihre Altersvorsorge kümmern, desto mehr Geld können sie im Ruhestand erwarten. Dafür sorgt der sogenannte Zinseszinseffekt. Einfach erklärt: Wer langfristig Geld fürs Alter zurücklegt, etwa mit einem Fondssparplan, bekommt dafür Zinsen. Auf diese Beiträge plus Zinsen gibt es über die Jahre hinweg wieder Zinsen – das angelegte Kapital vermehrt sich also umso stärker, je mehr Zeit ins Land geht. Berufseinsteiger sollten den Zinseszinseffekt für sich arbeiten lassen, sei es bei der privaten oder der beruflichen Altersvorsorge.


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#3 Vermögenswirksame Leistungen nutzen

Arbeitnehmer in Deutschland verschenken regelmäßig Geld, weil sie ihren Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen verfallen lassen. Das ist ein Zuschuss von bis zu 40 Euro im Monat, den Unternehmen zusätzlich zum Gehalt zahlen, um Mitarbeiter beim Vermögensaufbau zu unterstützen. Viele Arbeitgeber sind tariflich dazu verpflichtet, vermögenswirksame Leistungen zu gewähren – andere Unternehmen tun es oft freiwillig.

Mitarbeiter können aus vier verschiedenen Anlageformen wählen, die sie über den Zuschuss besparen wollen: Bauspar- und Banksparpläne stehen ihnen ebenso offen wie Fondssparpläne oder eine betriebliche Altersversorgung (bAV). „Der Beginn der Ausbildung oder der erste Job sind der richtige Anlass, um mit dem geförderten Sparen zu beginnen“, sagt Michael Gott, Vertriebsleiter bei der Hamburger Sutor Bank. Berufsanfänger sollten aktiv nachfragen, ob ihr Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen anbietet, rät der Experte.

#4 Rücklagen bilden

Sobald man richtig verdient, darf man sich natürlich auch was gönnen. Wer aber nach dem Studium oder der Ausbildung kein Geld auf der hohen Kante hat, sollte sich zuerst eine Notfallreserve zulegen, raten Experten. Als Richtwert gelten drei bis fünf Nettomonatsgehälter, die Sparer am besten auf einem Tagesgeldkonto parken. Dort wirft das Geld zwar aktuell kaum Zinsen ab, ist aber jederzeit verfügbar. Berufseinsteiger können so unvorhergesehene Ausgaben wie eine Autoreparatur oder eine neue Waschmaschine stemmen, ohne ihre Altersvorsorge antasten zu müssen.